Farbratten
 

Schlaue Schnüffelnasen

Die Ratte ist ein umstrittenes Heimtier, an ihr scheiden sich die Geister. Man liebt oder verabscheut sie. Während eines Grossteils der Menschheitsgeschichte war sie als Schädling und Krankheitsüberträger gefürchtet. Erst in den letzten Jahrzehnten haben die klugen Nager viele Herzen erobert. Wer sich einmal auf diese faszinierenden Heimtiere einlässt, erliegt ihrem Charme und verliebt sich hoffnungslos.

Biologie und Verhalten
Weltweit gibt es über 570 Rattenarten. Bei uns sind jedoch nur zwei Arten heimisch, die zierliche Haus- oder Dachratte und die norwegische Wanderratte, von der unsere Farbratten abstammen. Die Zucht der Wanderratten begann im 19. Jahrhunder. Zunächst wurden die Tiere für Tierkämpfe gezüchtet - damals galt es als Sport, wenn ein Terrier in einer Arena möglichst viele Ratten totbiss. Schon damals gab es Albino-Tiere, die als Besonderheit ausgestellt wurden. Aus der Zucht für diesen Zeitvertreib entwickelten später auch die heute als Heimtiere gehaltenen Farbratten - aber auch die für Versuche verwendeten Laborratten. Der erste dokumentierte Tierversuch an einer Ratte fand 1828 statt.

Wanderratten leben in Grossfamilien. Unter ihnen herrscht eine strenge Rangordnung. Sie erkennen einander am Geruch und beschnüffeln sich deshalb bei jeder Begegnung gegenseitig. Wird ein Fremdling entdeckt, so vertreibt ihn die Gruppe aggressiv aus ihrem Revier - ist dies nicht möglich, wird er attackiert und stirbt an den Verletzungen. Ratten kommunizieren miteinander über Duftsignale, Ultraschalllaute und Körpersprache.

Ratten sehen bei Tageslicht nicht sehr gut. Ihre Augen sind vor allem der Dämmerung angepasst. Um sich in der Dunkelheit zurecht zu finden, sind diese dämmerungs- und nachtaktiven Nager mit Tasthaaren um Nasen- und Mundöffnung sowie an Pfoten und Schwanz ausgestattet. Ihr gutes Riechvermögen und ihr hervorragender Geschmackssinn helfen ihnen, ihre Nahrung zu finden.

Bereits im Alter von 4,5 bis 6 Wochen sind Ratten geschlechtsreif. Bei guten Lebensbedingungen können Rattenweibchen bis zu viermal im Jahr vier bis 20 Jungtiere zur Welt bringen. Ihre Lebenserwartung beträgt 2 bis 3 Jahre.

Die Haltung von Farbratten
Ratten sind überaus soziale Tiere, sie müssen deshalb mindestens zu dritt gehalten werden. Einzelhaltung verbietet auch das Tierschutzgesetz. Eine optimale Gruppengrösse umfasst 3 bis 6 Tiere. Das bedeutet einen grossen Platzbedarf. Da in den Tierheimen bereits viele Ratten auf ein neues Zuhause warten, sollten Sie Nachwuchs unbedingt vermeiden. Es empfiehlt sich deshalb eine gleichgeschlechtliche Gruppe zu halten oder die Männchen zu kastrieren. Neue Gruppenmitglieder einzufügen, ist ein schwieriges Unterfangen, da die Gruppe jeden Eindringling bekämpfen wird. Für die Vorgehensweise lassen Sie sich am besten von Spezialisten beraten.

Die klugen Nager sind überaus bewegungs- und kletterfreudig. Ihr Zuhause sollte deshalb möglichst gross sein. Als Käfig eignen sich umgebaute Volieren oder Rattengehege der Marke Eigenbau. Das Gehege soll für 3 bis 4 Tiere eine Grösse von mindestens 100 x 50 x 120 cm (Breite x Tiefe x Höhe) haben. Der Gitterabstand darf nicht grösser als 1.5 cm sein, bei Jungtieren nicht grösser als 1 cm. Für die leidenschaftlichen Kletterer werden am besten mehrere Etagen eingerichtet. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass keine Stürze möglich sind. Ideal sind daher Etagen, die über die gesamte Fläche des Geheges gehen (sogenannte Volletagen) - ein Loch in der Etage ermöglicht den Wechsel zu anderen Etagen. Nutzt man kleinere Plattformen, montiert man diese am besten versetzt, um tiefe Stürze zu vermeiden. Der unterste Stock kann mit handelsüblicher, staubfreier Einstreu versehen werden, die alle paar Tage ausgewechselt wird. So können die Ratten dort buddeln. Als Nager brauchen auch Ratten Material, um ihren Nagetrieb zu befriedigen, zum Beispiel frische Äste.
Zur Basiseinrichtung gehören auch verschiedene Unterschlüpfe, mehrere Höhlen und Schlafhäuschen mit je mind. 2 Ein- und Ausgängen. Wichtig ist, dass alle Tiere der Gruppe zusammen in einem Versteck Platz haben und es mindestens so viele Verstecke wie Tiere im Gehege hat. Des Weiteren braucht es eine Futter- und mindestens eine Wasserschale. Beide sollten so beschaffen sein, dass sie nicht kippen, wenn die Ratten sich auf dem Rand aufstützen.

Doch selbst der geräumigste Käfig wird dem Bewegungsdrang dieser cleveren Nager nicht gerecht. Ratten sollten deshalb allabendlich Freigang in der Wohnung oder zumindest in einem 6 m2 grossen abgesicherten Bereich bekommen. Denn die Nager machen ihrem Namen alle Ehre und knabbern alles an. Stromkabel, wertvolle Möbelstücke und Zimmerpflanzen dürfen deshalb nicht erreichbar sein. Ausserdem muss man sich als Rattenhalter bewusst sein, dass diese kleinen Entdecker die menschlichen Hygienevorstellungen nicht teilen und auf ihren Streifzügen auch Urin und Kot hinterlassen. Wer damit ein Problem hat, sollte sich für ein anderes Haustier entscheiden. Ratten werden nicht komplett stubenrein. Sie können aber daran gewöhnt werden, zumindest einen Teil ihrer Geschäfte in mit Einsteu gefüllten Schalen zu verrichten.

Farbratten sind zwar Gemischtköstler, doch der grösste Teil ihrer Nahrung besteht aus pflanzlicher Kost. Als Grundfutter kann eine Rattenkörnermischung aus dem Fachhandel verwendet werden. Mindestens ein Drittel des täglichen Futterangebots sollte aber aus frischem Gemüse und gelegentlich auch aus Obst bestehen. Das Grünfutter darf nie angewelkt sein, da dies schmerzhafte Blähungen verursachen kann. Ab und an tut den Feinschmeckern auch etwas Eiweiss in Form von Quark, einem Mehlwurm oder einem hartgekochten Ei gut. Sie werden schnell merken, was Ihre Schützlinge mögen. Ratten sind ausgeprägte Individualisten, was die eine über alles liebt, wird eventuell von einer anderen links liegen gelassen. Seien Sie jedoch vorsichtig mit Leckerbissen, Ratten können schnell zu dick werden! Frisches Trinkwasser muss immer bereit stehen.

Meine Farbratten und ich
Da unsere Farbratten unter anderem auch auf Zutraulichkeit gezüchtet wurden, werden sie schnell handzahm und nehmen Futter aus der Hand. Je mehr Zeit Sie mit ihnen verbringen, desto schneller fassen die intelligenten Tiere Vertrauen. Im Gegensatz zu vielen anderen Nagern mögen Ratten Körperkontakt und kuscheln sich deshalb gern einmal in den Pullover "ihres" Menschen oder sitzen auf seiner Schulter. Dies gilt insbesondere für ältere Tiere. Junge und sehr sehr agile Ratten nutzen den Menschen eher als Kletterbaum und verbringen ihre Zeit lieber mit Toben und Spielen als mit "langweiligem" Kuscheln. Die hoch intelligenten und lernfähigen Tiere können eine echte Beziehung zu Ihnen aufbauen. Um dieses Vertrauen nicht zu verlieren, sollten Sie stets sanft und ruhig mit Ihren Ratten umgehen.

Krankheiten
Wenn Sie Ihre Farbratten täglich beobachten, werden Ihnen Veränderungen rasch auffallen. Unbekannte Geräuche, fehlende Bewegungsfreude, komische Körperhaltung und Bewegungsabläufe, vermehrtes Kratzen und Haarausfall, nasses Fell, "blutige" Krusten an Augen und/oder Nase, Verklebungen an Kinn oder Afterregion, schmieriger Kot sowie Geschwulstbildung können Anzeichen einer Erkrankung sein. Eine Liste von möglichen Gesundheitsproblemen und was zu tun ist, finden Sie hier. Kranke Ratten sollten umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden, der sich mit den Erkrankungen und der Behandlung von Ratten auskennt.

 

Farbratten artgerecht halten

Farbatte
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  • Beratungstelefon
    des Zürcher Tierschutz
    am Tierspital Zürich:
    044 635 83 43
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    und 13.30 - 16.45 Uhr
 

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