Fisch-Ethik

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Ethischer Umgang mit Fischen (2014). Bericht der eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich EKAH (pdf).

 

Weiterführende Literatur

  • Tierwohl in NutzfischzuchtenEine Literaturstudie und Analyse des Schweizer Tierschutz STS zur artgerechten Haltung von Nutzfischen (2012).
  • Angeln. Beurteilung durch den Deutschen Tierschutzbund.

 

 

Ethik und Schmerzempfinden
 

Ethischer Umgang mit Fischen und Schmerzempfinden

Weil die Fähigkeit zur Schmerzempfindung rechtlich, tierschützerisch und ethisch relevant ist, hat sich 2014 die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im ausserhumanen Bereich (EKAH) eingehend mit dieser Frage auseinandergesetzt. In ihrem Bericht "Ethischer Umgang mit Fischen" geht eine Kommissionsmehrheit davon aus, dass zumindest schwerwiegende Zweifel daran bestehen, dass Fische keine Schmerzen empfinden. Sie hält die Indizien somit für derart überzeugend, dass von einer Empfindungsfähigkeit ausgegangen werden muss. Eine Minderheit erachtet es aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse sogar als erwiesen, dass manche Fische Schmerzen empfinden. Alle Mitglieder sind sich jedoch einig, dass Schmerzempfinden bei Fischen nicht ausgeschlossen werden kann und dass dies für den Umgang mit ihnen moralisch relevant ist.

 

Das bedeutet konkret: In Bezug auf die Fischhaltung müssen die zuständigen Behörden dafür sorgen, dass Fischhalter ausreichende Kenntnisse über die spezifischen Bedürfnisse der gehaltenen Fische aufweisen und die Haltungsanforderungen entsprechend umgesetzt werden. Das gilt auch für Anwendungen wie Aquakulturen, wo insbesondere auch dem Gruppenverhalten der Fische Rechnung zu tragen ist. Die Fischhaltung zu medizinisch-therapeutischen Zwecken muss auch einer Güterabwägung unterzogen werden: Wenn die Belastung für die Fische unzumutbar ist, ist von der Haltung abzusehen. Keine Rechtfertigung gibt es für die Fischhaltung zu Wellness-Zwecken, weil diese durch keine auch noch so geringe Belastung aufgewogen werden kann.

 

Fazit: Die Schlussfolgerungen der EKAH sind aus Tierschutzsicht zu begrüssen. Sie implizieren, dass heute auch dann im Bezug auf den Umgang und die Nutzung eine Güterabwägung zu erfolgen hat, wenn es sich um Fische handelt. Die EKAH betont denn auch klar, dass rein profitorientierte Interessen am Fischfang nicht ausreichen für eine ethische Rechtfertigung der Belastungen und der qualvollen Tötung, denen die Fische ausgesetzt sind. Auch Tradition und erst recht reines Vergnügen oder Wettbewerbsdenken (Catch & Release, Drillen) wie beim Hobby- und Sportfischen sind es nicht. Die EKAH unterstützt eine langjährige Forderung auch des Zürcher Tierschutzes, wonach die Ausbildung von Fischenden besser werden muss. Angler müssen über die Forschungsergebnisse über das Schmerzempfinden und die kognitiven Fähigkeiten von Fischen Bescheid wissen und die Fachkenntnisse bei Fischern sind regelmässig zu überprüfen. Schluss sein muss auch mit der Unsitte, Tagesbewilligungen für sachunkundige Gelegenheitsfischer zu erteilen. Solche Tagesscheine sind aus ethischer Sicht nicht nachvollziehbar und widersprechen den tierschutzrechtlichen Anforderungen, die Belastung möglichst gering zu halten und die schmerzfreie Tötung zu gewährleisten.