Gesetzesrevision
 

Zum Jagdbeginn im Kanton Zürich: Jagdgesetzrevision

Das Zürcher Jagdgesetz ist in die Jahre gekommen – es stammt aus dem Jahr 1929 und wurde seither nur punktuell mittels Verordnungen und Verfügungen angepasst. Eine Revision der Jagdgesetzgebung wurde daher überfällig. Der Zürcher Tierschutz erhielt die Gelegenheit, seine Anliegen anlässlich zweier Treffen eines Sounding Boards einzubringen. Wir haben uns dazu mit der Stiftung für das Tier im Recht zusammengetan und diverse Wünsche platziert. Ein grosser Teil wurde im Gesetzesentwurf nicht berücksichtigt. Wir tragen deshalb den Entwurf, der vom Regierungsrat in die Vernehmlassung gebracht wurde, nicht mit, und machten von der Möglichkeit Gebrauch, uns im Juli 2017 im Rahmen der Vernehmlassung noch einmal Gehör zu verschaffen.

 

Unsere Hauptforderungen: 

  • Keine Baujagd: Die Baujagd, bei der Jagdhunde in einen Fuchs- oder Dachsbau geschickt werden, um sie aus dem Bau zu treiben, damit sie abgeschossen werden können, verstösst ganz klar gegen das Tierschutzgesetz und ist somit tierschutzwidrig. Gelegentlich werden Hunde in den teilweise weitläufigen Bauten verschüttet, und bei Kämpfen zwischen Hund und Wildtier werden oft beide Seiten verletzt. Tierärzte berichten, dass solche Verletzungen oft gravierend sind, und dass Jäger ihren eigenen Hund teilweise noch vor Ort erlösen mussten. Dennoch wollen der Kanton und gewisse Jagdkreise an dieser umstrittenen Jagdmethode festhalten, obwohl sich auch viele vernünftige Jägerinnen und Jäger gegen diese Jagdform aussprechen. Die Baujagd muss ganz klar verboten werden, wobei in bestimmten Fällen Ausnahmen für Wildhüter möglich sein sollen. Ebenso klar verurteilen wir die Ausbildung von Apportierhunden, die an lebenden Wasservögeln trainiert werden, die mittels Papiermanschette am Flügel an einer erfolgreichen Flucht gehindert und, einmal eingeholt, von den Hunden zerfleischt werden.
  • Eine Alkohollimite: Wir fordern ganz klar eine analoge Regelung gemäss Strassenverkehrsgesetz. Wer eine geladene Schusswaffe im Anschlag hält, soll nicht mehr Alkohol im Blut haben dürfen als ein Automobilist am Steuer (im Militär gelten sogar null Promille – wer sich nicht daran hält, wird mit scharfem Arrest bestraft). Jagdkreise beteuern immer wieder, dass Alkohol auf der Jagd keine Rolle spielt. Dennoch wehren sie sich auffallend hartnäckig gegen die Einführung einer Limite. Vermutlich dürfte Alkoholkonsum bei den meisten Jägern und Jagdgesellschaften auch kein Thema sein. Uns liegen aber gleich zwei Aussagen von Jägerinnen und Jägern vor, die wegen dem Alkoholkonsum ihrer Jagdkolleginnen und -Kollegen jeweils nur am Morgen an Gesellschaftsjagden teilnehmen und nach dem Mittagessen aus Sicherheitsgründen den Nachhauseweg antreten. Das zeigt uns, dass Alkohol eben in bestimmten Fällen doch eine Rolle spielt- ein triftiger Grund, eine Alkohollimite einzuführen.
  • Ein praxisgerechter Treffsicherheitsnachweis: Beim Treffsicherheitsnachweis müssen aktiv an der Jagd teilnehmende Jägerinnen und Jäger einmal jährlich ihre praktische Schiessfertigkeit unter Beweis stellen. Dabei muss eine minimale Trefferquote erreicht werden, um das Jagdpatent für die kommende Saison zu erhalten. Eigentlich eine gute Sache, wäre da nicht ein Haken: Der Schuss auf eine sich bewegende Tierattrappe ist freiwillig und wird auch nicht gewertet. Konkret: Wer im Schiessstand nicht auf bewegte Ziele schiesst (oder nicht sauber oder nur daneben trifft), darf im Wald oder auf dem Feld trotzdem auf flüchtende Tiere schiessen. Zu erwarten sind entsprechend viele Fehlschüsse und verletzte Rehe, Wildschweine oder Füchse, die langsam und qualvoll sterben müssen. Wir sagen: Wer auf Tiere schiesst, die sich bewegen, muss dafür ausgebildet sein und nachweisen, dass er sicher trifft. Ansonsten soll er nur auf ruhende Tiere schiessen dürfen.
  • Keine Jagd auf verwilderte Hauskatzen: Verwilderte Hauskatzen können lokal ein Problem darstellen, da sie Jagd auf teilweise seltene Wildvögel und Kleintiere machen. Aus diesem Grund möchten Verwaltung und Jägerschaft weiterhin Jagd auf Hauskatzen im Wald machen dürfen. Die Vertretung der Zürcher Jägerschaft behauptet, dass Jägerinnen und Jäger Hauskatzen mit Zuhause von ihren verwilderten Artgenossen unterscheiden können. Urs Büchler, Präsident des Schweizerischen Verbands der Wildhüter (SVWH), widerspricht dieser Darstellung entschieden. Ob es sich um verwilderte Katzen oder Hauskatzen auf Ausflügen handelt, lasse sich nicht feststellen. (Beitrag auf Watson.ch: Warum Schweizer Jäger zuhauf Katzen schiessen, aber nicht darüber sprechen). Der Verdacht liegt also nahe, dass die eine oder andere Hauskatze, die nicht mehr nach Hause kommt, einem Jäger vor die Flinte lief. Wir sagen daher: Keine Jagd auf Katzen! Stattdessen unterstützen wir die Forderung der Stiftung für das Tier im Recht und von NetAP, eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen eingeführt werden (siehe auch Petition www.kastrationspflicht.ch).
  • Keine Krähenkastenfallen: Bei dieser Jagdmethode werden wilde Krähen eingefangen und als Lockvogel für ihre noch freien Artgenossen eingesetzt, um diese ebenfalls einzufangen und anschliessend zu töten. Der Einsatz von Krähenkastenfallen mag effizient sein, ist aber sowohl aus tierschützerischer als auch aus rechtlicher Sicht höchst problematisch. Für die betroffenen Vögel ist die Zeit des Gefangenseins in der Falle mit erheblichem Stress verbunden. In rechtlicher Hinsicht ist darüber hinaus von einer Tierhaltung im Sinne des Tierschutzgesetzes auszugehen, wenn die Tiere eine gewisse Zeitspanne in der Falle verbringen müssen. Daher müssten auch die tierschutzrechtlichen Vorschriften über die Tierhaltung eingehalten werden. Dies gilt auch in Bezug auf die Lockvögel während ihrer Einsätze. Das kantonale Jagdrecht darf ohne ausdrückliche Ermächtigungsbestimmung in einem Bundesgesetz keine Regelungen enthalten, die der Tierschutzgesetzgebung zuwiderlaufen. Somit verstösst die Verwendung von Krähenkastenfallen gegen übergeordnetes Recht. Die Bewilligung zur Verwendung von Kastenfallen und die Verwendung von lebenden Rabenkrähen als Lockvögel ist daher aufzuheben.
  • Keine Selbsthilfemassnahmen: Das Abwehrrecht, bei der Grundeigentümer, Pächter und Verwalter von Gutsbetrieben eigenhändig bestimmte schadenstiftende Tiere vom Wildschwein bis hin zum Eichhörnchen erlegen dürfen, hat in unseren Augen in einer zeitgemässen Jagdgesetzgebung nichts mehr zu suchen. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb Personen ohne jagdliche Ausbildung, also ohne Jagdfähigkeitsausweis, Tiere töten dürfen. Statt Selbstjustiz zu üben und ohne jede Ausbildung Tiere zu töten, sollen Betroffene einen Wildhüter kontaktieren. Der Regierungsrat hält bisher trotz unseres Protests an diesem veralteten Abwehrrecht fest.
  • Eine Tierschutzvertretung in der kantonalen Jagdkommission: In der Tierschutz- und in der Tierversuchskommission sitzen Vertretungen aus dem Tierschutz. Wir wollen, dass der Tierschutz auch in der kantonalen Jagdkommission vertreten ist. Auch diese Forderung schaffte es nicht in den Gesetzesentwurf, weshalb wir ihn noch einmal im Rahmen der Vernehmlassung einbrachten

 

Unsere komplette Vernehmlassungsantwort mit den weiteren Forderungen und Kommentaren zum Entwurf des neuen Jagdgesetzes befindet sich hier

 

Der Ball liegt nun bei der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung, die zur Zeit mit einer neuen Fassung beschäftigt ist. Da wir allerdings bezweifeln, dass unsere Tierschutzforderungen dieses Mal Gehör finden, unterstützen wir das Anliegen der Tierpartei Zürich mit ihrer Volksinitiative Wildhüter statt Jäger. Mit einer Abkehr von einer öffentlichen Jagd hin zu einer Bejagung durch professionell ausgebildete und ausgerüstete Wildhüter würde das Tierwohl am besten berücksichtigt. 

 

Revision Jagdgesetzgebung