Tierzahl sinkt, Tierleid steigt
2025 wurden in der Schweiz weniger Tiere in Tierversuchen eingesetzt. Gleichzeitig stieg die Zahl der Tiere mit schwersten Belastungen auf den höchsten Stand seit 26 Jahren. Der Zürcher Tierschutz fordert deshalb einen verbindlichen Ausstiegsplan aus belastenden Tierversuchen und eine gezielte Förderung tierfreier Forschung.
2025 wurden in der Schweiz insgesamt weniger Tiere in Tierversuchen eingesetzt als im Vorjahr. Gleichzeitig nahm die Zahl der Tiere zu, die der höchsten Belastungsstufe ausgesetzt waren. Für den Zürcher Tierschutz ist klar: Die sinkende Tierzahl ist erfreulich, doch die Entwicklung bei den schwersten Belastungen ist und bleibt höchst bedenklich.
Rund 508’000 Tiere verzeichnet die Tierversuchsstatistik des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) im Jahr 2025. Das sind knapp 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei sank die Anzahl Tiere in der zweithöchsten Belastungsstufe mit Schweregrad 2.
Anders sieht es im höchsten Schweregrad 3 aus: Hier stieg die Anzahl um 7,4 Prozent auf 29’413 Tiere an, was den höchsten Wert seit 26 Jahren bedeutet. Zu dieser Kategorie gehören Versuche, die schwere Schmerzen, langfristiges Leiden oder schwere Schäden verursachen. Im Kanton Zürich gingen die Einsätze in dieser Belastungsstufe zwar zurück, doch sie wurden durch die Zunahme in der übrigen Schweiz übertroffen.
Weniger Tiere bedeuten nicht automatisch weniger Tierleid
Deutlich zeigt sich diese Entwicklung in der Krebsforschung: Insgesamt wurden weniger Tiere eingesetzt, doch im Schweregrad 3 erhöhte sich die Tierzahl um mehr als einen Viertel. Wer das Tierleid beurteilen will, muss deshalb neben der Tierzahl auch die Schwere der Belastung berücksichtigen.
Der lange Leidensweg der Labortiere beginnt aber nicht erst im Experiment. Bereits die reizarme Haltung in engen Plastikboxen schlägt den Tieren aufs Gemüt. Gegenseitige Aggressionen, Stereotypien und andere Verhaltensstörungen sind die traurige Folge. Stress schadet dem Immunsystem und die kann auch die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen. Bereits 2023 haben wir in unserer Medienmitteilung «Reizarme Laborhaltung macht Mäuse krank» auf diese Missstände aufmerksam gemacht. Unter Laborbedingungen sind Minimal-Tierhaltungen erlaubt, für welche jede Privatperson wegen Gesetzesverstössen belangt würde. Aus unserer Sicht müsste allein die trostlose Haltungsumwelt als Belastung der Stufe 1 beurteilt werden. Denn für die Tiere zählen nicht nur die Eingriffe im Versuch selbst, sondern auch alles andere, was sie tagtäglich durchleben müssen.
Es braucht einen Systemwandel hin zu tierfreier Forschung
Der Zürcher Tierschutz fordert ein Umdenken in der Forschung und eine Abkehr vom Tierversuch. Es gibt immer mehr tierfreie Alternativen, die schneller, billiger und besser sind als Tierversuche. Um das Ziel einer tierfreien Forschung zu erreichen, braucht es einen verbindlichen Ausstiegsplan aus belastenden Tierversuchen mit überprüfbaren Zielen und fixen Meilensteinen. Schritt für Schritt muss die Entwicklung und Anwendung tierfreier Methoden gezielt gefördert werden. Die erneute Zunahme der Versuchstiere im höchsten Belastungsgrad zeigt, wie gross der Handlungsbedarf noch ist. Wir bleiben dran: Unser Ziel bleibt eine Forschung, die Erkenntnisse gewinnt, ohne dass Tiere dafür leiden müssen.
Direkt zur Tierversuchsstatistik 2025 des BLV: https://www.blv.admin.ch/de/statistik-tierversuche