Wildschweingatter Elgg
 

Wildschweingatter in Elgg sistiert

Am 3. November 2017 wurde bekannt, dass das in Elgg im Kanton Zürich geplante Wildschweingatter zumindest vorläufig Wunschdenken der Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz der Schweiz bleibt: Der Gemeinderat hat das entsprechende Baugesuch abgelehnt und wartet ab, wie sich die Elgger und Zürcher Bevölkerung an der Urne entscheiden, wenn voraussichtlich Mitte 2019 über die Volksinitiative «Wildhüter statt Jäger» der Tierpartei des Kantons Zürich abgestimmt wird.

Wir haben uns an vorderster Front gegen den Bau des Gatters ausgesprochen. Das waren unsere wichtigsten Argumente: 

 

Wir lehnen die Jagd mit Hunden auf Wildschweine ab

Die Jagd mit Hunden auf Wildschweine ist gefährlich – besonders für die Hunde selbst. Die Verhältnisse im Wildschweingatter, wo die Hunde auf ihre schwierige Aufgabe vorbereitet werden sollen, sind nicht vergleichbar mit der Situation in der freien Wildbahn: Die Wildschweine im Gatter sind an tägliche Hundebegegnungen gewöhnt und verhalten sich anders als ihre wilden Artgenossen im Wald. Leitbachen, Bachen mit Frischlingen oder ausgewachsene Keiler in freier Wildbahn, die nicht an Hunde gewöhnt sind, reagieren entsprechend viel aggressiver.

Ein Wildhüter, der in seiner Freizeit als Jäger in einer Jagdgesellschaft aktiv ist, sagte uns, dass er seinen in Deutschland bestens ausgebildeten Hund aus genau diesem Grund nicht mehr auf Treibjagden mitnimmt. Er setzt ihn in seiner Funktion als Wildhüter nur noch für die Nachsuche nach angeschossenen oder angefahrenen Wildschweinen ein.

Dass die Wildschweinjagd für die Hunde trotz Ausbildung in einem Wildschweingatter alles andere als harmlos ist, zeigte auch eine Aussage des Präsidenten von JagdSchweiz in einer grossen Schweizer Tageszeitung im Oktober 2017: «Die Begegnung mit den Wildschweinen (im Wildschweingatter) läuft kontrolliert ab und ist daher weitaus weniger dramatisch, als in freier Wildbahn». Untermauert wird diese Aussage durch das Beispiel Deutschlands: Dort gibt es schon seit DDR-Zeiten Wildschweingatter, die immer weiter entwickelt wurden. Das geplante Schweizer Modell nahm sich diese aktuelle Form des Gatters in Deutschland zum Vorbild. Dass die Wildschweinjagd tatsächlich gefährlich ist, wird aber trotz jahrzentelanger Erfahrungen in Wildschweingattern auch in unserem nördlichen Nachbarland immer wieder festgestellt. So gibt es in Deutschland (wie in geringerem Masse auch in der Schweiz) sogar Versicherungen für Jagdhunde für den Fall, dass ihnen auf der Jagd etwas zustösst, wenn sie also z.B. von einem Wildschwein verletzt oder gar getötet werden.

Wir anerkennen, dass der Wildschweinbestand nicht nur über Prävention tief gehalten werden kann, sondern dass die Jagd auch regulierend zum Einsatz kommen muss. «Dramatische» Jagden mit Jagdhunden auf Wildschweine erachten wir aber definitiv als den falschen Weg. Wir befürchten, dass mit dem geplanten Wildschweingatter für Jagdhunde in Elgg in Zukunft noch deutlich mehr Hunde ausgebildet werden und die Zahl der Treibjagden auf Wildschweine zunehmen wird. Diese Entwicklung verfolgen wir aus Tierschutzsicht mit grosser Sorge, sowohl für die Wildschweine wie die Jagdhunde. 

 

 

 

Wildschweinjagd ja, aber...

Wie bereits angetönt, fordern wir im Zusammenhang mit den teilweise hohen Wildschweinbeständen primär präventive Massnahmen auf den Feldern, durch z.B. massive elektrische Zäune, fallweise den flankierenden Einsatz von Wildschrecks und ähnlichen Hilfsmitteln, oder die konsequente Entfernung von Futterresten aus den Äckern (z.B. nach der Ernte liegen gebliebene Maiskolben). Auch die Entscheidung, auf welcher Parzelle welche kritischen Kulturen angepflanzt werden, spielt hier natürlich eine gewisse Rolle.

Bringen diese Massnahmen zu wenig und sind die lokalen Wildschweinbestände zu hoch, akzeptieren auch wir eine Regulation über die Jagd.

 

 

 

Wir befürworten für die Regulation von Wildschweinen ganz generell die Ansitzjagd, für die keine Hunde erforderlich sind

Im Falle der Treibjagd hat ein Jäger nur wenig Zeit, das Wildschwein auszuwählen, das er aus der Rotte entfernen möchte. Zudem birgt der Schuss auf ein Tier in Bewegung eine gewisse Gefahr, dass er nicht sauber sitzt und somit nicht unmittelbar tödlich ist. Angeschossene Tiere erleiden aber oft unsägliche Qualen, bevor sie nach oft langen Suchen erlöst werden können. Laut einer aktuellen Sendung der Rundschau von SRF im Oktober 2017 wird im Kanton Graubünden jeder 10. Hirsch, auf den geschossen wird, nicht tödlich getroffen, sondern nur angeschossen. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz in Deutschland hat in Hessen eigene Beobachtungen angestellt und fand heraus, dass sogar 70% der Schüsse auf das Wildschwein ihr Opfer nicht sofort töten und die Tiere so unnötig leiden lassen. Wer nun meint, in Hessen stecke die Jagdausbildung noch in den Kinderschuhen, irrt: Wie in der Schweiz muss auch in Hessen von jeder Jägerin und jedem Jäger ein Schiesstest vorgelegt werden, um an der Jagd teilnehmen zu können.

Im Falle der Ansitzjagd (z.B. von einem Hochsitz aus), wie sie auch im Kanton Genf erfolgreich praktiziert wird, werden professionell ausgestattete Wildhüter beispielsweise durch Wildkameras, GPS-Meldungen oder durch die Bauern stets aktuell über die Bewegungen der Wildschweine informiert. Werden sie lokal zum Problem, wird die Wildhut sofort alarmiert und kann mit gezielten Abschüssen rasch reagieren. Dies ist dank Nachtsichtzielgeräten auch in absoluter Dunkelheit möglich. Die Treffsicherheit ist wesentlich höher als auf Tiere in Bewegung, und die Auswahl der Tiere viel präziser.

Kritiker dieser Jagdform bemängeln, dass es in Genf ohnehin kaum Wildschweine gibt. Dies stimmt nicht, denn Genf ist keine Insel, auf die sich kaum Wildschweine verirren. Aus Frankreich und der Waadt gelangen regelmässig Wildschweine in den Kanton Genf, vor allem während der Jagdsaison. Dank Präventionsmassnahmen und gezielten Abschüssen via Ansitz haben die Genfer die Wildschweinpopulation aber gut im Griff. Auch andere Kantone sind daran, diese Jagdform zu fördern, indem sie technische Hilfsmittel wie Nachtsichtzielgeräte auf Bewilligung zulassen.

 

 

Ausbildung von Hunden für die Nachsuche bleibt möglich

Der Zürcher Tierschutz hätte das geplante Elgger Wildschweingatter gutgeheissen, falls es lediglich zur Ausbildung von Hunden für die gesetzlich vorgeschriebene Nachsuche auf angefahrenes oder angeschossenes Wild verwendet worden wäre. Solche Hunde können allerdings weiterhin ausgebildet werden, allerdings in Deutschland. Die dortige Ausbildung wird in der Schweiz nach wie vor anerkannt.

 

Jagdhund trifft Wildschwein