17th European Congress on Alternatives to Animal Testing
 

Es tut sich was!

In regelmässigen Abständen treffen sich Tierschützer und Forscher zu Gedankenaustausch und Weiterbildung an der Johannes Kepler Universität in Linz. Nach wie vor findet die meiste Forschung und Entwicklung unter Einsatz von Tierleid statt. Dass es aber auch anders geht, zeigen verschiedenste Forschungsprojekte, welche der Zuhörerschaft im Rahmen von Vorträgen oder auch Posterbeiträgen vorgestellt wurden. Insbesondere im Gebiet der Toxikologie geht die Entwicklung in immer grösser werdenden Schritten in Richtung tierversuchsfreie Ersatzmethoden. Dies deshalb, weil die Forscher respektive die dahinterstehende Pharmaindustrie, ein grosses Interesse an dieser Entwicklung hat. In-vitro-Systeme haben den entscheidenen Vorteil, dass sie schneller sind, meisten leichter zu handhaben und erst noch kostengünstiger. Die Forschung an Hochschulen, insbesondere die Grundlagenforschung, hinkt diesem Trend immer noch deutlich hinterher. Umso erfreulicher, dass in Linz auch diesbezüglich interessante Ansätze zu hören waren.


In vitro Blut-Luft-Schranke

Die Forscherin Anna Kühn zeigt ein In vitro-Modell, welches die Blut-Luftschranke in der Lunge simulieren kann. In Zellkulturen wurde mittels eines viralen Vektors verschiedene Gene eingeschleust, so dass die entstehenden Zellen die Barrierefunktion von Aleveolarzellen simulieren können. Im Moment stehen sieben verschiedene Linien in der Prüfungsphase bezüglich verschiedenster Parameter wie Vorkommen von lungenspezifische Markern oder der Fähigkeit den Blut-Gasaustausch zu ermöglichen. Ziel dieses Modelles ist, die mögliche Prüfung von toxischen Substanzen, die Entwicklung von lungengängigen Medikamente oder die Erforschung von Infektionskrankheiten, welche über Aerosole übertragen werden wie beispielsweise Tuberkulose.


Neuronale Aktivität und Gehirndynamik

Insbesondere im Bereich Neurowissenschaften sind Tierversuche mit Nagern und Primaten immer noch an der Tagesordnung. Dass es aber auch anders geht, zeigt der Engländer Mark Cunningham von der Newcastel Universität. Er führt seine Studien zur Erforschung von Epilepsie an menschlichem Hirngewebe durch, welches aus dem Neocortex von Menschen entnommen wurde. Die Patienten leiden an medikamentresistenter Epilepsie, welche nur mittels Operation behandelt werden kann. Der Forscher und seine Mitarbeiter konnten an diesem eindeutig krankhaften Gewebe in vitro physikalische Mechanismen erforschen, welche erlauben spontane Epilepsie besser zu verstehen und epileptische Anfälle frühestmöglich durch spezielle physikalische Ableitungen im Gehirn zu erkennen.


Die gezeigten Projekte veranschaulichen, dass es bereits jetzt in vielen Bereichen insbesondere der Toxikologie ohne den Einsatz von Tieren ginge, weil entsprechende Test vorhanden wären. Jedoch schreiben die Gesetzgeber nach wie vor bei praktisch allen Produkten unseres täglichen Bedarfs (Medikamente, Putzmittel, Duft- und Farbstoffe, Zusatzstoffe in Lebensmittel usw.) verschiedenste Prüfung durch Tierversuche vor. Es fehlen Gelder, damit die entwickelten tierversuchsfreien Test auch validiert werden zum zeigen, dass diese dem herkömmlichen Tierversuch gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen sind bezüglich Wissenschaftlichkeit und der Sicherheit für den Menschen. Diese Umsetzung ist gefordert. Forschung und Entwickung neuer Methoden alleine ist ein guter Anfang, doch muss in vielen Köpfen ein Umdenken stattfinden, welches sich schlussendlich in neuen Gesetzen niederschlägt, welche tierversuchsfreie Methoden anerkennen.


 

 

Wer suchet der findet!

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