Ausbildung
 

Fischen ohne Grundausbildung

Im Gegensatz zur Jagd und anderen Bereichen der Tiernutzung braucht es für die Fischerei, ob als Beruf oder Hobby betrieben, keine gründliche Ausbildung. Für Freizeitangler, Berufsfischer, Fischzüchter oder auch Fischereiaufseher gibt es lediglich Weiterbildungsmöglichkeiten. Berufsfischer können immerhin einen eidgenössischen Fachausweis erlangen. Fischzüchter können an der Bayerischen Landesanstalt für Fischerei Starnberg und der Berufsschule Starnberg (D) einen EU-anerkannten Abschluss als Fischwirt erwerben.

 

Minimale Ausbildungsvorschriften für Angler

Eine minimale Ausbildung verlangt der Gesetzgeber seit 2009 für die Angelfischerei. Wer eine Berechtigung zum Fang von Fischen oder Krebsen erwerben will, muss nachweisen, dass er oder sie ausreichende Kenntnisse über Fische und Krebse und die tierschutzgerechte Ausübung der Fischerei hat. Für die zuständigen Behörden gibt es eine diesbezügliche Vollzugshilfe; diese gewährt den Kantonen allerdings einen grossen Interpretations-Spielraum, und entsprechend werden die Tierschutzvorschriften höchst unterschiedlich umgesetzt.

 

Lehrmittel ohne Tierschutz-Themen

Die von privaten Anbietern oder Kantonen produzierten Lehrmittel werden vom Netzwerk Anglerausbildung auf Vollständigkeit betreffend der vorgegebenen Lernziele überprüft: Gesetzgebung im Bereich Fischerei und Tierschutz, Fischkunde (Artenkenntnis, Artenschutz, Biologie), Gewässerschutz, Ökologie und Nutzungskonflikte, Fischereimethoden, Fisch als Nahrungsmittel (sachgerechte Verwertung). Folgende Lehrmittel wurden bisher für die Ausbildung ab 1. Januar 2015 zugelassen: Das Schweizer Sportfischer Brevet sowie Fischerprüfung IG DNF von der IG "Dä neu Fischer". Aus Tierschutzsicht ist zu bemängeln, dass beide Lehrmittel kein eigentliches Tierschutz-Kapitel aufweisen. So wichtige und aktuelle Themen wie die Schmerzempfindungsfähigkeit von Fischen oder tierschutzrelevante Praktiken wie das Drillen fehlen.

 

Freiangelrecht fördert Tierschutzwidrigkeiten

Im Widerspruch zur Vorschrift, dass Angelfischer eine minimale Ausbildung absolviert haben müssen, ermöglicht das Freiangelrecht als alte Schweizer Tradition praktisch jedermann das Fischen. Selbst Kinder und Jugendliche dürfen an grösseren Mittelland- und Voralpenseen ohne Patent und ohne Knowhow fischen, was sowohl tierschützerisch als auch pädagogisch höchst fragwürdig ist.

 
 

Fischen ohne Knowhow

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