Warum wird gejagt?
 

Aus gutem Grund?

Warum wird heute in der Schweiz überhaupt noch gejagt? Begründungen gibt es viele. Nicht alle sind aus Sicht des Zürcher Tierschutz zulässig.

Nutzung
Auch heute wird noch gejagt, um Fleisch zu essen. Denken Sie an den Hirschpfeffer im Restaurant oder die Wurst vom Wildschwein im Kaufregal. Aus ethischer Sicht ist das nicht bedenklicher als der Konsum von Rindfleisch beispielsweise. Vorausgesetzt, bei der Jagd kamen keine tierquälerischen Methoden zum Einsatz und das Tier wurde sauber getroffen und getötet. Anders sieht es aus, wenn es um die Gewinnung von Pelz geht, auch das eine Form der Nutzung. Der Zürcher Tierschutz ist der Meinung, dass auf das Tragen von Pelz grundsätzlich verzichtet werden sollte um gar nicht erst Nachfrage zu generieren.

Regulierung
Da grosse Beutegreifer in unserer Landschaft weitgehend fehlen, können sich Arten wie Reh, Hirsch oder Wildschwein stärker vermehren. Das führt zu Schäden an Wald und Landwirtschaft, die mit präventiven Schutzmassnahmen nicht immer ausreichend verhindert werden können. Darum wird der Bestand über die Jagd reguliert. Der Zürcher Tierschutz akzeptiert dies, sofern keine fragwürdigen Methoden zur Anwendung kommen und alle präventiven Massnahmen ausgeschöpft wurden. Zudem muss der Bestand zielgerichtet reguliert und die Wirksamkeit der angewendeten Massnahmen evaluiert werden. Etwas, was nicht bei allen Arten gleich gut geschieht.

Oft wird auch davon gesprochen, dass die Regulation der Ausbreitung von Krankheiten entgegenwirkt. Obwohl diese Seuchen tatsächlich gravierend sein können, muss die Frage gestellt werden, ob der Mensch dafür zuständig ist, Krankheiten in der Natur zu regulieren. Ganz abgesehen davon, dass bei vielen Arten der Nachweis fehlt, dass eine solche Eindämmung über die Jagd tatsächlich funktioniert.
Besser wäre es sowieso, wenn Grossraubtiere wie der Wolf wieder vermehrt Einzug in unsere Wälder fänden. Denn sie vermögen die Arten besser zu regulieren, als jede Jägerschaft.

Sport & Vergnügen
Letztendlich eine Voraussetzung: Man muss Freude an der Jagd haben. Nur aus Pflichtbewusstsein schiesst kaum ein Hobby-Jäger im Wald auf Tiere. Sich in der Natur aufhalten, sich in die Tiere hineinversetzen, sie aufspüren und letztendlich "Beute machen" - auch darum geht es bei der Jagd.
Solange die übergeordnete Motivation die Nutzung oder Regulierung bleibt, mag das in Ordnung gehen. Problematisch wird es, wenn die Jagd nur noch dem Vergnügen gilt. Dann hat sie keine Berechtigung mehr. Das gilt beispielsweise bei der Jagd auf bedrohte Arten, auch auf Füchse oder Wasservögel und ganz speziell bei der sogenannten Trophäenjagd, bei der das einzige Ziel ist, ein möglichst stattliches Tier zu erlegen und damit zu posieren.

Tradition
Jagd ist für viele Jägerinnen und Jäger eine Möglichkeit, jagdliches Brauchtum zu pflegen und sich am Vereinsleben zu beteiligen. Eine spezielle Bekleidung, das Blasen von Jagdhörnern, das Singen von Jägerliedern, aber auch Jägerlatein und Aberglaube tragen dazu bei. Jagdliches Brauchtum ist per se nichts Schlechtes, aber es kann doch die Entwicklung der altertümlichen Jagd zu einem modernen Instrument des Wildtiermanagements hemmen.

 

 

 
 
 

Mehr Infos

So ist der Wildschadensbegriff im Jagdgesetz definiert.

Recherche des Schweizer Tierschutz STS zum Jagdtourismus (2014).

Das Positionspapier zur Jagd vom Zürcher Tierschutz.