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Der steinige Weg zum Importverbot für Qualpelz

Das Hauptziel unserer Kampagne «echt Pelz – echt grausam» ist zum Greifen nah: Der Bundesrat möchte ein Import- und Handelsverbot für Qualpelze einführen. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, Tierschutzthemen langfristig zu verfolgen.

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Seit 2014 müssen Produkte, die Echtpelz enthalten, deklariert werden. Die Deklarationspflicht sollte Transparenz schaffen, woher und von welchem Tier der Pelz stammt und ob er auf tierquälerische Weise (Käfighaltung oder Fallenfang) erbeutet wurde. Die Kundschaft sollte mithilfe dieser Informationen eigenverantwortliche Kaufentscheidungen treffen können. Doch unsere Ladenrecherchen sowie die Kontrollen des Bundes haben immer wieder aufgezeigt, dass Pelzprodukte falsch oder unzureichend deklariert werden. Die Deklarationspflicht wird anhaltend und flächendeckend missachtet. So bleibt das Tierleid hinter Echtpelz verschleiert.

Motion für ein Pelz-Importverbot

Mit Nationalrat Matthias Aebischer hat unser Anliegen für ein Importverbot tierquälerischer Pelzprodukte Eingang in die Politik gefunden. Unterstützt durch das Knowhow und die Informationen von uns und weiteren Tierschutzorganisationen reichte er im Dezember 2019 die Motion «Importverbot tierquälerisch erzeugter Pelzprodukte» ein.

Um das politische Geschäft zu unterstützen, haben wir zusammen mit Campax, Tier im Recht und Animal Rights Switzerland im Frühjahr 2020 eine gleichnamige Petition lanciert. Am 20. September 2021 konnten wir sie mit über 42'000 Unterschriften in Bern einreichen (siehe Pressemittelung «Petition will Importe von Qual-Pelzen verbieten»). Die hohe Anzahl belegt klar, dass ein Importverbot im Volk grossen Anklang findet. Um den öffentlichen Druck auf die Politik zu erhöhen, publizierten wir am 19. Mai 2021 mit unseren Partnerorganisationen ein Video mit Statements von Schweizer Prominenten, die ein Pelz-Importverbot unterstützen.

Die Motion wurde am 13. Dezember 2021 von einer überwältigenden Mehrheit des Nationalrates angenommen (siehe Pressemittelung «Nationalrat will Import von Qualpelzen verbieten»). Doch leider lehnte der Ständerat im Juni 2022 die Motion mit knapper Mehrheit ab (siehe Pressemittelung «Qualpelze: Ständerat politisiert am Volk vorbei»). Das war eine grosse Enttäuschung, der Ständerat hat einmal mehr die Zeichen der Zeit verkannt.

Volksinitiative für ein Importverbot

Nachdem die Motion Aebischer gescheitert war, lancierte eine Tierschutzallianz Ende Juni 2022 eine analoge Volksinitiative. Wir haben diese ebenfalls unterstützt. Sie kam im Dezember 2023 mit über 113'400 Unterschriften zustande. Die Initiative verstärkte den Druck auf die Politik, die Pelzproblematik zu lösen. Da die Kontrollen des Bundes ebenso wie unsere Ladenrecherchen wiederholt zeigten, dass die Deklarationspflicht in der Praxis nicht funktioniert, hat der Bundesrat inzwischen einen eigenen Vorschlag für eine Umsetzung des Importverbots und ein weiterführendes Handelsverbot unterbreitet. Nun besteht die Möglichkeit, dass die Initiative zurückgezogen wird – sofern die tierschützerischen Anliegen darin weitgehend enthalten sind.

Pelzdeklaration hat versagt

Der Vorschlag des Bundesrats für ein Importverbot ist die Reaktion auf einen Vollzugs-Notstand. Die Kontrollen des Bundes zeigten immer wieder, dass die Deklaration der tierquälerischen Pelzprodukte in der Praxis nicht funktioniert. Daran änderte auch eine Revision der zugrundeliegenden Pelzdeklarationsverordnung im Frühling 2019 nichts (siehe Pressemittelung «Zürcher Tierschutz ist empört: Bund deckt Qualpelze»). Bereits seit 2014 legen wir mit unseren eigenen Recherchen in den Läden jedes Jahr massenhaft Deklarationsmängel offen und leiten diese dem zuständigen Bundesamt weiter. Diese Gesetzesverstösse lassen sich nur durch ein schweizweites Importverbot für Qualpelze stoppen.

Vernehmlassungen zum Pelz-Importverbot

In der ersten Jahreshälfte 2024 hat der Bundesrat einen Vorschlag für ein Importverbot in die Vernehmlassung geschickt. Darin legte er dar, wie das Importverbot in den geltenden Verordnungen für die Ein-, Durch- und Ausfuhr von Tieren und Tierprodukten gemäss internationalem Recht umgesetzt werden kann. Wir begrüssten den Entwurf, forderten aber verschiedene Nachbesserungen. Insbesondere sollten auch Schlagfallen für Wildtiere nicht vom Verbot ausgenommen werden.

Das Pelz-Importverbot war Teil eines Verordnungspakets, das auch eine Kennzeichnung von Qualprodukten im Lebensmittelbereich umfasste wie Stopfleber, Froschschenkel oder Fleisch und Eier von Tieren, die schmerzhafte Eingriffe erlitten hatten. In einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Schweizer Tierschutz STS, der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) und VIER PFOTEN kritisierten wir die Schlupflöcher und forderten konsequente Importverbote (siehe Pressemitteilung «Vernehmlassung zu Pelzimport, Stopfleber & Co.: Verbesserungen werden begrüsst, genügen aber nicht»).

Historische Beschlüsse des Bundesrats zu Pelz und anderen Qualprodukten

Am 28. Mai 2025 hat der Bundesrat wegweisende Entschlüsse gefasst: Einerseits hat er das Importverbot für tierquälerische Pelzprodukte per 1. Juli 2025 in Kraft gesetzt mit einer zweijährigen Übergangsfrist. Zugleich hat er neue Deklarationspflichten für Stopfleber, Froschschenkel und mit Qualmethoden erzeugte Eier und Fleisch erlassen. Wir haben diese Grundsatzentscheide sehr begrüsst und gemeinsam mit anderen Tierschutzorganisationen eine Pressemitteilung dazu veröffentlicht.

Mit den Beschlüssen vom 28. Mai hat der Bundesrat die Weichen gestellt für einen endgültigen Ausstieg der Schweiz aus der weltweiten Profitmacherei auf Kosten der Pelztiere. Wir freuen uns riesig darüber und nähern uns nun dem Hauptziel und damit dem Ende unserer Kampagne «echt Pelz - echt grausam»

Vernehmlassungen zur Pelz-Initiative

In der zweiten Jahreshälfte 2024 schickte der Bundesrat einen indirekten Gegenvorschlag zur Pelz-Initiative in die Vernehmlassung, in dem er neben einem Import- auch ein weiterführendes Handelsverbot für Qualpelze in Aussicht stellte. Hocherfreut begrüssten wir diese Absicht, forderten aber weitere Verbesserungen. Mit unseren Partnerorganisationen (STS, TIR, VIER PFOTEN) verfassten wir erneut eine Stellungsnahme und ein Factsheet als Vorlage für Partnerorganisationen und erhöhten den Druck auf den Bundesrat durch eine Pressemitteilung: «Bundesrätlicher Gegenvorschlag zur Pelz-Initiative: Lob und Kritik von Tierschutzseite».

Im Anschluss an die Vernehmlassung publizierte  der Bunderat am  28. Mai 2025 seine Botschaft zur Pelz-Initiative. Darin empfiehlt er, die Initiative abzulehnen und stattdessen seinen indirekten Gegenvorschlag anzunehmen. Dieser sieht vor, neben einem Import- auch ein Handelsverbot im Tierschutzgesetz zu verankern. Wir freuen uns sehr über dieses konsequente Bekenntnis zu mehr Tierschutz. 

Ständeratskommission wollte Import- und Handelsverbot verwässern

Die vorberatende Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats (WBK-N) beantragte dem Gesamtrat die Annahme des bundesrätlichen Gegenvorschlags, sprach sich aber dafür aus, die Einfuhr und den Verkauf von Pelzprodukten, die «gemäss den Vorgaben international anerkannter Zertifizierungssysteme» erzeugt wurden, auch weiterhin zuzulassen. Diese «Label» der Pelzindustrie dienen jedoch als Deckmantel für grausame Käfighaltung und qualvollen Fallenfang. Mit einer Pressemitteilung und intensivem Lobbying haben wir zusammen mit anderen Tierschutzorganisationen vor dieser inakzeptablen Verwässerung gewarnt.

Am 17. September lehnte der Nationalrat die beantragte Änderung der vorberatenden Kommission ab und unterstützte den Gegenvorschlag des Bundesrates. Im Tierschutzgesetz soll nun festgehalten werden, dass Pelze von Tieren, die in Käfigen mit Gitterböden gehalten oder mit Fallen gejagt wurden, in jedem Fall vom Import- und Handelsverbot erfasst sind. 

Nun hoffen wir, dass auch der Ständerat zustimmt, damit der Import und Handel tierquälerischer Pelzprodukte in der Schweiz bald definitiv der Vergangenheit angehören.

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