Gute Wahl ohne Qual
 

Essen mit Gewissen

Als KonsumentInnen besitzen wir die Macht ein Stück weit zu bestimmen, welche tierischen Erzeugnisse im Angebot sind und welche wir essen wollen. Wissen und Gewissen sind dabei eine entscheidende Hilfe. Im Grundsatz muss jeder Mensch für sich entscheiden, ob er überhaupt tierisches Eiweiss essen will oder nicht. Bekennt er sich zum Fleisch-, Eier- oder Milchkonsum, ist es eine moralische Verpflichtung, nach der Herkunft der Produkte zu fragen. Leitlinie für die Wahl sollte das Tierwohl sein. Nur was mit Anstand erzeugt worden ist, rechtfertigt auch die Nutzung durch den konsumierenden Menschen.

 


Schweizer Produkte liegen vorne

Dank einer Gesetzgebung, welche die Tierhaltung und den Umgang mit den Nutztieren regelt, sind in der Schweiz die Tierschutzstandards vergleichsweise besser als in der EU oder anderen Ländern der Welt. Käfigbatterien für Legehennen, Kastration von Ferkeln ohne Narkose oder Tierfabriken für Schweine oder Hühner sind bei uns im Gegensatz zur EU verboten. Anders als die Schweiz erlaubt die EU den Einsatz von Antibiotika zur Leistungssteigerung und tagelange Tiertransporte. Aus Tierschutzsicht ist deshalb der Konsum von tierischen Produkten aus EU-Ländern und Übersee abzulehnen. Besser ist, das Augenmerk auf CH-Produkte zu halten, wobei auch hier z.T. beträchtliche Unterschiede hinsichtlich Tierwohl bestehen.

 


Gesetz schützt nicht genügend

Die Mehrheit der CH-Erzeugnisse stammt von Betrieben mit lediglich gesetzeskonformer Produktion, d.h. es werden Minimalanforderungen erfüllt. Mastschweine auf Spaltenböden zu halten ist z.B. gesetzeskonform, aber nicht tiergerecht. Es empfiehlt sich deshalb der Konsum von Produkten, die bezüglich Herstellung aus der breiten Masse herausragen. Das gilt beispielsweise für Tierhaltungen, die den Förderprogrammen BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltung) und RAUS (regelmässiger Auslauf im Freien) angeschlossen sind, was höhere Anforderungen bezüglich Tierwohl bedeutet. Die vom Bauern zu erbringenden Mehrleistungen werden einerseits durch Bundesbeiträge und andererseits durch höhere Verkaufspreise für besonders tierfreundlich produzierte Nahrungsmittel abgegolten. Produkte aus der Naturafarm-Linie von COOP, dem "Tierschutz-Schweizermeister" unter den Grossverteilern, stammen z.B. von Tierhaltungsprogrammen, die mindestens diesen Anforderungen genügen.

 


Labelfleisch oder nicht

Im Internetzeitalter fällt es nicht mehr schwer, sich als Konsumentin oder Konsument ein Bild über die Anforderungen der einzelnen Labels an die Tierhaltung, den Transport oder die Schlachtung zu machen. Die gemeinnützige Organisation KAGfreiland setzt sich zum Wohl von Nutztieren ein und KAGfreiland ist zugleich das strengste Bio-Label der Schweiz. Was das bezüglich Tierhaltung bedeutet, kann den Richtlinien für die verschiedenen Nutztierarten entnommen werden. Wer wissen will, wie und wo landwirtschaftliche Erzeugnisse produziert werden, findet Adressen auf der Regio-Produkte-Plattform der MUT-Stiftung und des Zürcher Tierschutzes.

 


Tierschutz im Lebensmittelhandel

Unter diesem Titel hat der Schweizer Tierschutz STS einen Report veröffentlicht, der ein Bild über die Situation des Fleisch- und Eierangebots sowie den Stellenwert von Schweizer- und Labelprodukten im Detailhandel vermittelt. Das Wohl der Tiere und die Schweizer Herkunft von Fleischprodukten sind bei der Bevölkerung gefragt. Dank Coop und Migros, die als Grossverteiler dieser Nachfrage mit Labelprodukten nachkommen, profitieren Hunderttausende von Nutztieren.

Demgegenüber messen die beiden deutschen Discounter Aldi und Lidl bislang der artgerechten Tierhaltung kaum Bedeutung zu. Das gilt auch für die gesamte Gastrobranche. Es fehlt das Tierschutzbewusstsein, ob einfache Quartierbeiz oder teurer Gourmettempel. Auf dem Teller landen teilweise sogar Eier aus Käfigbatterien oder Fleisch aus Tierfabriken.

 


Weniger ist mehr

52 kg Fleisch, 67 kg Milch, rund 21.3 kg Käse und 5.1 kg Butter wurden 2012 bzw. 2013 in der Schweiz pro Kopf konsumiert. Eine Gesellschaft, die in solchem Masse tierisches Eiweiss zu sich nimmt, begünstigt die industrielle Produktion und das Tierwohl bleibt mehrheitlich auf der Strecke. Aus Tierschutzsicht besteht ein realistischer Weg zu mehr Tierwohl in der Einschränkung des Fleischkonsums. Dass alle Menschen Vegetarier oder Veganer werden, ist eine unrealistische Forderung und deshalb keine echte Lösung. Der Zürcher Tierschutz akzeptiert die Tatsache, dass Menschen Fleisch essen. Er stellt sich aber ganz klar gegen die Ausbeutung und Instrumentalisierung von landwirtschaftlichen Nutztieren und setzt sich seit Jahrzehnten für mehr Tierwohl ein.

 

Ohne Preis kein Fleisch

Rotes Rindfleisch, mit Petersilie dekoriert.
© Olga Langerova / fotolia.com
 

Wegweiser für KonsumentInnen

  • KAGfreiland. Nutztierschutzorganisation "für Kuh, Schwein, Huhn und Co."
    • Bio-Suisse. Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe.
    • bioaktuell.ch. Die Plattform der Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern.
    • FIBL. Forschungsinstitut für biologischen Anbau. Fachgruppe Tierhaltung.
    • Naturafarm. Label-Fleisch und Eier von Coop. Richtlinien.
     

    Der Buchtipp

    • Literaturtipp: Zukunftschance Tierwohl. Die Bedeutung artgerechter Nutztierhaltung für die Landwirte und für unsere Gesundheit. Von Marc Frey