Biologie und Verhalten
 

Samtpfote und Raubtier in Einem

Jede Katze ist eine Persönlichkeit. Mögen zwei Katzen sich äusserlich noch so gleichen, in ihrem Charakter und Verhalten sind sie einzigartig. Diese ausgeprägte Individualität von Katzen ist sozusagen ihr wichtigstes Merkmal, diejenige Eigenschaft jedenfalls, die sie beim Menschen so beliebt macht. Gleichwohl gibt es eine Reihe von Eigenschaften, die Hauskatzen auf Grund ihres Ursprungs und ihrer Biologie teilen.

 

Ideale Beziehungspartnerin

Entgegen ihrem Ruf als Unabhängigkeitsfanatiker, können Katzen intensive und innige Beziehungen zu Menschen eingehen. Für viele Menschen ist die Freundschaft zu ihrer Katze etwas vom Schönsten und Wertvollsten. Passend zur Individualität von Katzen, sind ihre Beziehungen mit Menschen höchst unterschiedlich. Und da Menschen den Katzen an Individualität in nichts nachstehen, ist jede einzelne Mensch-Katze Gemeinschaft einmalig.

 

Katzen sind nicht nur Individualistinnen sondern auch sehr anpassungsfähig. Von ihren Menschen erwarten sie aber dasselbe: Rücksicht auf die momentanen Bedürfnisse des kätzischen Gegenübers. Gelingt die menschliche Anpassung an die Lebensgewohnheiten und Wünsche der Katze, ist die Mensch-Katze Beziehung für beide Seiten gewinnbringend.

 

Immer noch "wild"

Die Wiege der Hauskatze (Felis silvestris f. catus) ist Afrika, ihre wilde Stammform die Afrikanische Falbkatze (Felis silvestris f. lybica). Im Vergleich zum Hund und verschiedenen anderen Tierarten (Rind, Ziege, Schaf) ist die Katze ein junges und weitgehend ursprünglich gebliebenes Haustier. Ihre Domestikation erfolgte „erst“ vor ca. 5000 Jahren, im alten Ägypten, wo sie als Mäusejägerin geschätzt und als Göttin verehrt wurde. Eine gezielte Rassezucht begann viel später. Die erste Katzenausstellung überhaupt fand 1871 in London statt, danach erst entstanden Katzenzuchtvereine.

 

Eine kurze Domestikations- und Zuchtgeschichte bedeutet, dass Hauskatzen nach wie vor fähig sind, unabhängig vom Menschen zu leben, auch wenn sie sich von ihm nach Noten verwöhnen lassen.

 

Bei der Entstehung der Hauskatze spielte die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) keine Rolle. Kreuzungen von Hauskatzen mit Europäischen Wildkatzen wie auch mit anderen Wildkatzenarten (z.B. Bengalkatze) sind aber möglich. Das ist ein weiterer Beweis, dass Hauskatzen mit ihren wilden Verwandten noch sehr viel gemeinsam haben.

 

Geborene Jägerin

Heute gibt es ca. 100 anerkannte Rassen bzw. Varietäten, im Vergleich zu Hunden eine eher bescheidene Zahl. Die Mehrheit aller Katzen gehört aber sowieso zu den rasselosen Feld-, Wald- und Wiesen Mietzen.

 

Auch die edelste und bestgefütterte Katze zeigt Jagdverhalten und sei es nur im Spiel. Bestimmte Einzelheiten des Jagdverhaltens muss die junge Katze zwar lernen und üben, das Jagen an sich liegt ihr aber im Blut bzw. in den Genen. Jagen ist sogar eine sehr wichtige Tätigkeit, die ein Grossteil ihrer Tagesaktivität ausmacht.

 

Obwohl alle möglichen Tiere – von Insekten über Kleinvögel und Mäuse bis hin zu Kaninchen - als Beute in Frage kommen und Katzen darum verschiedene Beutefang-Methoden kennen, ist im Freiland die Ansitzjagd die häufigste Form. Das z.T. stundenlange Sitzen und Warten, bis eine Maus aus dem Mausloch kommt oder ein Vogel sich in Greifnähe setzt, verlangt Sitzleder. Im richtigen Moment muss aber blitzschnell vorgegangen werden. Ist dieser Moment gekommen, stürzt sich die Katze von Null auf 100 auf ihre Beute. Trotz vollem Einsatz ist der Jagderfolg nicht immer garantiert, eine Katze muss Misserfolge wegstecken können. Wurde ein Tier aber gefangen, spielt die Katze oftmals mit der lebenden Beute, z.T. über Stunden. Das sieht brutal aus, ist aber natürlich.

 

Guter Kumpel

Katzen gehen alleine auf die Jagd. Deswegen sind sie aber noch lange keine Einzelgängerinnen. Entgegen ihrem früheren Image sind die meisten Katzen (ca. 90%) nicht nur Menschen sondern auch Artgenossen gegenüber sozial. Ihr Sozialverhalten unterscheidet sich zwar in vielen Punkten von demjenigen der Hunde (sie zeigen z.B. kaum unterwürfiges Verhalten), ist aber dennoch eindeutig als sozial zu bezeichnen. Dazu gehören Begrüssungsrituale (Köpfchen Geben, freundliches Maunzen), Liegen und Schlafen in Körperkontakt, gegenseitiges Lecken, gemeinsames Spiel. Natürlich gehören zum Sozialverhalten auch aggressive Episoden, ganz wie beim Menschen. Züchtende Kätzinnen, v.a. Verwandte, betreiben manchmal gemeinsame Brutpflege, dagegen sind Kater an der Jungenaufzucht unbeteiligt.

 

Entscheidende Früherfahrungen

Ob eine Katze im Umgang mit Katzen sozial oder einzelgängerisch und im Umgang mit Menschen scheu oder zutraulich ist, entscheidet sich in der sogenannten Prägungsphase ganz am Anfang des Lebens. Hat sie von der 2. bis zur 8. Lebenswoche Kontakt mit Geschwistern, anderen Katzen desselben Haushaltes und Menschen, wird sie für den Rest ihres Lebens eine „soziale Ader“ behalten.

 

Faule Katze

Katzen haben ausser dem Menschen keine natürlichen Feinde. Sie müssen nicht dauernd auf der Hut sein, um jederzeit fortrennen zu können. Das zeigt sich in ihrem Verhalten. Sind sie nicht gerade auf der Jagd, können sie das entspannte Nichtstun geniessen, pro Tag während durchschnittlich 16 Stunden. In ihrer Freizeit schlafen sie aber längst nicht immer; vielmehr beobachten sie aufmerksam, was um sie herum passiert. Gibt es einen guten Anlass zum „Eingreifen“, eine Spielgelegenheit etwa, tun sie es prompt und munter.

 

Sauberkeitsfanatikerin

In die ruhigeren Tagesstunden fällt die Körperpflege, die bei Katzen sprichwörtlich ist und ausgiebig betrieben wird. Das gegenseitige Belecken hat allerdings weniger mit Reinlichkeit als mit Freundschaftsbezeugung zu tun; dabei werden körpereigene Duftstoffe ausgetauscht und quasi ein Familiengeruch erzeugt.

 

7 Leben

Es gibt kaum eine Eigenschaft, die bei Katzen nicht in den Bereich der Superlative fällt: Ihre Sinnesleistungen sind hervorragend (Nase, Augen, Ohren, Tastsinn) und auch die körperliche Leistungsfähigkeit ist in vielerlei Hinsicht gross (Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Kletterfähigkeit, Kraft). Doch damit nicht genug: Katzen sind sehr lernfähig, v.a. natürlich in der Jugend. Mit so viel guten Eigenschaften ausgestattet, sind Katzen eigentliche Überlebenskünstler. Das einzige, was ihnen echt gefährlich wird und wogegen sie ohne Impfschutz machtlos sind, sind Viruskrankheiten. Ihre Lebenserwartung liegt denn auch nur bei durchschnittlich 10 bis 15 Jahren, wobei manche Katze, die die Jugendjahre gut überstanden hat, problemlos über 20 Jahre alt werden kann.

 

WEITERE INFOS

Katze balanciert auf Zaun
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Büchertipps

  • Katzenseele. Wesen und Sozialverhalten. Paul Leyhausen, Kosmos Verlag, 2005.
  • ISBN 3440098648
  • 232 x Katze. Sie fragen - wir antworten. Karin Schneider, Ulmer Eugen Verlag, 2008.
    ISBN: 3800157500
  • Mit Tieren leben im Alter. Gäng und Turner (Hrsg.), Ernst Reinhardt Verlag, 2005.
    ISBN 978-3-497-01757-7