Biologie und Verhalten
 

Vielfalt in Aussehen, Temperament und Fähigkeiten

Der Hund stammt vom Wolf ab und gehört zur Familie der Hundeartigen. Seit hunderten von Jahren hat man durch gezielte Zucht gewünschte Eigenschaften des Hundes hervorgehoben, als Rasse definiert und standardisiert. Hunde sind Raubtiere und ihre Sinnesleistungen, vor allem der Geruchssinn und das Gehör sind herausragend. Weltweit gibt es ca. 400 Rassen, deren Vertreter sich teilweise von ihren Vorfahren in Grösse und Gestalt massiv unterscheiden. Die Anpassungsfähigkeit des Hundes an Lebensraum und Lebensumstände sowie seine Lernfähigkeit machen den Hund so beliebt. Er ist aus unserer Zivilisation nicht mehr wegzudenken.

 

Bewegung muss sein

Als Raubtier hat der Hund kaum natürliche Feinde. Zudem ist er ein ausdauernder Läufer (Wolf = Hetzjäger). Wölfe sind durchschnittlich zehn Stunden pro Tag und oft trabend oder rennend in Bewegung und können dabei bis zu hundert Kilometer zurücklegen. Bei den Hunden ist die tägliche Aktivitätszeit je nach Rasse und Gebrauch unterschiedlich.

 

Jagen und Fressen

Wie der Wolf frisst der Hund ausschliesslich Fleisch. Wölfe jagen grösseres Wild im Rudel, kleine Beutetiere wie Mäuse im Alleingang. Nicht jede Aktion des Rudels ist erfolgreich. Dafür kann der Wolf bei einer einzigen Mahlzeit 10 - 20 % seines eigenen Körpergewichts fressen. Einen Teil würgt er wieder aus und verscharrt diesen als Vorrat. Dies ist möglich, weil der Magen sehr dehnbar ist. Wolfsverhalten wie das Verscharren von Futter bzw. Knochen, Guetzli oder Ähnlichem kann man auch bei den Hunden beobachten. Ob im Garten, auf dem Sofa oder unter dem Kissen - einige Hunde legen auch Vorräte an. Das Mäusejagen oder das Hetzen grösserer Tiere wie Katzen kann man beim Haushund ebenfalls beobachten.

 

Kommunikation ist wichtig

Wölfe wie auch Hunde sind soziallebende Tiere. Sie leben in hierarchisch streng strukturierten Rudeln, was man insbesondere bei verwilderten Hunden gut beobachten kann.

 

Das Sozialverhalten ist sehr vielfältig. Es dient der Bildung und dem Erhalt der sozialen Struktur. Das Rudel unterliegt einer Dynamik, in dem einzelne Individuen immer wieder versuchen, ihre soziale Position zu verbessern. In unserer Zivilisation lebt der Hund meist in “Mensch-Hund-Rudeln”. Duftmarken spielen bei der innerartlichen Kommunikation der Hunde eine wichtige Rolle. Sie geben Auskunft über den physiologischen Zustand von Artgenossen oder über deren Geschlecht und sind ein wichtiges Kommunikationsmittel.

 

Sexualverhalten und Geburt

Die Hündin wird ein- bis zweimal jährlich läufig und blutet während der Läufigkeit. Bei der Urinabgabe setzt sie Hormone frei und signalisiert dadurch den Rüden ihre Paarungsbereitschaft. Während der Paarung bleibt der Rüde im Weibchen hängen, was zwischen einigen Minuten bis zu einer halben Stunde dauern kann und eine natürliche Erscheinung ist. Die Hündin ist zwischen 64 – 68 Tagen trächtig. Kurz vor der Geburt hat sie ein birnenförmiges Aussehen. Vor der Geburt der Jungen steigt die Rektaltemperatur der Hündin an und die Wehen beginnen. Hündinnen werfen durchschnittlich 3 – 10 Welpen. Die Hündin säugt, wärmt und säubert ihren Nachwuchs. Zudem erzieht sie die Kleinen bis zu deren Entwöhnung.

 

Welpenentwicklung

In der Entwicklung der Welpen gibt es verschiedene wichtige Phasen. Sie lernen, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und sich zu sozialisieren. Diesen Prozess, der rund anderthalb Jahre dauert, kann man wie folgt unterteilen:

 

  • 1. – 2. Lebenswoche → Vegetative Phase
    Der Welpe ist blind. Er nimmt die Umwelt durch Berührungs-, Wärme- und Geruchsreize wahr. Sein Aktionsradius beschränkt sich auf die Mutter.
  • 2. – 3. Lebenswoche → Übergangsphase
    Die Augen öffnen sich, und der Welpe verlässt sogar kurz die Wurfkiste.
  • 4. – 7/9. Lebenswoche → Prägungsphase
    Der Welpe nimmt die Umwelt bewusst wahr und lernt sein soziales Umfeld kennen. Hier entscheidet sich sein Verhalten zu Artgenossen, Menschen, Katzen usw. Liegen hier Defizite vor, etwa durch isolierte Aufzucht, lassen sich diese später nur schwer korrigieren.
  • 8. – 16. Lebenswoche → Sozialisierungsphase
    Jetzt lernt der Welpe die Grundlagen des Zusammenlebens und durch Erziehung richtiges Sozialverhalten. Was der Welpe in dieser Phase mitbekommt, wird ihn sein ganzes weiteres Leben lang begleiten.
  • 13. – 20. Lebenswoche → Rangordnungsphase
    Der Welpe sucht seinen Rang im Umgang mit seinen Sozialpartnern.
  • 5. – 6. Monate → Rudelordnungsphase
    In diese Zeit fällt der Gebisswechsel des jungen Hundes. Er ist nun bestrebt, sich seinen Platz im Rudel zu suchen und seine Position zu festigen.
  • 7. – 12. Monate → Pubertätsphase (Rassen abhängig)
    Der Rüde hebt (in der Regel) erstmalig sein Bein, die Hündin durchlebt die erste Läufigkeit. In dieser Phase erlebt man oft „Trotz“ bei den Hunden, und sie scheinen alles bereits erlernte einfach wieder "vergessen" zu haben.
  • 12. – 18. Monate → Reifungsphase (Rassen abhängig)
    In dieser Phase zeigt sich, ob der Hund optimal gefördert wurde und seine Entwicklung ohne Defizite verlief. Die Lernfreudigkeit und die freundliche Kontaktaufnahme mit Mensch und Tier belegen eine gute Entwicklung.

 

Der Hund ist nun psychisch ausgereift und lässt sich nur noch schwer verändern. Positive wie negative Eindrücke und Erfahrungen bestimmen ab jetzt sein weiteres Handeln.

 

Spielend lernen

braun-weisser Welpe kaut an einem Zweig
© Gabi Trachsel
 

Weitere Informationen

 

Weiterführende Literatur