Wir helfen
 

Unser Einsatz zum Schutz der Versuchstiere

Heutzutage unterliegen Tierversuche vielen Vorschriften, die Schweizerische Tierschutzgesetzgebung verhindert unkontrollierten Wildwuchs. Trotzdem gibt es noch vieles zu verbessern: auf Gesetzesebene, bei der Bewilligung und Überwachung von Tierversuchen, beim Denken und Handeln der Forschenden, beim Wissen ganz normaler Menschen. Entsprechend der Komplexität des Tierversuchsthemas setzen wir bei unserem Einsatz für Versuchstiere an verschiedenen Angelpunkten an: Förderung von Alternativmethoden, Mitsprache und Mitbestimmung im Vollzug, Einflussnahme auf die Gesetzgebung, Vernetzung und Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten.

 


Förderung von Alternativmethoden

Mit unserem finanziellen Engagement bei der Stiftung Animalfree Research und beim wissenschaftlichen Journal ALTEX fördern wir die Entwicklung und Bekanntmachung von Alternativen zu Tierversuchen. An Kongressen und ähnlichen Anlässen sind wir vor Ort, um unsere Anliegen zu vertreten, unser eigenes Wissen auf dem neuesten Stand zu halten und wichtige Kontakte zu knüpfen.

 

Mitsprache und Mitbestimmung im Vollzug

Seit 1992 stellen wir einen der 3 Tierschutzdelegierten für die Kantonale Tierversuchskommission des Kantons Zürich und reden somit aktiv beim Bewilligungsablauf mit. Zurzeit tut dies unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. med. vet. Kathrin Herzog. Dabei gilt es, sich bei der Güterabwägung aus einer Minderheitsposition heraus für die gebührende Gewichtung der Tierbelastungen einzusetzen. Die Möglichkeiten sind oft begrenzt, doch jedes einzelne Versuchstier und somit jeder Teilerfolg zählt:

 
  • Der/die Forschende zieht ein Gesuch zurück. Wenn wir gut argumentieren, warum ein bestimmter Tierversuch nicht stattfinden sollte, lässt sich der Forscher oder die Forscherin im besten Fall überzeugen. Dazu müssen wir die wissenschaftlichen Schwachstellen und die ethischen Vorbehalte aufzeigen. Gelingt dies, kommt es vor, dass der Forscher sein Gesuch zurückzieht. Das ist zwar eher selten der Fall, aber es kommt vor und ist als Idealfall zu werten.
 
  • Die Bewilligung für einen Versuch wird abgelehnt. Wenn der Forscher das Gesuch für einen umstrittenen Tierversuch nicht selbst zurück zieht, versuchen wir die Gesamtkommission zu überzeugen. Lässt sich eine Mehrheit der Mitglieder überzeugen, beantragt die Kommission dem Veterinäramt die Ablehnung des Gesuches. In den meisten Fällen kommt diese dem Antrag nach.
 
  • Gegen eine erteilte Bewilligung wird rekurriert. Bewilligt das Veterinäramt einen Tierversuch entgegen massiver Einwände, können wir gerichtlich dagegen vorgehen. Im Kanton Zürich kann die Tierversuchskommission oder auch mindestens 3 ihrer Mitglieder einen Rekurs einlegen. Der Fall kommt dann vor die Gesundheitsdirektion. Zu diesem Werkzeug mussten wir zum Beispiel im Jahr 2007 greifen. Die Kommission ist damit gegen die Bewilligung von 2 Versuchen mit Primaten vorgegangen. Der Fall kam bis vor Bundesgericht, das im Oktober 2009 entschied, dass die Versuche definitiv nicht durchgeführt werden dürfen. (Details siehe hier!)
 
  • Die Zahl der Versuchstiere wird reduziert. Oft findet sich eine Möglichkeit, die Tierzahl bedeutend zu senken. Ein Forscher wollte beispielsweise in einem Versuch an 210 Ratten Hauttransplantationen vornehmen. Der Versuch sollte von Anfang an mit einer so hohen Anzahl Tiere gemacht werden, dass auch bei eventuell auftretenden Ausfällen noch genügend Daten gewonnen werden könnten. Unsere Mitarbeiterin verlangte, dass die Gruppengrösse auf das Bestmögliche reduziert wird und die Reservetiere erst zum Einsatz kommen, wenn sie tatsächlich benötigt werden. Damit konnten 63 Ratten eingespart werden. Auch für diese Art der Einschränkung setzen wir uns ein, wo immer es geht. (siehe auch 3R Reduction!)
 
  • Die Belastungen für die Versuchstiere werden minimiert. Der grösste Teil der Arbeit besteht darin, Auflagen und Einschränkungen zu machen, mit denen den Versuchstieren schweres Leid erspart werden kann. Einerseits müssen dazu die Messmethoden in der Weise modifiziert werden, dass Resultate gewonnen werden können, bevor die Tiere schwer leiden. Andererseits müssen lückenlose und zuverlässige Überwachungskontrollen verlangt werden, die es möglich machen, leidende Tiere frühzeitig zu erkennen und sie aus dem Versuch zu nehmen. Im Jahr 2006 wurden im Kanton Zürich 220 Bewilligungen erteilt, 190 davon mit Einschränkungen. Diese Einschränkungen sind unter anderem unserem persönlichen Einsatz in der Kommission zu verdanken. (siehe auch 3R Refinement!)
 

Einflussnahme auf die Gesetzgebung

In der Vernehmlassung neuer Tierschutzgesetze melden wir uns zu Wort und stellen Forderungen. Als Mitglied der Eidgenössischen Tierversuchskommission war unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin dipl. zool. Claudia Mertens zudem an der Ausarbeitung der Amtsverordnungen betreffend Tierversuche (Tierversuchsverordnung) beteiligt.

 

Vernetzung und Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten

Wir tauschen Wissen aus, um gemeinsam mehr ausrichten zu können. Unsere Mitarbeiterin Claudia Mertens engagiert sich beispielsweise im Stiftungsrat der Stiftung Animalfree Research. Auch im Verein Koordination Kantonaler Tierschutz arbeiten wir mit anderen Tierschutzorganisationen zusammen und unterstützen die Tierschutzdelegierten der Tierversuchskommission. In der KTT (Konferenz der Tierschutzdelegierten in Tierversuchskommissionen) treffen sich unsere beiden Tierschutzdelegierten mit Delegierten aus anderen Kantonen zum Informationsaustausch und zu strategischen Überlegungen.

 

Jedes einzelne Tier zählt

Eine Maus auf einer Hand
© mag / fotolia
 

Vielfältig aktiv

Seit Jahrzehnten setzt sich der Zürcher Tierschutz aktiv und auf verschiedenen Ebenen für Versuchstiere ein. Die aktuellen Aktivitäten lassen sich in vier Bereiche einordnen:

  • Propagierung von Alternativmethoden
  • Gesetzesvollzug (Bewilligungsverfahren für Tierversuche)
  • Tierschutzpolitik und Gesetzesverbesserung
  • Schutz nicht-menschlicher Primaten

 

Mehr dazu im Positionspapier des Zürcher Tierschutzes über Tierversuche und Alternativmethoden (September 2017)