Geschichte & Entwicklung
 

Vom Muschelsammeln zur Fischfabrik im Schweinestall

Bereits vor rund 160'000 Jahren haben Menschen Meeresfrüchte gesammelt. Davon zeugen versteinerte Muschelberge, die man in einer Höhle in Südafrika gefunden hat. Ebenfalls in Afrika, am Fluss Seemliki in Zaire, gibt es Hinweise für den ersten Fischfang. Neben einer Harpune fand man die Gräten eines welsartigen Fisches, der vor rund 90'000 Jahren gelebt hatte. Für Fischfangaktivitäten gibt es auch Zeugnisse aus jüngerer Zeit, etwa Knochenfunde im Kaukasus oder Höhlenbilder in Frankreich, die vor rund 30'000 Jahren gemalt wurden. Hinweise auf den Einsatz von Angelgeräten wie Ruten, Speeren und Harpunen oder Netzen gibt es seit der Jungsteinzeit vor 4'500 v.Chr. Damit wurde die Fischerei effizienter, die Entwicklung zur heutigen kaum mehr nachhaltigen Fischerei nahm ihren Anfang.

 

Angeln als Freizeitbeschäftigung

Bereits 1496 erschien das erste umfassende Buch über die Angelfischerei und begann die neuzeitliche Fischereigeschichte. Im Jahr 1653 erschien "The Complete Angler", ein Klassiker der Fischereiliteratur und Wegbereiter des modernen Angelsports. Wie im Schweizer Sportfischer Brevet zu lesen ist, schaffte die Sportfischerei ihren eigentlichen Durchbruch nach der industriellen Revolution, als sich Lebensgewohnheiten und soziale Verhältnisse grundlegend verändert hatten. Heute wählen in der Schweiz rund 100'000 Personen das Angeln als Freizeitbeschäftigung.

 

Fischerei in der Schweiz

Nebst Hobby-Anglerinnen und -Anglern gibt es in der Schweiz rund 200 Berufsfischer im Haupterwerb, weitere 150 Personen betreiben das Fischen als Zweitberuf. Zur Ausübung ihrer Tätigkeit haben sie gut ausgerüstete Boote, verschiedene Netze, diverse Fanggeräte, aber auch Behälter und Beleuchtung.

 

Der Bund sammelt die Zahlen über Fänge, Jungfischbesatz, verkaufte Angelscheine usw. Er führt auch die Statistiken über die Berufsfischerei, die Angelfischerei, die Fischzucht, das Fischsterben und den Fischimport. Anhand solcher Zahlen stellt er Veränderungen in der Fischerei fest und kann wenn nötig Massnahmen anordnen.

 

Neu: Der Fisch vom Bauernhof 

Schon seit Jahren versuchen findige Schweizer Bauern in das Fischzucht-Business einzusteigen. Sie installieren Wasserbecken oder Fischtanks in umgenutzten Ställen oder Betriebsgebäuden. Da die Vermehrung von Zahnder und Co. in Gefangenschaft schwierig ist, überlässt man dies spezialisierten Betrieben im Ausland. Die Jungfische werden anschliessend in die Schweiz importiert und hier bis zum Erreichen des Schlachtgewichts gemästet. 

Auf diesen Produktions-Zug aufgesprungen ist neuerdings auch die Migros. Bereits 2017 will sie in der Schweiz gemästete Egli auf den Markt bringen. Der Idee vom Fisch aus dem Bauernhof steht auch der Bundesrat grundsätzlich positiv gegenüber. Er will daher prüfen, ob Fisch in so genannten Aquakulturen als landwirtschaftliche Nutztiere gelten sollen.

 

Angesichts der rasch wachsenden Zahl von Fischzucht- bzw. Mastbetrieben und der verschiedenen betroffenen Arten stellt sich aus Tierschutzsicht natürlich die Frage, wie es bei diesen Haltungsformen um das Tierwohl bestellt ist. Der Zürcher Tierschutz beobachtet die aktuelle Entwicklung kritisch und ist mit Partner-Organisationen aus dem Tierschutzbereich daran, Kriterien für eine tiergerechte Fischzucht auf landwirtschaftlichen Betrieben aufzustellen. Vom Bund fordern wir eine Verschärfung der Tierschutzgesetzgebung, um Fische besser vor Ausbeutung zu schützen. 

 

Vom Fischfang zur Industrie

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Mehr Information

  • Schweizer Sportfischer Brevet 
    20. überarbeitete Auflage (2014)
    Jahr & Co. VIP Media Verlag, 8640 Rapperswil.
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