05.03.2012

Hunde-Konfigurator: Bestellen Sie sich ...

Gegenwärtig sind bei der Fédération Cynologique Internationale (FCI) 339 Hunderassen anerkannt, ihrem Verbrauchszweck entsprechend aufgeteilt in 10 verschiedene Gruppen. Und in den Tierheimen leben Hunderte von Mischlingen, welche auf ein gutes Plätzchen warten. Da sollte man doch meinen, dass das Angebot an unterschiedlichen Hundetypen gross genug sei. Dass dies offenbar immer noch nicht ausreichend ist, zeigen die zunehmenden Zahlen an sogenannten Designerhunden. Ein weiteres Zeichen unserer Konsumgesellschaft, wo sogar das Hündchen zum restlichen Design passen muss!


Labradoodle, Westipoo oder Boxador sind bewusste Kreuzungen anerkannter Hunderassen mit dem Ziel ein Tier zu designen, welches den sehr klaren Vorstellungen ihrer zukünftigen Besitzer genügen soll. Lieb, nett, familienfreundlich muss Fifi sein, aber er soll bitte keine lästigen Haare auf dem Designersofa lassen. Solche Hunde werden produziert in der Hoffnung, die guten Eigenschaften der Elterntiere in den Nachkommen vereinen zu können. Leider ein Irrglaube, denn Genetik ist viel komplexer. Doch das Geschäft boomt. Potentielle Käufer lassen sich nicht davon abbringen, sich eine dieser Neukreationen zu kaufen und nehmen unbewusst das Risiko in Kauf, dass ihrem "Boxador" die gewünschten Eigenschaften fehlen oder sich in ihm gar Gesundheitsprobleme summieren. Hauptsache, man darf sich Besitzer einer dieser „modernen“ Hunderassen nennen!


Ist es ethisch korrekt, wenn wir Haustiere unseren Wünschen anpassen statt ihr arttypisches Wesen und ihre natürlichen Bedürfnisse zu respektieren? Ist es gerechtfertigt, nette gesprenkelte Hunde zu produzieren, nur weil diese einem potentiellen Käufer optisch gefallen, um so den Verkauf anzukurbeln? Notabene werden beiläufig noch die ursprünglichen, rassetypischen Hüte- und Schutzeigenschaften kurzerhand weggezüchtet, indem mit einem ruhigen Exemplar einer ähnlichen Hunderasse gekreuzt wird. Das Ziel: Die Kreation des „perfekten“ Familienhundes, der vermeintlich minimale Ansprüche an seine Haltung stellt und dafür den Vorstellungen seiner Käufer in hohem Ausmasse genügen soll.

 

Kathrin Herzog

 

Tagesanzeiger 22.2.12: Auf der Suche nach dem idealen Familienhund

 

 

zur Übersicht
 

Kommentare

 
Anzeige: 1 bis 1 von 1

Bernhard Trachsel aus Zürich

Mittwoch, 14.03.12 11:56

Was perverse Zeitgenossen zur Befriedigung der Kundenwünsche alles "herstellen", zeigt ein Bericht in der "Zeit":
http://www.zeit.de/2012/11/Tierschutz-Qualzucht/

 

Kommentar schreiben

(Ihre E-Mail-Adresse wird später nicht angezeigt)

 

Ins Gästebuch eintragen


 

Ihre Meinung interessiert uns!

Computertastatur
© Sergey Galushko / fotolia.com