Fische
 

Punkto Tierschutz bis heute die grossen Verlierer

Fische sind rein zahlenmässig mit Abstand am häufigsten von Tierschutz-Missständen betroffen. In der Schweiz liegen neuerdings Fischzuchten im Trend: Zunehmend sollen Fische wie landwirtschaftliche Nutztiere in grossen Tanks als Fleischlieferanten gemästet werden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nutztieren erleidet die Mehrzahl von ihnen einen qualvollen Tod.
Verantwortlich dafür sind ihre Bestimmung als Nahrungsmittel und die daraus folgenden industriellen Methoden ihrer Gewinnung. Die Hochsee-Fischerei kennt keine schonenden Fangverfahren, aber auch bei der Berufsfischerei in Binnengewässern sind humane Tötungsmethoden kaum anzutreffen. Wenig besser sehen Leben und Sterben in der Fischzucht aus, die vielfach als (ökologische) Alternative zum Wildfang angepriesen wird. Die Angelfischerei, gerne als Hobby betrieben, beschert den meisten Fischen vor dem Tod Stress, Schmerzen, Leiden und vielfach totale Erschöpfung.

Diverse Verordnungen aus dem Veterinärbereich, die auch Fische betreffen, werden derzeit überarbeitet. In einer Vernehmlassung stellten wir anfangs 2017 folgende Forderungen auf, um Fische in Zukunft besser zu schützen.

Dass sich unser Einsatz lohnt, zeigte sich im März 2017, als wir einen Erfolg im Einsatz für mehr Tierschutz bei Fischen feiern durften: Der Tessiner Nationalrat Fabio Regazzi wollte die Verwendung von Widerhaken in Fliessgewässern wieder zulassen und lancierte dazu eine Motion. Nachdem der Nationalrat dieses tierschutzwidrige Ansinnen im September 2016 zum Erstaunen der Tierschutzverbände unterstützt hatte, galt es, den Ständerat zu überzeugen, die Motion abzulehnen. Dies haben wir geschafft – im Ständerat gab es keine einzige Stimme, die die Motion unterstützt hätte. Damit ist die Verwendung von Widerhaken beim Angeln in Fliessgewässern definitiv vom Tisch.

 

Fische sind schmerzempfindlich und leiden!

Im Jahr 2015 ist der Wissenschafts-Disput noch immer im Gang. Es gibt eine wachsende Übereinstimmung darin, dass Fische schmerzempfindlich sind. Die Frage ist nicht mehr ob sondern wie sie es sind.

Eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern vertritt die Auffassung, dass davon auszugehen ist, dass Fische Schmerzen empfinden können. Dagegen argumentieren einige Wissenschaftler und die Mehrheit der Fischnutzer, dass für eine Schmerzempfindung die freien Nervenendigungen fehlen, welche die Schmerzsignale ins Hirn leiten und die nötige Hirnstruktur (Neokortex), um Schmerzen bewusst zu empfinden, nicht vorhanden sei. Befürworter betonen jedoch, dass es umstritten sei, in welchem Ausmass der Neokortex eine Voraussetzung für das Schmerzempfinden von Lebewesen sei. Genauso könnten andere Gehirnteile die Schmerzverarbeitung übernehmen. Um Gewissheit zu haben, müsste man weitere Anhaltspunkte einbeziehen, so etwa die Reaktion der Fische auf schädigende Reize und das Vorhandensein kognitiver Fähigkeiten, die für Schmerzempfinden wichtig sind.

 

Der Tierphilosoph Markus Wild: "Hobby- und Sportangeln bedeutet, einem Tier zum Zeitvertreib Schmerzen zuzufügen. Wir wissen nur noch nicht, wie stark diese Schmerzen für das Tier sind."

 

Der Zürcher Tierschutz ist der Ansicht, dass aufgrund der naturwissenschaftlichen Befunde davon auszugehen ist, dass Fische leidensfähige und schmerzempfindliche Lebewesen sind und dass diese Empfindungsfähigkeit als Grundlage für einen ethischen Umgang mit Fischen dienen soll.

 

Warum so wenig Mitgefühl?

© Stefan Florea
 

Tierschutzprofis für Fische

Auf fischwissen.ch  finden Fragen zu Fischbiologie, Fischwohl, Stress und Verhaltensstörungen sowie Schmerz und Intelligenz kompetente Antworten. Mit Portraits der häufigsten in der Schweiz gehaltenen (Zierfisch-) Arten und ihren Haltungsanforderungen kommt die Webseite, die der Zürcher Tierschutz massgeblich mitfinanziert hat, den Forderungen des Tierschutzes nach gut ausgebildeten Fischhaltern entgegen. Eine laufend ergänzte Fischbibliothek rundet dieses einmalige Wissensangebot ab.

 

Der Verein fair-fish kämpft für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von (Speise-) Fischen und bietet auf seiner Website viel Wissen und Tipps an. fair-fish ist auch Herausgeberin von fish-facts, einer Reihe höchst informativer Dossiers zu verschiedenen Themen.

 

Fischauffangstation

www.fischauffangstation.ch

 

Die Fischauffangstation ist ein Tierheim für Aquarienfische.