Human Toxome Project
 

Tests mit menschlichem Gewebe anstatt mit Tieren

Im Sinne des Konsumentenschutzes ist richtigerweise vorgeschrieben, dass eine Substanz, die mit dem Menschen in Kontakt kommen kann, auf ihre (Un-)Giftigkeit getestet werden muss. Dies gilt nicht nur für neue Medikamente und Impfstoffe, sondern genauso für Bestandteile eines neuen Putzmittels oder Weichspühlers. Früher wurden die sogenannten Toxizitätsprüfungen ausschliesslich mittels verschiedenen, teilweise grausamen Tierversuchen durchgeführt. Und auch heute leiden und sterben immer noch unsäglich viele Tiere in Toxizitätsprüfungen. Seit es aber Alternativmethoden gibt und diese dem Tierversuch ebenbürtig und oftmals überlegen sind, lassen sich immer mehr Tierversuche ersetzen.

 

Massives Leiden und fraglicher Nutzen im Tierversuch

Die althergebrachte und immer noch häufige Methode für die Sicherheit des Menschen geht so: Mäusen, Hamstern und Kaninchen werden potentiell giftige Substanzen eingegeben, auf die Haut gestrichen oder ins Auge geträufelt. Dann wird geschaut, ob und bei welcher Menge der Substanz eine krankhafte Reaktion eintritt. Dabei werden bewusst auch derart hohe Dosen eingesetzt, dass ein Teil der Tiere stirbt, oftmals unter grossen Qualen. Nebst dem Tierleid haben diese Toxizitätstest zusätzlich den Nachteil, dass sie nur das Endergebnis prüfen. Dabei lassen vorhandene Artunterschiede im Stoffwechselverhalten von Mensch und Tier nur eine begrenzte Übertragbarkeit auf den Menschen zu.

 

Die Alternative: das Human Toxome Projekt

Im Mai 2012 hat das Zentrum für Alternativen zum Tierversuch (CAAT), welches seinen europäischen Sitz im nahen Konstanz hat, für die Giftigkeitsprüfung von Substanzen ein grundsätzlich neues Vorgehen vorgeschlagen. Dieses setzt hauptsächlich auf Stoffwechselweg-Betrachtungen, und dies vorwiegend in menschlichen Zellen. Aufgeklärt und verstanden werden sollen die Mechanismen der Giftwirkung von Substanzen im Menschen. Es soll unter anderem die Frage geklärt werden, wie und in welchem Masse Substanzen verschiedene Abläufe („Pathways of Toxicology“) im Körper stören, so dass es zu giftigen Auswirkungen kommen kann. Das Human Toxome ist die Gesamtheit dieser Abläufe und zeigt gegenüber dem Tierversuch noch einen weiteren Vorteil. Es können nämlich auch eindeutig Substanzen definiert werden, welche keinen Pathway of Toxicology auslösen. Der Tierversuch im Gegensatz dazu kann nur zeigen, ob eine Substanz für die getestete Tierart giftig ist oder nicht. Zeigt das Tier keine Reaktion im Tierversuch, bleibt unklar, ob im Tier ein erfolgreicher Abwehrprozess stattgefunden hat und ob dieser im gleichen Masse im Menschen auch ablaufen würde.

 

Versuchstierfreie Testverfahren sind die Zukunft!

In den vergangenen 50 Jahren wurden mit viel Engagement viele Alternativmethoden  entwickelt. Sie wurden aber behördlich nur extrem zögerlich anerkannt und in der Praxis entsprechend kaum angewendet. Bis eine einzige Alternativmethode von den zuständigen Behörden anerkannt war, konnte es gut und gerne 20 Jahre dauern. Das Nachsehen hatten die (Versuchs-)Tiere; aber auch die Menschen, deren gesundheitliche Sicherheit nach wie vor auf fragwürdigen Tests basierten. Dies hat sich in jüngerer Zeit stark gebessert, wenn auch noch nicht alles zum Besten steht. Sind Alternativmethoden nachweislich aussagekräftig und womöglich sogar besser als der entsprechende Tierversuch, werden sie heute nicht nur anerkannt sondern z.T. auch vorgeschrieben. Dieser Entwicklungsprozess in die gute Richtung kam einerseits durch den steten Druck von Tierschutzseite in Gang, aber auch durch die Anstrengungen von Forschenden auf der Suche nach guten Alternativen. Er verdankt sich aber auch dem Umstand, dass heute derart viele Substanzen auf dem Markt sind und somit auf ihr Risiko geprüft werden müssen, dass es mit den langwierigen und kostspieligen Tierversuchen gar nicht zu schaffen wäre.

 

Es bleibt zu hoffen, dass das Human Toxome Projekt und all die anderen kleinen und grossen Schritte in eine tierversuchsfreie Toxikologie beim Gesetzgeber honoriert werden und wir in Zukunft Produkte verwenden können, welche uns nicht eine im Tierversuch getestete Scheinsicherheit vorgaukeln.

 

 

Alternativen finden

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