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Das Leiden der Nutztiere

Technische Fortschritte ermöglichten ab den 1960er-Jahren eine enorme Intensivierung in der Landwirtschaft. Immer mehr Tiere wurden auf engstem Raum in dunklen Ställen untergebracht, ohne auf ihr Verhalten und ihre Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Dank Massenproduktion sind nun Fleisch, Milch und Eier jederzeit billig verfügbar – den Preis dafür zahlen die Nutztiere.

Mit der Tierschutzverordnung von 1981 wurden in der Schweiz zwar Missstände wie die Käfighaltung von Legehennen abgeschafft, doch auch heute noch fristen viele Nutztiere ein trauriges Leben zwischen Beton und Eisen, ohne je an die Sonne oder die frische Luft zu können. Sie leiden unter körperlichen Schäden, Krankheiten und Stress, aber auch grober Behandlung.

  • Massentierhaltung

    In riesigen Ställen werden Hunderte oder gar Tausende von Tieren eingepfercht. Dicht an dicht gedrängt, können sie sich kaum bewegen. Die Tiere leiden unter Stress und entwickeln oft Verhaltensstörungen, wie z.B. Schwanzbeissen bei Mastschweinen oder gar Kannibalismus bei Legehennen. Die Nutztiere leben direkt über den eigenen Fäkalien, die durch Spalten in eine Güllegrube oder auf ein Kotband fallen. Dadurch sind die Tiere dauerndem Gestank und Schadgasen ausgesetzt. Auf minimaler Fläche wird so maximal viel produziert.

  • Hochleistungszucht

    Parallel zur Intensivierung der Haltung wurde die tierische Produktion auch durch intensive Zucht auf hohe Leistungen gesteigert. Die körperlichen Schäden sind gravierend: Masthühner entwickeln so viel Brustfleisch, dass sie sich nach vier Wochen kaum noch auf den Beinen halten können, Milchkühe sind wegen der riesigen Euter im Gehen und Liegen eingeschränkt, Masthühner und Schweine verenden wegen des schnellen Fleischzuwachses vermehrt an Herz-Kreislauf-Kollaps.

  • Antibiotika & Medikamente

    Die extrem hohen Leistungen und der ständige Stress machen die Tiere anfälliger für Krankheiten. Je grösser die Tierzahl, desto mehr steigt der Krankheitsdruck, Erreger können sich umso besser ausbreiten. In der Folge werden viele Tiere krank oder verenden frühzeitig. Oft werden Medikamente und bei Bedarf auch Antibiotika eingesetzt, um den Schaden zu begrenzen. Jene Tiere, die nicht innert Kürze gesunden, rentieren nicht mehr – sie werden geschlachtet.

  • Eingriffe an Tieren

    Um Problemen in einem Haltungssystem vorzubeugen, werden Nutztiere oft "zurechtgestutzt". Beispiele sind das Schnabelkürzen bei Legehennen und Truten oder das Enthornen von Milchvieh. In der Schweiz ist für besonders schmerzhafte Eingriffe wie Enthornen, Schwanzkürzen oder Kastration zwar Schmerzausschaltung (Betäubung oder Lokalanästhesie) vorgeschrieben, doch der Stress durch die Behandlung bleibt. Im Ausland werden viele Eingriffe ohne jegliche Schmerzausschaltung durchgeführt.

  • Grober Umgang

    Je mehr Tiere auf engem Raum gehalten werden, desto schwieriger ist die Kontrolle der Tiere. Die Produzent*innen sehen oft nicht, wenn ein Tier krank oder verletzt ist, besonders in Geflügelhaltungen mit Tausenden von Tieren. Je mehr Tiere gehalten werden, desto weniger zählt das einzelne Lebewesen. Die Nutztiere werden nur noch als Produktionseinheiten betrachtet und nicht mehr als leidensfähige Geschöpfe. Grosser finanzieller Druck und Zeitnot führen oft zusätzlich zu einer personellen Überforderung, die ihrerseits die Vernachlässigung der Nutztiere und damit noch mehr Tierleid nach sich zieht.

  • Steigender Tierverschleiss

    Der Anzahl Nutztiere, die in der Schweiz leben und sterben, steigt von Jahr zu Jahr. In der Massentierhaltung sind hohe Verluste einkalkuliert. Die Brüder der intensiven Legehennen werden nicht mehr aufgezogen und gegessen, sondern als Eintagesküken vergast. Gleichzeitig sterben Millionen Turbo-Masthühner für die Produktion von Geflügelfleisch. Zudem sind für uns fast nur noch Edelstücke wie Pouletbrüstli, Rindsfilet oder Schweinesteak gut genug. Ein Teil des "minderwertigen" Fleisches kommt noch als Gehacktes, Burger, Würste & Co. auf unseren Tisch, der Rest wird exportiert oder entsorgt.

  • Politische Fehlanreize

    Durch Subventionen pro Tier und Fläche werden Grossbetriebe stark gefördert. Zwar leistet der Bund Direktzahlungen für die zwei Tierhaltungsprogramme "Besonders tierfreundliche Stallhaltung (BTS)" und "Regelmässiger Auslauf im Freien (RAUS)" zur Förderung des Tierwohls, doch gehen diese zu wenig weit: Nur etwa 10% der rund 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen gehen an Tierwohl-Programme. Zudem verhindert die Bauernlobby eine Weiterentwicklung der Direktzahlungsverordnung hin zu strengeren, innovativen und tierfreundlicheren Haltungssystemen.

  • Billigimporte

    In ausländischen Nutztierhaltungen fehlt es meist an Tageslicht und Stroh sowie an Vorgaben für eine maximale Anzahl Tiere pro Fläche. Deshalb sind dort drastisch grössere Massentierhaltungen möglich als bei uns. Die Nutztiere werden mit Kraftfutter und Medikamenten zu noch höheren Leistungen getrieben als in der Schweiz. Viele Eingriffe wie Kastration oder das Kürzen von Schwänzen werden ohne Schmerzausschaltung durchgeführt. Die stundenlangen Transporte von Schlachttieren quer durch Europa sind eine Qual. Dazu kommen teils katastrophale Zustände in den Schlachthöfen. Die Billigpreise im Ausland sind nur aufgrund der maximalen Ausbeutung der Nutztiere möglich –die Menge macht den Profit. Das ist reine Tierquälerei!

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