Haltungsfragen
 

Richtschnur sind die Pferdebedürfnisse

Die Haltungsanforderungen für Pferde und Ponys sind enorm hoch. Es gilt, grosse, äusserst kräftige und mehrere hundert Kilogramm schwere Tiere als Gruppe in klimatisch einwandfreien Gehegen und Stallungen unterzubringen. Dort müssen die Pferde sich nicht nur normal verhalten können. Auch der menschliche Umgang mit ihnen soll dem Wesen und dem natürlichen Verhalten der Einhufer gerecht werden. Ein überdurchschnittliches zeitliches, räumliches und finanzielles Engagement ist erforderlich, gepaart mit viel Pferdewissen und Sachverstand.

 

Alles ist wichtig, einiges mehr

Pferdehaltung ist vielfach noch Ausdruck von traditionellem Denken und orientiert sich in diesen Fällen primär an den Interessen der Halter. Entscheidend sind aber die Grundbedürfnisse der Pferde. Diese lassen sich in folgende Aspekte gliedern :

 

  • Fressen
  • Trinken
  • Koten und Harnen
  • Sozialverhalten
  • Bewegung
  • Ruhen
  • Körperpflege
  • Erkundung
  • Spielen
  • Fortpflanzung und Jungenaufzucht
 

Je nach Art der Nutzung von Pferden wird man einzelnen Aspekten mehr oder weniger Beachtung schenken. Kein Pardon gibt es bezüglich Bewegung und Sozialkontakt. Beides muss natürlicherweise möglich sein, lediglich regelmässige Ausritte und der tägliche Blickkontakt zum Boxennachbarn genügen nicht. Absolut indiskutabel ist die Anbindehaltung, welche in der Schweiz ab 2013 definitiv verboten ist. Bei jeder Haltungsart ist zu beachten, dass für die Verhaltensbereiche entsprechend Raum zur Verfügung steht, der auch abtrennbar ist.

 

„Möglichst offen“ lautet die Devise

Die ganzjährige Freilandhaltung kommt der Natur der Pferde und Ponys maximal entgegen. Die geeignete Weide und ein geräumiger, witterungsbeständiger Unterstand vorausgesetzt, können die Tiere hier ihr Normalverhalten weitgehend ausleben. Pferdeweiden müssen korrekt eingezäunt, die Böden weitgehend morastfrei sein. Für regelmässig zum Reiten oder Fahren genutzte Pferde ist die Freilandhaltung aufwändig.

 

Der Offenstall mit Weidezugang ermöglicht artgemässes Fressen, befriedigt das grosse Bewegungsbedürfnis und lässt insbesondere die Haltung natürlich zusammengesetzter Gruppen zu. Das Futter muss selber gesucht werden oder wird an verschiedenen Orten angeboten. Liege- und Fressbereiche können getrennt werden und der Einbau von Fressständen ist möglich. Robust gehaltene Pferde und Ponys tragen ein dickes Winterfell, was vor und nach der Nutzung der Tiere und bezüglich Pflege zu beachten ist.

 

Laufställe sind weniger strukturiert als Offenställe, ganzflächig eingestreut, und die Gruppenhaltung mit natürlicher Zusammensetzung ist möglich. Die Einteilung in verschiedene Bereiche fehlt, die Bewegungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Das Futter wird lokal konzentriert angeboten. Laufställe werden hinsichtlich Tiergerechtheit enorm aufgewertet, wenn der tägliche, ausgedehnte Weidegang ermöglicht wird.

 

Auslaufboxen bestehen aus einer Boxe mit einem angrenzenden Paddock. Im Idealfall besteht vom befestigten Auslauf her ein Weidezugang. Diese Haltungsform ist sehr häufig, obwohl nur bedingt tiergerecht, da normales Pferdeverhalten (Bewegung, Sozialverhalten, artgemässes Fressen) je nach Management nur noch sehr eingeschränkt möglich ist. Oft werden die Pferde im Auslauf durch Elektrodraht oder anderen Einrichtungen an der gegenseitigen Kontaktaufnahme gehindert.

 

Boxen sind wohl die am weitesten verbreitete Haltungsform von Pferden aller Nutzungsrichtungen. Sie sind für Einzelhaltung konzipiert und natürliches Pferdeverhalten ist nahezu unmöglich. Boxen sind oft in grossen Stallgebäuden installiert, durch Gitter voneinander abgetrennt und ohne direkten Zugang in Aussenbereiche. Die Haltung von Pferden lediglich in Boxen ist nicht tiergerecht und kommt durch die fast uneingeschränkte Verfügbarkeit des Pferdes nur dem Menschen entgegen.

 

Welche Haltungsform auch gewählt wird, gesunder Menschenverstand ist immer gefragt. Tiere, die sich eindeutig als unverträglich erweisen, sollen nicht um jeden Preis in Gruppen integriert werden. Ihnen ist aber dennoch Sicht-, Hör- und Geruchskontakt zu Artgenossen zu gewähren.

 

Versorgung mit Futter und Wasser

Pferde nehmen - angepasst an ihr Verdauungssystem - fast kontinuierlich Futter auf. Jede Haltungsform muss gewährleisten, dass rohfaserreiches Futter bodennah und zumindest während des Tages uneingeschränkt zur Verfügung steht. Kraftfutter ist ebenfalls in mehreren Portionen über den Tag verteilt zu verabreichen. Jedes Tier muss seinen Fressplatz haben. Wasser muss den Pferden und Ponys immer zur Verfügung stehen. Ausnahmsweise kann Wasser in drei Gaben pro Tag und jeweils bis zur Sättigung angeboten werden.

 

Langeweile macht schlechte Laune

Verhaltensstörungen sind bei Pferden häufig und werden in der Regel von den Haltern auch als solche erkannt. Das Koppen oder das Weben sind dabei die häufigsten und offensichtlichsten Störungen. Nach heutigem Wissen sind die Ursachen für sogenannte Bewegungs-Stereotypien hauptsächlich gravierende Mängel in der Haltung. Es ist zudem bekannt, dass bestimmte Rassen eher zur Entwicklung von Stereotypien neigen als andere. Medikamentöse oder andere Therapien sind wenig erfolgversprechend und der falsche Lösungsansatz. Vielmehr ist die Haltung den Pferdebedürfnissen anzupassen.

 

Mehr ist viel besser

Ob eine Pferdehaltung tiergerecht ist, entscheidet sich daran, ob normales Verhalten möglich ist und gesundheitliche Schäden vermieden werden können. Die Einhaltung gesetzlicher Mindestmasse gemäss Anhang 1, Tabelle 7 der Tierschutzverordnung ist dafür keine Gewähr. Denn es handelt sich um absolute Minimalanforderungen, und ihre Einhaltung macht die Haltung zwar gesetzeskonform, jedoch nicht vorbildlich. Mit anderen Worten: Tierschutzgerecht ist nicht gleich tiergerecht.

 

Umgang auf und mit dem Pferd

Bei Pferden, Ponys und Eseln verdient ein Aspekt besondere Beachtung. Sie werden durch den Menschen direkt in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt, insbesondere beim Reiten und Fahren. Umso grösser ist die Verantwortung gegenüber dem Tier, weil es durch falsches Verhalten unsererseits unmittelbar Schmerzen, Leiden oder Schäden erfahren kann. Gefragt sind immer eine schonende Hand, viel Einfühlungsvermögen, Geduld, Sachverstand und der Wille, längst Überholtes zu überdenken. Dazu gehört die kritische Würdigung vieler Hilfsmittel, die oft nur menschliches Unvermögen kaschieren oder eine ästhetisch fragwürdige Erscheinung der Tiere fördern sollen.

 

Pferde verstehen lernen

Pferde im Gruppenstall, fressend
© B. Trachsel
 

Tipps zu Haltung und Umgang

    • Wie man Pferde richtig hält und nutzt schildert die Broschüre Pferde des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit BLV. 
    • Weitere Fachinformationen des BLV zu Pferden finden sich hier.
    • Beurteilung von Ponyreitbahnen unter Tierschutzgesichtspunkten
      (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V., Deutschland)