Extrem vernachlässigte Tiere
 

Tierheim: Endstation oder neue Chance?

In unserem Zürcher Tierhaus werden immer mehr grob vernachlässigte, schwer kranke oder gar halbtote Tiere abgegeben. Dieses unnötige Leiden möchten wir stoppen!

Oft werden Heimtiere nach der ersten Begeisterung vernachlässigt, die Tierfürsorge geht im Alltagsstress unter. Fast täglich werden Tiere in unsere Obhut gegeben, die schlecht gehalten oder ungenügend gepflegt wurden. Doch seit etwa Mitte 2017 gelangen erschreckend viele Extremfälle zu uns: Tiere mit akutem Behandlungs­bedarf, die über längere Zeit aufs Gröbste vernachlässigt wurden und unter massiven Schmerzen leiden. Einige mussten gar erlöst werden – für sie bedeutete das Tierheim Endstation statt eine neue Chance auf ein glückliches Leben. Früher waren solche Extremfälle selten, heute sind sie leider keine Ausnahme mehr.
In einer Pressemitteilung kritisieren wir die krasse Vernachlässigung von Heimtieren und rufen die Tierhaltenden dazu auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und frühzeitig Hilfe zu suchen.

Zur Pressemitteilung vom 11. Juni 2018

 

Regelmässige Beispiele aus unserem Tierheim-Alltag

Mangelnde Fellpflege

Insbesondere langhaarige Hunde und Katzen, aber auch Langhaar-Kaninchen und einige Meerschweinchen müssen regelmässig gekämmt und teilweise auch geschoren werden. Wird die Fellpflege vernachlässigt, so verfilzt das Fell der Tiere. Einerseits kann sich die Haut darunter leicht entzünden und Parasiten sind kaum mehr zu entdecken. Andererseits leiden die Tiere auch, weil das verfilzte Fell auf der Haut spannt – so als wäre das Fell zu einem zu straffen Zopf zusammen gebunden.

   

Bei Langhaar-Rassen wird die die Fellpflege oft völlig vernachlässigt. Als diese Katze im Tierheim des Zürcher Tierschutz abgegeben wurde, war sie derart verfilzt, dass die Tierpflegerinnen sie scheren mussten. Das Fell löste sich wie eine schwere Pelzplatte vom mageren Körper. Mittlerweile konnten wir sie an ein wunderbares neues Zuhause vermitteln. 

 

Überlange Krallen

Wie unsere Fingernägel wachsen auch die Krallen unserer Heimtiere ständig nach. Im Normalfall nutzen sie sich aber ausreichend ab, wenn die Tiere genügend Bewegung auf natürlichem Untergrund haben. Neben Tiefstreu zum Scharren braucht es daher auch harte Bodenstrukturen. Bei Katzen ist es zudem wichtig, dass ihnen Gegenstände zum Kratzen zur Verfügung stehen (z.B. Katzenbäume oder Kratzmatten). Gewisse Tiere haben aber so harte Krallen, dass sie sich auf natürliche Weise zu wenig abnutzen. Dies gilt auch für alte Katzen, die sich nur noch wenig bewegen. Dann müssen die Krallen regelmässig gekürzt werden. Ansonsten werden sie zu lang und stören beim Laufen, im schlimmsten Fall wachsen sie sogar in die Pfoten ein. Daher sollte täglich der Bewegungsablauf der Tiere kontrolliert und wöchentlich ein Gesundheits­check durchgeführt werden, bei dem auch die Krallen stets genau angeschaut werden. 

Ungenügende Zahnhygiene

Je nach Rasse neigen Hunde und Katzen unterschiedlich stark  dazu, Zahnbeläge und Zahnstein zu entwickeln. Um die Zähne sauber zu halten, sollten sie geeignete Kauartikel (rohe oder getrocknete Fleischstücke, aber auch rohe Knochen z.B. vom Rind) erhalten. Reicht dies nicht, müssen die Zähne regelmässig geputzt oder gar vom Tierarzt saniert werden.

Aber auch Kleinnager und Kaninchen können unter Zahnproblemen leiden. Falsche Ernährung (zu viel Körnerfutter und zu wenig frische Gräser, Kräuter und Heu) führt insbesondere bei Kaninchen und Meerschweinchen dazu, dass sich die Zähne nicht richtig abnutzen und die Tiere im schlimmsten Fall gar nicht mehr Fressen können. Aber auch Hamster, Mäuse und Co. können Zahnprobleme entwickeln. Beim wöchentlichen Gesundheitscheck müssen daher auch stets die Zähne kontrolliert werden.

Organschäden und andere «übersehene» Krankheiten

Dass auch Tiere krank werden können, ist eigentlich bekannt. Trotzdem werden immer wieder (schwerst-)kranke Tiere bei uns abgegeben, von denen die Besitzer glaubten, sie seien kerngesund. Vor allem ältere Tiere leiden oft an Organschäden wie Nieren- oder Schilddrüsenproblemen, gegen die es gute Medikamente gäbe. Unbehandelt führen die Krankheiten zu immer gravierenderen Symptomen.

Kranke Tiere fallen uns sofort auf, beispielsweise weil sie apathisch und brandmager sind, laufend erbrechen, kaum Luft bekommen, Ausfluss aus Nase oder Augen haben oder gar ein feucht-dreckiges Hinterteil wegen massivem Durchfall aufweisen. Doch nur wer solche Krankheitsanzeichen erkennt, kann auch reagieren und einen Tierarzt zu Rate ziehen.

 

Verantwortungsvolle Tierhaltung braucht Wissen und Empathie

Wer Tiere halten will, sollte sich nicht nur über die richtige Haltung und Pflege informieren, sondern auch über die möglichen Krankheiten. Dann kann bei den entsprechenden Anzeichen sofort ein Tierarzt beigezogen werden. Wenn Heimtier­haltende bei Problemen frühzeitig reagieren, können sie ihre Tiere vor enormen Schmerzen, Leiden oder gar vorzeitigem Tod bewahren.

Wer sein Heimtier liebt, prüft täglich dessen körperliche Verfassung und beobachtet sein Verhalten. Bei unerklärlichen Veränderungen, Krankheitszeichen oder zu wenig Zeit für die Tierpflege, sollte frühzeitig Hilfe gesucht werden. Fachliche Unterstützung bei Haltungs- und Gesundheitsfragen bieten beispielsweise die Heimtier-Beratungs­stellen des Zürcher Tierschutz oder des Tierspitals Zürich an. 

Informationen zur tiergerechten Haltung und Pflege, aber auch zur Gesundheit und den regelmässigen Gesundheitschecks finden Sie in unseren Tierhaltungsbroschüren:

Print-Exemplare erhalten Sie bei uns im Tierheim oder Sie bestellen sie über info@zuerchertierschutz.ch oder Telefon 044 216 97 14.

 

 

 

Traurige Schicksale aus unserem Alltag

Manche Katzen waren so verfilzt, dass sich massive «Pelzplatten» auf ihren Rücken bildeten.
© Zürcher Tierschutz
Bei diesem Kaninchen wurde die Fellpflege komplett vernachlässigt.
© Zürcher Tierschutz
Unglaubliche Schmerzen musste diese Katze erleiden, denn ihre Krallen waren bereits in die Ballen hineingewachsen.
© Zürcher Tierschutz
Ein falsch strukturiertes Gehege führte bei diesem Kaninchen zu derart langen Krallen.
© Zürcher Tierschutz
Zahnfleisch und Zähne dieser Katze waren so entzündet, dass sich bei den Backenzähnen schon Eiter bildete.
© Zürcher Tierschutz
Dieser Zwerghamster konnte kaum mehr fressen, da sein oberer Nagezahn viel zu lang war.
© Zürcher Tierschutz
Diese Katze hatte so starken Schnupfen, dass sie vor lauter Schleim nicht mehr durch die Nase atmen konnte.
© Zürcher Tierschutz
Unter ihrem verfilzten Fell war diese Katze nur noch Haut und Knochen.
© Zürcher Tierschutz