Tierversuchsstatistik 2014
 

Versuchstierzahlen steigen: wo bleibt der 3R-Fortschritt?

Die vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV publizierten Tierversuchszahlen für das letzte Jahr verheissen nichts Gutes. Die Anzahl der Tiere, die in Tierversuche verwendet wurden, stieg bedauerlicherweise 2014 um 2.8% an. Insgesamt wurden im letzten Jahr 606'505 Tiere in Tierversuchen eingesetzt. Bei den Versuchen, die die höchste Belastung für die Tiere mit sich bringen, stieg die Tierzahl proportional am meisten (+6.9%). Aus Tierschutzsicht weisen diese Zahlen auf eine sehr enttäuschende Entwicklung. Viele Tierversuche sind ethisch absolut nicht zu rechtfertigen und für viele gäbe es vollwertigen Ersatz. Der Bundesrat hat kürzlich angekündigt, dass die Schaffung eines Kompetenzzentrums für Alternativmethoden zu prüfen sei. Vor dem Hintergrund der aktuellen Versuchstierzahlen muss der Fortschritt in 3R (Replace, Reduce, Refine) dringend vorangetrieben werden.

 

Überzählige Tiere werden entsorgt

Erschreckend sind die Zahlen der für Tierversuche gezüchteten und importierten Tiere. Laut Statistik wurden nicht einmal die Hälfte (44.7%) der produzierten oder importierten Tiere für Tierversuche verwendet. Noch extremer ist die Anzahl überzähliger Tiere bei den genetisch veränderten Linien. Von 813'028 genetisch veränderten Tieren wurden 152'128 verwendet. Dies bedeutet, dass über 80% (!) der genetisch veränderten Tiere zwar gezüchtet wurden, aber nicht verwendet werden konnten, weil sie die genetischen Merkmale nicht aufwiesen. Wie das BLV völlig unkritisch schreibt werden "solche überzähligen, nicht verwendeten Tiere getötet". Das ist aus Sicht des 3R-Prinzips völlig unhaltbar und ethisch nicht vertretbar. Auch diese Tiere müssen in der Güterabwägung für Tierversuche mit einbezogen werden und dementsprechend ihre Rechtfertigung erhalten. Hier sind Lösungen und neue Ansätze dringend gefragt.

 

3R-Fortschritt muss vorangetrieben werden

Die neuen Versuchstierzahlen lassen nicht auf eine nachhaltige Entwicklung nach dem 3R-Grundsatz schliessen. Auch der erneute Anstieg an Versuchstieren an den Universitäten zeugt nicht von fortschrittlicher Forschung am Standort Schweiz. Der 3R-Grundsatz fordert den Ersatz von Tierversuchen, die Reduktion der Anzahl Versuchstiere und die Verminderung des Leides für die Tiere, wo immer dies möglich ist.

 

 

Tausende für Versuche

 

Tierversuchsstatistik 2014

 

Das 3R-Prinzip

3R steht für "Replace, Reduce, Refine animal experimentation". Auf Deutsch heisst dies so viel wie "Vermeide, Vermindere, Verfeinere Tierversuche".

 

Mehr zum Thema: > Tierversuche, > Alternativmethoden

 

 

Genetisch veränderte Tiere

Die Anzahl der genetisch veränderten Tiere im Versuch stieg um 5.8% an. Für jedes genetisch veränderte Versuchstier werden vier weitere Tiere getötet, weil sie die genetischen Merkmale nicht aufweisen. Die Rechtfertigung dieser überzähligen Tiere - vorallem bei genetische veränderten Tieren - ist gründlich zu hinterfragen.