Biologie und Verhalten
 

Grautier mit Köpfchen

Alle Rassen unserer Hausesel stammen vom Afrikanischen Wildesel ab, einem vom Aussterben bedrohten Vertreter der Pferdefamilie. Dieser bewohnt einen halbwüstenähnlichen Lebensraum, z.T. mit felsigem Boden und karger Steppen- und Busch-Vegetation. Esel gehören zu den ältesten Haustieren und sind wie die Pferde ausgesprochene Gruppen- und Bewegungstiere. Die stabilsten sozialen Einheiten bestehen aus Stuten und ihrem Nachwuchs. Esel sind sehr gute Nahrungsverwerter.

 

Liebesspiel für starke Nerven

In natürlich zusammengesetzten Eselgruppen bilden die bevorzugt im Frühling auftretenden Rossigkeiten der Stuten sowie Fohlengeburten markante Ereignisse. Die Hengste beobachten rossige Stuten über viele Tage, prüfen regelmässig ihre Ausscheidungen, und der Ranghöchste paart sich während der sogenannten Hochrosse mehrmals täglich mit ihnen. Der Deckakt dauert wenige Minuten, das Vorspiel ist dafür umso intensiver, beinhaltet oft lange Hetzjagden und ist begleitet vom typischen Eselgeschrei. Allfällige Nebenbuhler werden heftig mit Hinterhandschlägen und nicht selten durch kräftige Bisse in Hals und Hinterbacken vertrieben.

 

Ein ganzes Jahr Trächtigkeit

Etwa 365 – 370 Tage Tragzeit sind für Esel normal. Trächtige Stuten sondern sich bei bevorstehender Geburt von der Gruppe ab und bleiben während Tagen bis Wochen mit dem Fohlen abseits. Neugierige Familienmitglieder sind zu Beginn unerwünscht, weiblichen Gruppenmitgliedern, meist Töchtern, Schwestern und Tanten, wird als ersten die Begrüssung des Neuankömmlings erlaubt. Eselfohlen werden während ca. 9 Monaten gesäugt und kurz vor der Geburt des nächsten Fohlens auf Distanz gehalten (Stütchen) oder vertrieben (Hengstlein). Hausesel können über 40 Jahre alt werden.

 

Lahme Esel nur im Märchen

Hausesel sind ausgesprochene Bewegungstiere und im Bedarfsfall rassige Sprinter. Aber: “Kopfloses” Flüchten ist Eseln fremd, denn es wäre im unwegsamen Gelände ihres Herkunftgebiets verheerend. Als ursprüngliche Bewohner karger Landschaften sind sie es gewohnt, bis zu 16 Stunden am Tag mit der Nahrungsaufnahme zu verbringen. Dabei bewegen sie sich Gras rupfend und kauend im Schritt viele Kilometer vorwärts. Trab und Galopp gehören ebenso zum täglichen Bewegungsrepertoire, sei es beim Solo- und Partnerspiel der Fohlen, beim Kampfspiel der Junghengste, im Kontext des Sexualverhaltens, auf der Flucht oder beim Vertreiben missliebiger Artgenossen.

 

Fressen, Trinken, Ausscheiden

Natürlicherweise müssen Esel mit sehr karger Nahrung auskommen und sie sind vom Verdauungssystem her sehr gute Futterverwerter. Das Fressen nimmt einen grossen Teil der Aktivitäten ein, und der kleine Magen arbeitet entsprechend intensiv. Die Aufnahme sauberen Wassers erfolgt täglich, ein Entzug über mehrere Tage ist gesundheitsschädigend.

 

Anders als etwa Rinder geben Esel Harn und Kot nicht irgendwo ab, sondern benutzen dafür bestimmte Stellen. Dies gilt vor allem für die Hengste, welche durch Harn- und Kotabgabe ihre Anwesenheit demonstrieren oder auch Grenzen von Paarungsterritorien markieren. Der Vorgang ist gleichsam ein Ritual, man beriecht die Haufen oder Pfützen, tritt darüber und lässt laufen. Dunghaufen können eine ansehnliche Grösse erreichen und sind eigentliche Geländemarken.

 

Sozialverhalten

Bei natürlich gehaltenen Eseln beobachtet man Stutengruppen mit meist verwandten, weiblichen Tieren sowie Junghengstengruppen. Erwachsene Hengste verteidigen Paarungsterritorien und begleiten die weiblichen Tiere. Die stabilste Bindung besteht zwischen Stuten und Fohlen. Eine hierarchische Struktur unter den Stuten fehlt, hingegen gibt es Rangordnungen bei den Hengsten. Gruppengrösse und -zusammenhalt sind abhängig vom Nahrungsangebot.

 

Den ganzen Tag kommunizieren

Im Bild sein und sich mitteilen ist auch bei Eseln wichtig. Gruppenmitglieder beobachten sich dauernd, reagieren auf harnende oder kotende Artgenossen, prüfen solche Hinterlassenschaften und setzen selber Marken. Fohlen rufen ihren Müttern, Hengste schreien rund um rossige Stuten, aufmerkende Tiere erregen die Aufmerksamkeit der ganzen Gruppe. Esel zeigen eine ausgeprägte Mimik und besitzen ein grosses Repertoire an sozialen Verhaltensweisen. Das geht von gegenseitigem Anstarren über Nasen-Nasenkontakte bis zu Hinterhandschlagen und Beissen. Soziale Imitation des Verhaltens tritt auch in Eselherden auf.

 

Ruhen

Unter natürlichen Bedingungen legen Esel mehrmals pro 24 Stunden Ruhephasen ein. Klima- und Raumfaktoren bestimmen Phasen und Örtlichkeit: Nach kalten Nächten wird an der Sonne gedöst, am Mittag sind Schattenplätze gefragt. Ruhen ist eine Gemeinschaftsaktivität, die Tiere stehen zusammen und halten sich gegenseitig durch Schwanzwedeln die Insekten vom Leib. Liegend ruhen oder gar schlafen beobachtet man tagsüber vorwiegend bei Fohlen und Jungtieren. Selten liegen alle Gruppenmitglieder gleichzeitig.

 

Körperpflege

Die Körperflege (so genanntes Komfortverhalten) dient nicht nur dem individuellen Wohlbefinden, sondern erhält und festigt auch soziale Beziehungen. Esel scheuern sich an Bäumen oder Zaunpfosten, reiben den Kopf an geeigneten Gegenständen oder Artgenossen, kratzen sich mit den Hinterhufen am Bauch oder hinter den Ohren. Gegenseitiges Beknabbern an Hals und Schulter ist typisch, wobei die Zähne des Oberkiefers gleichsam als Striegel eingesetzt werden. Das Wälzen an eigens dafür ausgesuchten trockenen Stellen hilft, sich lästige Parasiten vom Leib zu halten und dient vermutlich auch dem Gruppenzusammenhalt.

 

Grau, gestreift und steppenbraun

Eselgruppe beim Grasen auf der Weide
© B. Trachsel
 

Die Familie der Equiden

 
Somali-Wildesel frisst Äste im Basler Zoo
© B. Trachsel

Der Afrikanische Wildesel ist die Stammform unserer Hausesel. Er ist akut vom Aussterben bedroht.

 
Asiatische Wildesel im Zoo
© B. Trachsel

Asiatische Wildesel werden auch Halbesel genannt, weil sie auch pferdeähnliche Merkmale aufweisen.

 
Kiangs im Zoo
© B. Trachsel

Der Kiang ist vermutlich eine eigene Art aus der Pferdefamilie.

 
Grévy-Zebra in Lewa Downs
© B. Schnüriger

Grevyzebras unterscheiden sich in der Grösse, der Streifung, der Ohrenform und am weissen Bauch von den Steppenzebras. Zudem ähnelt ihre Sozialstruktur jener der Esel.

 
Zwei Steppenzebras im Hell's Gate National Park
© B. Trachsel

Steppenzebras sind die bekanntesten Zebras und kommen in mehreren Unterarten vor.

 
Bergzebra von seitlich im Zoo
© B. Trachsel

Bergzebras leben im südlichsten Teil Afrikas (Kapregion). Sie haben eine Wamme am Hals und sind auf der Kruppe quergestreift.

 
Urwildpferde im Wildpark Bruderhaus, Winterthur
© B. Trachsel

Das Urwildpferd war in der Mongolei heimisch und ist ausgestorben. Zur Zeit läuft ein auch vom Zürcher Tierschutz unterstütztes Auswilderungsprogramm von in Tierparks aufgezogenen Tieren.

 

Und was ist das?

 
Zwei Maultiere in Ballenberg vor dem Stall
© G. Trachsel

Zwei Maultiere. Sie sind eine Kreuzung aus Pferdestute und Eselhengst. Maulesel sind Nachkommen von Eselstute und Pferdehengst. Beide Kreuzungen sind unfruchtbar.