Schildkröten
 

Urtümliche Wesen mit viel Charme

Plump, langsam, langweilig. Wer so über Schildkröten denkt, hat sich kaum vertieft mit diesen Reptilien beschäftigt. Bei warmen Temperaturen sind Schildkröten nämlich verblüffend geschickt und schnell - eine wahre Faszination!

Früher wurden die urtümlichen Tiere massenweise der Wildbahn entnommen und verkauft. Heute sind alle Schildkrötenarten vom Aussterben bedroht und geschützt. Durch eine unkontrollierte Nachzucht der gängigsten mediterranen Arten (Griechische und Maurische Landschildkröte, Breitrandschildkröte) ist das Angebot auf dem Markt dennoch riesig und verlockend.

Der Zürcher Tierschutz rät aber vom Kauf von Schildkröten ab, da deren tiergerechte Haltung äusserst anspruchsvoll ist und die richtige Betreuung über Jahrzehnte gewährleistet werden muss. Dies macht Schildkröten zu eher ungeeigneten Heimtieren. Wer dennoch Schildkröten halten will, sollte sie in einem Tierheim adoptieren oder in einer Auffangstation beziehen.
Pressemitteilung: «Schildkröten: zuhauf verhökert und entsorgt» (pdf).

Gesetzliches

Wer am Erwerb von Schildkröten interessiert ist oder bereits welche hat, muss die gesetzlichen Anforderungen zur Haltung von Schildkröten kennen und erfüllen. Für die Haltung gewisser Arten sind eine Bewilligung und ein Sachkundenachweis notwendig.

Und nicht zu vergessen: Das Aussetzen oder Zurücklassen eines Tieres mit dem Ziel, sich seiner zu entledigen, ist gesetzlich verboten (Artikel 26 Tierschutzgesetz) und hat strafrechtliche Konsequenzen. Die ausgesetzten Schildkröten haben bei uns als nicht-einheimische Wildtiere kaum Überlebenschancen.

Biologie und Verhalten

Grundsätzlich wird zwischen Land-, Sumpf- bzw. Wasser- und Meeresschildkröten unterschieden. Es gibt pflanzen- und fleischfressende Arten. Alle sind aber wechselwarm d.h. ihre Körpertemperatur ist von der Aussentemperatur abhängig. Um eine ausreichende «Betriebstemperatur» zu ereichen, sind Schildkröten auf eine Wärmequelle angewiesen, z.B. die Sonne. Je nach Lebensraum halten sie eine so genannte Winter- bzw. Kältestarre. 

Haltungsfragen

Schildkröten sind heikle Pfleglinge. Bei guter d.h. artgerechter Haltung und Pflege bleiben sie aber im Normalfall gesund und werden alt – so alt, dass sie ihre Halterinnen und Halter problemlos überleben.

Landschildkröten stammen sowohl aus tropischen als auch aus gemässigten Klimagebieten. Ihre Haltungsansprüche sind abhängig vom natürlichen Lebensraum. Während Arten der gemässigten Zonen meist geringere Ansprüche an die Temperatur stellen, sind tropische Landschildkröten diesbezüglich heikel. Terrarien für Tiere tropischer Herkunft müssen in der Regel beheizt werden. Tiere aus Wüstenregionen haben es gerne trocken, andere benötigen z.T. eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Alle Arten brauchen stets Zugang zu sauberem Wasser.

Mediterrane Landschildkröten können im Freien gehalten werden. Sie benötigen aber genügend Sonneneinstrahlung und trockene Areale. Und ihre Überwinterung erfordert die dafür notwendigen Massnahmen.

Gesundheitsfragen

Viele Krankheiten sind leider durch Haltungsfehler bedingt: falsche und/oder übermässige Fütterung (z.B. nur Salat oder unverträgliche Gemüse und Früchte), falsche Temperatur, falsche Luftfeuchtigkeit, schädliche Bodenfeuchtigkeit, falsche Überwinterung. Kranke Tiere fressen meistens nicht mehr und bleiben inaktiv.

Über Schildkröten-Erkrankungen wissen nicht einmal alle Tierärzte gut Bescheid, geschweige denn Laien. Das Beurteilen von Krankheitssymptomen ist schwierig und der Krankheitsverlauf so langsam, dass eine Krankheit oftmals (zu) spät erkannt und behandelt wird. Schildkröten sterben still und leise. Ziehen Sie deshalb nur Tierärzte bei, die Erfahrung in der Behandlung von Reptilien haben.

 

 

 

HEIKLE PFLEGLINGE

© Walter Luger/ fotolia.com
 

Adoption statt Kauf!

Schildkröten sind sehr anspruchsvoll und langlebig. Daher landen viele im Tierheim oder werden ausgesetzt. Der Zürcher Tierschutz rät vom Kauf ab, weil dies die Vermehrung ankurbelt.

Pressemitteilung vom 22. Mai 2018:
«Schilkröten: zuhauf verhökert und entsorgt»

 

Wer langfristig die hohen Haltungsansprüche nicht scheut, sollte schon vor der Anschaffung die Merkblätter der Schildkröten Interessengemeinschaft Schweiz (SIGS) studieren und nur Tiere aus Auffangstationen oder Tierheimen adoptieren.

 

Hilfreiche Websites

 

Weitere Informationen

 
Missgebildeter Panzer durch falsche Fütterung
© Tierspital Zürich