Untaugliche Tiermodelle
 

Multiple Sklerose heilen - aber wie?

Bei einer Untersuchung der Gene und ihres Zusammenspiels von MS-Patienten und Tiermodellen haben deutsche Wissenschafter aus Hannover und Biberach grosse Unterschiede entdeckt. Damit zeigt sich einmal mehr und zwar wissenschaftlich, dass Tiermodelle für menschliche Krankheiten grundsätzlich fragwürdig sind, weil Mäuse und Ratten - die am allermeisten verwendeten Versuchstiere - eben keine kleinen Menschen sind. Wesentlich vielversprechender sind Forschungsansätze mit Hautproben von Patienten. Und es müssen erst noch keine Tiere dafür leiden!

 

Kaum Übereinstimmung zwischen Mensch und Tiermodell

Die Forschenden untersuchten die an der Krankheit beteiligten Gene, welche sich bei MS-Patienten mit denen der betrachteten Tiermodelle decken. Dabei fanden sie lediglich zwölf übereinstimmende Gene. Erstaunlich war, dass diese zwölf Gene bei den MS-Patienten runter-, in den Tiermodellen jedoch hochreguliert waren. Die wenigen Gene, die bei allen Erkrankungen im Spiel waren, verhielten sich in den Tiermodellen komplett entgegengesetzt zu jenen bei der humanen Erkrankung.

 

In einer Pressemitteilung meinten die Wissenschaftler, es sei nicht auszuschliessen, dass die Unterschiede auf die genetische Komplexität und den entfernten Verwandtschaftsgrad der verwendeten Spezies zurückzuführen sind...

 

Quelle: InVitroJobs, Newsletter Juli 2014

 

Vielversprechende Therapieforschung mit Stammzellen

Wissenschaftler des New York Stem Cell Foundation (NYSCF) Research Institute sind der Entwickkung einer Ersatztherapie zur Behandlung von MS-Patienten mit patienteneigenen Stammzellen einen Schritt weitergekommen.

 

Hierfür erzeugten sie aus Hautproben von Patienten mit beginnender fortschreitender MS Stammzellen (iPS). Daraus entwickelten sie Oligodendrozyten, einen Nervenzelltyp, dessen Aufgabe u.a. in der Produktion von Myelin besteht, das die Nervenzellfortsätze isoliert. Viele Erkrankungen wie Multiple Sklerose setzen bei den Oligodendrozyten an.

 

Die Wissenschaftler waren durch die Erzeugung dieses Zelltyps aus Patientenmaterial in der Lage, die Entwicklung und den Fortschritt der MS zu verfolgen. Sie konnten den Ausbruch der Erkrankung auf Zellebene untersuchen, lange bevor es zu den äußeren sichtbaren Symptomen kommt.

 

Mit Hilfe ihres entwickelten Protokolls wollen die Forscher ein Krankheits-Zellmodell u.a. zum Screening potenziell geeigneter Arzneimittel zur Behandlung von Multipler Sklerose entwickeln.

 

Quelle: InVitroJobs, News-Archiv, 28. Juli 2014

 

 

 

Keine kleinen Menschen

© Paco Ayala / Fotolia
 

Weitere Infos

 

Das 3R-Prinzip

3R steht für Replace, Reduce, Refine animal experimantation.

auf Deutsch: Vermeide, Vermindere, Verfeinere Tierversuche.

 

In der Schweiz wird das Befolgen des 3R-Prinzips seit 2008 vom Gesetz gefordert (Art. 137 TSchV).