Kommentar zum gleichnamigen Artikel in NZZ Campus
 

Kurzes Leben im Labor

In der NZZ-Beilage „Campus“, die über das Hochschulstudium und das Studieren berichtet, widmete sich Lucia Theiler am 7. Juli 2013 der Thematik „Tierversuche an Zürcher Hochschulen“. Zu lesen waren Sach- und Fachinformationen, es kamen aber auch Doktorandinnen zu Wort, die im Rahmen ihrer akademischen Ausbildung Tierversuche durchführen und dabei auch Tiere töten. Löblich an diesem Artikel ist, dass er die Problemzone „Tierversuche im Studium“ anspricht. Leider verpasst es der Artikel die Wahrheit abzubilden, welche sich im Umfeld von Tierversuchen abspielt. Dies soll hier nachfolgend berichtigt werden.

 

Tierversuche in der Grundlagenforschung nehmen zu!

Die Tierversuchsstatistik des Bundes zeigt bei genauerer Betrachtung das Gegenteil dessen, was im Artikel so rühmlich erwähnt wird (drastische Verringerung der Tierversuche). Denn auch wenn die gesamtschweizerische Zahl der Versuchstiere seit 1980 (!) spürbar abgenommen hat, so steigt sie im Bereich der Grundlagenforschung, welche hauptsächlich an Universitäten durchgeführt wird, in den letzten Jahren stetig an. Man schmückt sich also mit fremden Federn, wenn abnehmende Tierversuchszahlen ausgewiesen werden. Die Tierzahl-Reduktion geht alleine auf das Konto der Pharmaindustrie, welche die Zeichen der Zeit erkannt und sich engagiert hat, um tierbelastende Versuche insbesondere im Bereich der Toxikologie zu minimieren und durch versuchstierfreie (Alternativ-)Methoden zu ersetzen.

Medizinischer Fortschritt ohne Versuchstiere ist möglich!

Die Entwicklung in der Pharmaindustrie zeigt, dass medizinischer Fortschritt mit viel weniger oder schlussendlich gar ohne Tierversuche auskommen könnte, wenn der Wille nur da wäre. Genau dieser fehlt an Hochschulen aber nachweislich. Man hängt sehr am „guten alten Tierversuch“ und erklärt ihn kurzerhand für unerlässlich. So wird dem gesetzlichen Anspruch nicht Rechnung getragen, den Tierversuch überall dort zu ersetzen, wo ein anderes Verfahren zum gleichen Erkenntnisgewinn führt. 


Hochschulen müssen die Ausbildung ernst(er) nehmen!

Geht man davon aus, dass dies nur aus Unwissenheit geschieht, ist eine vermehrte Ausbildung und Beratung in den so genannten 3R-Methoden und insbesondere in Sachen „Ersatz von Tierversuchen“ ein Muss! Gesetzliche Vorschriften sind immer nur so gut, wie sie vollzogen werden. An den Hochschulen werden viele Versuche wissenschaftlich schlecht geplant und müssen aufgrund verschiedenster Fehler wiederholt werden. Oftmals bringen sie schlussendlich nicht das Resultat, das der Forscher als Nutzen respektiv Gewinn in die Waagschale geworfen hat, um das teilweise massive Tierleid zu rechtfertigen. Wie im Campus-Artikel richtig erwähnt, muss jeder Tierversuch vorgängig bewilligt werden. Dies geschieht jedoch durch die kantonale Veterinärbehörde, die Tierversuchskommission (nicht Tierschutzkommission!) hat dabei nur beratende Funktion. Die Zusammensetzung der Kommission – 6 Forschungsvertreter, 1 unabhängiger Tierarzt, 1 Ethiker und 3 Tierschützer - lässt bereits daraufhin schliessen, wie die meisten der Versuche beurteilt werden. 

 

Nicht nur Menschenschutz, auch Tierschutz ist gefragt!

„Um sich selber zu schützen, muss man sich abtrainieren, das Tier niedlich zu finden“. Diese Aussage einer Doktorandin, die mit Mäusen arbeitet, ist nachvollziehbar – als Selbstschutz. Nicht verpassen darf sie jedoch, die arteigenen Bedürfnisse der ihr anbefohlenen Mäuse zu kennen und bestmöglich zu schützen. Zum Beispiel sind Mäuse genauso wie Ratten äusserst soziale Tiere; im Unterschied zu Letzteren fehlt Mäusen aber die Eigenschaft, den Menschen als Sozialpartner zu akzeptieren.

Wissen über das Verhalten und die Haltung der Versuchstiere sollte in den Ausbildungskursen für die Forscher gefördert werden, ebenso wie die Fähigkeit, Empathie gegenüber der genutzten Kreatur zu haben und Tiere entsprechend der arteigenen Bedürfnisse zu halten und pflegen. Bis sie schlussendlich nach den Versuchen schmerzfrei getötet werden. Übrigens: Der Genickbruch stellt sicherlich eine schnelle Tötungsart dar, vorausgesetzt, er wird fachgerecht durchgeführt. Fehlt die Fertigkeit, ist gerade diese Tötungsmethode mit grossen Qualen für das Tier verbunden. Darum ist diese anspruchsvolle Methoden gemäss der Richtlinien des Bundesamtes für Veterinärwesen auch nur noch in Ausnahmefällen für Einzeltiere zulässig.

 

Empathie empfinden

© Oleg Kozlov / Fotolia
 

Das 3R-Prinzip

3R steht für Replace, Reduce, Refine animal experimantation.

auf Deutsch: Vermeide, Vermindere, Verfeinere Tierversuche.

 

In der Schweiz wird das Befolgen des 3R-Prinzips seit 2008 vom Gesetz gefordert (Art. 137 TSchV).

 

 

Weitere Informationen

...über Alternativmethoden

 

Artikel "Kurzes Leben im Labor"

(NZZ Campus 7. Juli 2013)