Haltung von Achatschnecken
Achatschnecken sind faszinierende und augenscheinlich anspruchslose Haustiere. Dennoch sollten Sie sich gut belesen und einiges dafür tun, damit die Schnecken all ihre Bedürfnisse befriedigen können und sich wohl fühlen. Dies setzt einiges an Wissen über die Biologie der Tiere voraus.
Grundbedürfnisse von Achatschnecken
Neben der ausreichenden Versorgung mit Futter und Wasser gehören zu den Grundbedürfnissen von Schecken:
- Sozialkontakt
- Bewegung
- Kalkaufnahme
- Trockenruhe
Klima und Beleuchtung im Terrarium
Damit sich Ihre Achatschnecken wohl fühlen und gesund bleiben, müssen Sie im Terrarium die Klimabedingungen ihrer afrikanischen Heimat bestmöglich nachbilden:
- Temperatur: tagsüber 24 bis 27° C, nachts 20 bis 23° C
Bei entsprechender Raumtemperatur könnten Achatschnecken auch ohne zusätzliche Wärmelampe gehalten werden. Es macht aber durchaus Sinn, im Terrarium mithilfe einer Wärmelampe verschiedene Temperaturzonen zu erzeugen. - UVB-Stärke: UV-Index 1 bis 2 (Low)
- Luftfeuchtigkeit: tagsüber 70 bis 80%, nachts 90 %
- Beleuchtungsdauer: 12 Stunden
Kontrollieren Sie die Werte regelmässig, um rechtzeitig reagieren zu können, wenn sich das Klima im Terrarium verändert.
Grundausstattung für die Haltung von Achatschnecken
- Vollglas-Terrarium (mind. 100 x 60 x 60 cm3 für bis zu 5 Tiere)
- grabbares, gut feucht zu haltendes Substrat ohne Torf (mind. 15 cm tief, pH-Wert 7 bis 8, z. B. (aufgekalkter) Kokos-Humus)
- Laub (z.B. Eiche, Buche)
- Versteckmöglichkeiten wie Korkröhren oder spezielle Unterschlüpfe aus dem Fachhandel
- Äste, Wurzeln und Rindenstücke zum Klettern
- grosse flache Wasserschale (stabil und sicher platziert)
- Wassersprüher
- Messgerät(e) für Temperatur und Luftfeuchtigkeit
zusätzlich sinnvoll:
- Transportbox(en)
- Asseln und Springschwänze als "Reinigungstruppe & Gesundheitspolizei" im Terrarium
- pH-Teststreifen
- Wärmestrahler
Achtung: Verzichten Sie auf Gegenstände aus Keramik oder ähnlichem harten Material sowie auf Steine. Wenn die Schnecken beim Klettern herunterfallen, kann es zu Gehäusebrüchen kommen.
Für die komplette Grundausstattung ist mit Kosten von mind. 400 Franken zu rechnen. Je nach Qualität und Design kann es aber auch deutlich mehr sein.
Ernährung von Achatschnecken
Achatschnecken sind Allesfresser, ernähren sich in der Natur aber vorwiegend vegetarisch. Neben den Blättern verschiedener Pflanzen fressen sie in der Natur auch Früchte und verrottende Pflanzenteile. Auch Tierkot und Aas werden nicht verschmäht. Mit ihrer Raspelzunge (Radula) können sie sogar Algen von Steinen oder Rinde abraspeln.
Wichtig ist eine ausreichende Versorgung mit Calcium, das sie unter anderem aus ihrer pflanzlichen Nahrung gewinnen. Zusätzlich fressen sie in der Natur aber auch kleine Erdkörnchen. Im Terrarium haben sich Sepiaschalen (Schulpe) oder Kalksteine für Nager als zusätzliche Calciumquelle bewährt.
| immer | Sepiaschale oder Kalkstein für Nager |
| täglich | frisches Gemüse (Broccoli, Gurke, Karotte, Kürbis, Rande, Zucchetti), Salate (Chicoree, Eisbergsalat, Kopfsalat etc.), Pilze, Kräuter (Basilikum, Kresse, Petersilie), Wiesenpflanzen (Löwenzahn, Wegerich, Gänseblümchen, Brennnessel u. Ä.) und Blätter (Hasel, Eiche, Buche) |
| mehrmals die Woche | frische Früchte (Apfel, Banane, Beeren, Melone, Trauben etc.) |
| zweimal die Woche | Tierisches (gekochtes Ei, getrocknete Insekten, Gammarus, Bachflohkrebse) |
| gelegentlich | eingeweichte Haferflocken, Weizenkleie, Hirse, Getreide- und Grassamen (gemörsert oder gekeimt), gekochte Kartoffel, Nüsse (ohne Schale), Heilerde |
| nie | Milchprodukte, Kohl, Zitrusfrüchte |
Diese Liste ist nicht abschliessend.
Tipp: Schneiden Sie Obst und Gemüse am besten in kleinere Stücke und legen Sie es mit der Schnittfläche nach oben ins Terrarium.
Achtung: Achatschnecken reagieren empfindlich auf Salz und Kupfersulfat, die in Hunde- und Katzenfutter enthalten sind. Verzichten Sie daher auf solche Futtermittel. Auch Pestizidrückstände schaden den Schnecken. Waschen Sie Obst und Gemüse daher gründlich ab und wählen Sie wenn möglich Frischfutter in Bioqualität.
Achatschnecken können sich durch regelmässige Fütterung zur gleichen Zeit auch daran gewöhnen, tagsüber aktiv zu sein. Das erleichtert Ihnen die tägliche Kontrolle der Tiere.
Gesundheit und Pflege von Achatschnecken
Gute Haltungsbedingungen und eine abwechslungsreiche Ernährung helfen, Erkrankungen vorzubeugen. Um Probleme rechtzeitig zu erkennen und die Haltungsbedingungen anpassen zu können, sollten Sie Ihre Schnecken wenn möglich täglich beobachten. Sind sie normal aktiv und sieht alles aus wie immer? Fressen sie? Einmal in der Woche sollten Sie zudem eine eingehende Körperkontrolle durchführen. Folgende Punkte sollten Sie bei den Kontrollen beachten:
- Ist das Gehäuse rundum intakt und normal geformt?
- Hat es Pickel oder ähnliche Ausstülpungen am Körper? (Hinweis auf Wurmbefall)
- Reagiert die Schnecke auf Berührungen ihres Weichkörpers?
- Produziert die Schnecke weniger Schleim oder ist der Fuss trockener als normal?
Wiegen Sie Ihre Schnecken zudem einmal im Monat und notieren Sie das Gewicht. Nimmt die Schnecke ab, deutet das auf ein gesundheitliches Problem hin.
Ist das Wachstum abgeschlossen, wirkt das Gehäuse mit der Zeit abgenutzt. Es wird rauer und gräulich. Das ist ganz normal und kein Grund zur Sorge.
Kalkbad
Einmal in der Woche können Sie Ihren Achatschnecken ein spezielles Kalkbad anbieten. Dazu lösen Sie einen halben Teelöffel Futterkalk in 200 ml Wasser auf. Achten Sie darauf, dass Sie die Badeschale nur flach befüllen (max. 1 cm), damit das Atemloch der Schnecken stets über der Wasseroberfläche bleibt. Die Schnecken nehmen das Bad meist gern an und können während des Badens zusätzliches Calcium aufnehmen.
Gehäuseverletzungen
Achatschnecken können Gehäuseschäden reparieren, wenn keine wichtigen Organe verletzt wurden. Dabei bauen sie die Gehäusesplitter mit ein, die nicht abgefallen sind. Allerdings sind diese häufig verschoben, sodass es zu «Narben» kommt z.B. in Form von Wulsten auf dem Gehäuse. Auch bleiben Brüche von aussen häufig gut sichtbar, da die Schnecken das Gehäuse von innen reparieren. Wichtig für die Heilung ist die ausreichende Versorgung der Schnecke mit Calcium. Auch Heilerde im Badewasser kann helfen, die Schnecken mit wichtigen Mineralien zu versorgen.
Um Ihre Schnecke bei der Heilung zu unterstützen, sollten Sie die Bruchstelle vorsichtig von Erde und anderem Dreck reinigen. Anschliessend können Sie das Bruchstück (oder ein passendes Stück abgekochte Eierschale) mit Fixierpflaster so festkleben, dass die defekte Stelle abgedeckt ist. Meist vergraben sich die Schnecken während der Heilungsphase. Ist die Schnecke wach und Sie bemerken, dass sich das Pflaster langsam löst, können Sie es vorsichtig entfernen und bei Bedarf erneuern. Je nach Verletzung kann es mehrere Wochen dauern, bis das Gehäuse wieder fest zusammengewachsen ist.
Kontrolle und Reinigung des Terrariums
- Kontrollieren Sie täglich die klimatischen Bedingungen im Terrarium. Hilfreich sind dabei Hygro- und Thermometer (ur Feuchtigskeits- und Temperaturmessung), die dauerhaft im Terrarium stehen und von aussen gut einsehbar sind.
- Entfernen Sie jeden Tag den Kot der Schnecken und sämtliche Futterreste.
- Reinigen Sie täglich die Wasserschale und füllen Sie sie mit frischem Wasser.
- Um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen, besprühen Sie jeden Abend Einrichtung und Boden.
- Durchsuchen Sie das Substrat einmal in der Woche gründlich nach Gelegen, um diese zu entfernen (siehe Fortpflanzung). Lockern Sie dabei das gesamte Substrat auf.
- Allfällig verdreckte Scheiben können Sie mit reinem Wasser reinigen.
- Wenn das Substrat matschig wird oder anfängt zu riechen bzw. nach spätestens zwei Monaten, sollten Sie das Terrarium komplett reinigen und das Substrat ersetzen.
Tipp: Wenn Sie Asseln und Springschwänze als "Putzkolonne" im Schnecken-Terrarium angesiedelt haben, ist keine routinemässige Komplettreinigung nötig.
Wichtig: Frieren Sie das Substrat mindestens 10 Tage lang ein, um mögliche Eier oder übersehende Jungschnecken abzutöten, bevor Sie das Substrat auf dem Kompost oder mit der Grünabfuhr entsorgen.
Fortpflanzung
Achatschnecken sind je nach Art bereits in ihrem ersten Lebensjahr geschlechtsreif, noch bevor sie ausgewachsen sind (Lissachatina fulica mit ca. 6 Monaten bzw. bei einem Gewicht von ca. 70 g). Wie alle Lungenschnecken sind auch Achatschnecken Zwitter, das bedeutet, dass sie sowohl weibliche als auch männliche Keimzellen produzieren. Vor einer Paarung kommt es zu einer mitunter mehrstündigen Balz, bei der sich die Schnecken mit ihren Fühlern berühren und sich gegenseitig überkriechen. Kommt es zur Paarung, werden die Geschlechtsapparate am Kopf ausgefahren und Sperma ausgetauscht. Das Sperma wird im sogenannten Samensack gespeichert und reicht für mehrere Gelege. Achatschnecken können auch mehr als ein Jahr nach der letzten Paarung noch befruchtete Eier legen.
In der Regel kommt es aber einige Tage nach der Paarung zur Eiablage. Die Schnecken legen, je nach Art, bis zu 500 Eier pro Gelege, die sie im feuchten Substrat vergraben. Nach bis zu 8 Wochen schlüpfen dann die jungen Schnecken. Da es vorkommt, dass die Schnecken die befruchteten Eier länger im Körper tragen, kann die Zeit bis zum Schlupf allerdings auch deutlich kürzer sein.
Achtung: Es ist wichtig, dass Sie mindestens einmal in der Woche das Substrat nach Gelegen absuchen, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Durch Einfrieren (mind. 48 Stunden) wird die Entwicklung der Schnecken im Ei gestoppt und das Jungtier stirbt ab. Am schonensten ist es, wenn Sie die Eier vorher einige Stunden im Kühlschrank abkühlen lassen.
Trockenruhe bei Achatschnecken
Um längere Trockenperioden in der Natur zur überleben, vergraben sich Achatschnecken im Boden, ziehen sich in ihr Gehäuse zurück und verschliessen den Eingang ihres Gehäuses mit einer Mischung aus Kalk und getrocknetem Schleim. Sie zehren in dieser Zeit von ihren Reserven, nehmen aber vor allem wegen des Flüssigkeitsverlustes an Gewicht ab. Wird es wieder feuchter, durchbrechen sie die Schutzhaut und graben sich wieder an die Oberfläche. Sie müssen nun erstmal wieder Wasser aufnehmen, bevor sie fressen und Nahrung verdauen können. Nach der Trockenruhe beginnt die Paarungszeit der Schnecken, damit der Nachwuchs vor der nächsten Trockenperiode genug Zeit hat, zu wachsen und sich Reserven anzufressen.
Auch in der Terrarienhaltung sollten die Schnecken die Möglichkeit bekommen, eine Trockenruhe zu halten. In dieser Zeit kann sich der Organismus erholen und die Lebenserwartung der Schnecken steigt. Um die Trockenruhe einzuleiten, geben Sie Ihren Schnecken zunächst immer weniger wasserhaltiges Futter. Bedecken Sie zudem das Substrat mit Falllaub. Dieses hält die Feuchtigkeit im Boden und dient zudem als Nahrung für Ihre Schnecken. Anschliessend reduzieren Sie die Luftfeuchtigkeit im Terrarium, indem Sie weniger und seltener sprühen (alle 2 bis 3 Tage). Wichtig ist, dass das Substrat feucht bleibt und nicht austrocknet. Auch darf die Luftfeuchtigkeit nicht für längere Zeit unter 50% fallen. Die Schnecken werden sich durch die Trockenheit von allein vergraben und in die Trockenruhe übergehen. Nach zwei Monaten oder wenn die Schnecken vorher schon von allein wieder wach werden, können Sie dann das Terrarium wieder häufiger befeuchten. Sobald Ihre Schnecken wieder wach sind, können Sie auch wieder Futter im Terrarium anbieten.
Rechtliche Grundlagen der Schneckenhaltung
Achatschnecken unterliegen als Weichtiere nicht dem Tierschutzgesetz und der Tierschutzverordnung. Entsprechend ist ihre Haltung rechtlich in der Schweiz nicht reguliert.
Dennoch ist das Aussetzen von Schnecken nicht erlaubt. Es würde sich rechtlich gesehen um die Ansiedlung einer landesfremden Art handeln, die nach Art. 23 NHG bewilligungspflichtig wäre.
Tierschutzprobleme in der Schneckenhaltung
In der Haltung von Achatschnecken gibt es verschiedene tierschutz-relevante Entwicklungen. Die wichtigsten Tierschutzprobleme sind:
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unüberlegte Anschaffung
Das Angebot von Schnecken in Kleinanzeigen, auf Exotenbörsen oder im Zoofachhandel kann zu einer spontanen Anschaffung verleiten. Wenn dann die Euphorie rund ums Tier verflogen ist, müssen die Schnecken häufig weg. Wenn sie Glück haben, werden sie vermittelt oder in ein Tierheim gebracht. Andere Achatschnecken werden ausgesetzt.
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unkontrollierte Vermehrung
Achatschnecken sind Zwitter und legen mehrmals im Jahr zahlreiche Eier. Wenn diese nicht abgesammelt und abgetötet werden, werden aus einem Schneckenpaar schnell mehrere Hundert Schnecken (siehe oben). Die Geburtenkontrolle muss auch während der Abwesenheit von Halterin bzw. Halter gewährleistet sein.
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Haltung in Aquarien
In Aquarien ist die Belüftung meist unzureichend und Kohlenstoffdioxid (CO2) kann sich am Boden ansammeln. Dies betäubt die Schnecken, die sich zurückziehen und langsam an Sauerstoffmangel sterben. Es ist daher wichtig, dass im unteren Bereich des Terrariums Lüftungsgitter angebracht sind.
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falsche Ernährung
Schnecken benötigen genügend Calcium, um ihr Gehäuse zu vergrössern. Fehlt dies in der Nahrung, bricht das Gehäuse aufgrund der dünnen Schale leichter. Ausserdem beginnen die Schnecken, sich gegenseitig das Calcium aus dem Gehäuse zu raspeln.
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zu saures Substrat
Ist der pH-Wert des Substrates zu niedig, der Boden also zu sauer, fühlen sich die Schnecken unwohl. Sie meiden den Kontakt zum Boden und halten sich vorwiegend an den Terrarienwänden oder auf Einrichtungsgegenständen auf. Auch fressen sie weniger und ihr Gehäuse kann durch die Säuren angegriffen werden. Meist versterben die Schmecken nach einiger Zeit.
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ungenügende medizinische Versorgung
Das Wissen um die Erkrankungen und Behandlungen von Schnecken ist gering. Entsprechend können die Tiere kaum richtig tiermedizinisch versorgt werden, wenn sie leiden. Hinzu kommt, dass es schwierig für Halterinnen und Halter ist, Erkrankungen zu erkennen.
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Schneckenduschen
Social Media Videos zeigen immer wieder, wie Schnecken unter einen Wasserstrahl gehalten werden und versuchen, am Strahl hochzuklettern. Was verniedlicht dargestellt wird, ist grosser Stress für die Tiere, da sich das Wasser am Atemloch der Tiere stauen kann und sie verzweifelt versuchen zu entkommen.