Tierversuchsstatistik 2016
 

In 17 Jahren kein nennenswerter Fortschritt

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat im Juli die neue Tierversuchsstatistik präsentiert. 2016 wurden in der Schweiz 629'773 Tiere in Tierversuchen eingesetzt, das sind 7,7 % weniger als im Vorjahr. Ein Rückgang des sogenannten Tierverbrauchs ist in jedem Fall erfreulich. Er täuscht aber nicht über die Tatsache hinweg, dass Tierversuche nach wie vor als Standardmethode der biomedizinischen Forschung gelten und der vielfach heute schon mögliche Umstieg auf versuchstier-freie Methoden nur sehr schleppend vonstattengeht. Dabei verlangt das Tierschutzgesetz, dass Tierversuche nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn glaubhaft begründet wird, dass es keinen anderen gangbaren Weg gibt.

Die Zahlen stagnieren

Der tiefste Jahreswert eingesetzter Versuchstiere (566'398) stammt aus dem Jahr 2000. Seither schwankt er zwischen 575'000 und 762'000 Tieren jährlich, ein Abwärtstrend ist nicht in Sicht. Das ist nicht nur enttäuschend für den Tierschutz, es ist auch aus wissenschaftlicher und politischer Sicht kein Ruhmesblatt. Der Wille, versuchstier-freie Forschungsmethoden zu entwickeln und Tierversuche wo immer möglich durch solche zu ersetzen bzw. zu umgehen, fehlt immer noch vielerorts. Das gilt insbesondere für die Hochschulforschung, in der fast 60% aller Versuchstiere (369'189) zum Einsatz kommen und sterben. Anstatt sich kraftvoll für versuchstier-freie Forschungsmethoden einzusetzen, bemühen sich einschlägige Fachorganisationen im Gegenteil darum, der Bevölkerung die Wichtigkeit und den Erhalt der Tierversuche glaubhaft zu machen.

Das Leiden der Tiere wird heruntergespielt

Dass «nur» rund 23,2% aller Versuchstiere in mittelschwer belastenden Versuchen eingesetzt wurden (Schweregrad 2) und nur 2,6% den höchsten Belastungsgrad 3 erleiden mussten, mag gewisse Leute beruhigen. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass es sich dabei – alleine in der Schweiz! - um 146'237 plus 16'125 Tiere handelt, ist es vorbei mit der Beruhigung. Das sind 162'362 Tiere zu viel! Zudem gilt es zu bedenken, dass die Belastung eines Experimentes von den Forschenden selbst und z.T. auch von Behördenmitgliedern gerne heruntergespielt und zu tief eingestuft werden.

Und immer noch Primaten für die Forschung!

Der erbitterte Kampf um einen schwer belastenden Affenversuch am Institut für Neuroinformatik in Zürich hat gezeigt (wir haben hier darüber berichtet): Man schreckt nach wie vor nicht davor zurück, Primaten, die nächsten Verwandten des Menschen, für schwerst belastende Experimente mit höchst fraglichem Nutzen einzusetzen, wenn nötig mit dem Segen von Gerichten. Die Zahl der schweizweit eingesetzten Affen (v.a. Makaken, Javaneraffen und Krallenäffchen) ging zwischen 2000 und 2016 zwar von 730 auf 198 zurück, was erfreulich ist. Und in den Jahren 2015 und 2016 erlitt keines der Tiere den höchsten Belastungsgrad, offiziell zumindest. Dennoch sind wir der Meinung, dass diese Versuche, auch die gesetzlich vorgeschriebenen für sogenannte Unbedenklichkeitsprüfungen, keine Zukunft haben dürfen.

 

Abertausende für Versuche

 

Tierversuchsstatistik 2016

Die Tierversuchsstatistik im Detail

 

Alternativen: das 3R-Prinzip

3R steht für "Replace, Reduce, Refine animal experimentation". Auf Deutsch heisst dies so viel wie "Vermeide, Vermindere, Verfeinere Tierversuche".

Mehr zum Thema: > Tierversuche, > Alternativmethoden

 

Gentechnisch veränderte Tiere

Von den 410'577 in Versuchen eingesetzten Mäusen waren 2016 deren 170'560 gentechnisch verändert, Tendenz weiterhin steigend. Das sind 42% oder bald die Hälfte aller Versuchsmäuse. Weiterhin waren 2'644 Fische, 1'669 Ratten, 14 Schweine und 4 Kaninchen gentechnisch verändert. Schöne neue Welt!