Aquarienfische
 

Faszinierende Vielfalt

Fische sind Wirbeltiere, die in der Natur in einer enormen Artenvielfalt vorkommen. Ihr Lebensraum umfasst zwei Drittel der Erdoberfläche - vom Bergbach bis zum Ozean. Millionen von Menschen ernähren sich von Fischen. Die starke Überfischung der Meere stellt ökologisch ein gravierendes Problem dar. In unseren Gewässern leben über 50 einheimische Fischarten. 34 Arten davon sind gefährdet, acht Arten sind bereits ausgestorben. Auch als Heimtiere sind Fische zunehmend gefragt und beliebt. Als Aquarienbewohner sind sie dekorativ, anscheinend anspruchslos und der tiefe Preis pro Tier trägt zur Attraktivität bei.

Unser Flyer «Aquarienfische» fasst die wichtigsten Überlegungen zur Anschaffung eines Aquariums und die häufigsten Tierschutzprobleme zusammen.

 

Häufige Tierschutzprobleme

Bei den Speisefischen sind Fang und Tötung tierschützerisch sehr problematisch. In der Aquarienhaltung sind die Probleme weniger offensichtlich, aber dennoch gravierend. 

  • Enorme Verschwendung. Millionen von Fischen sterben als Folge des Stresses beim Fang. Oder beim Transport, beim Umsetzen ins Aquarium oder gar bei der Entsorgung via WC-Schüssel und durch Aussetzen.
  • Massentierhaltung. Im Aquarium ist die Gefahr der Überbelegung u.a. wegen der fehlenden „Geburtenkontrolle“ gross. Die Fische leiden an Stress und können neben körperlichen Veränderungen auch Verhaltensstörungen entwickeln.
  • Mangelhafte Wasserqualität. Wasser ist die Lebensgrundlage der Aquarienfische. Die Aufrechterhaltung seiner Qualität erfordert Zeit, Wissen und technisches Know-How.
  • Unsachgemässe Fütterung. Falsches Futter, verabreicht in falschen Dosen, führt bei den Fischen zu Leiden und Krankheiten und beeinträchtigt auch die Wasserqualität.
  • Falsche Sozialpartner. Oft stehen bei der Auswahl der einzelnen Arten nicht biologische Kriterien im Vordergrund, sondern persönliche Vorlieben für Farben und Formen. Folge davon können übermässigen Stress oder Tod für einzelne Tiere bedeuten.

 

Gesetzliche Bestimmungen

Fische als Heimtiere sind erst seit dem 1. September 2008 durch die Tierschutzgesetzgebung geschützt. Wer Fische hält, muss für deren Wohlbefinden sorgen. Geregelt sind u. a. verbotene Handlungen, Anforderungen an gewerbsmässige Haltung, Umgang oder Fang sowie Mindestanforderungen zum Halten von Zierfischen. Die Minimalregeln sind aber bescheiden und beschränken sich auf Gehegegrösse bzw. Besatzdichte und Wasserqualität. Auch die Betäubungsarten oder das Töten sind reglementiert. Das Bundesgesetz über Fischerei regelt den Umgang mit den einheimischen Fischen und die Fischzucht.

 

Biologie und Verhalten

Zu den Fischen zählt man kieferlose Fische wie Rundmäuler und Schleimaale, Knorpelfische wie Haie und Rochen sowie die grösste und vielfältigste Gruppe der Knochenfische. Die Lebensweisen sind so vielfältig wie der Reichtum der Formen. Die Bandbreite reicht von Zwergformen mit wenigen Millimetern wie die Karpfenart Paedocypris progenetica bis zu Riesenformen wie Riesenzackenbarsche oder Walhaie.

 

Die meisten Fische sind wechselwarme Wirbeltiere. Die schuppige Fischhaut ist mit einer schützenden, schleimigen Schicht überzogen. Fische atmen über Kiemen. Eine Schwimmblase sorgt für Auftrieb im Wasser. Fische verfügen über gut ausgebildete Sinnesorgane und ein vielfältiges Verhalten. Gut belegt ist auch, dass verschiedene Fischarten soziales Lernen zeigen.

 

Fische leben einzelgängerisch, in Paaren oder in teils riesigen Fischschwärmen. Die Mehrzahl der Fische legt Eier, in denen kleine Fischlarven heranwachsen. Einige sind lebendgebärend wie etwa viele Haie oder Zahnkarpfen. Diverse Arten zeigen Brutpflege, indem sie Nester bauen (z.B. Stichlinge) oder ihre Brut im Maul tragen (z.B. Kardinalbarsche). Die Ernährungsformen von Fischen sind sehr unterschiedlich und reichen vom Filtrieren von Plankton über das Abgrasen von Algen bis zum Jagen anderer Fische.

 

Haltungsfragen

Die Zucht von Zierfischen in Aquarien und von Speisefischen in Teichen oder im Meer hat in den letzten 30 Jahren wegen der Abnahme der natürlichen Fischbestände und der gleichzeitig steigenden Nachfrage nach Fischereiprodukten weltweit enorm zugenommen. Die Zuchtanlagen sind meist tierquälerische Massentierhaltungen. Daher muss die Aquakultur in Bezug auf die Umwelt und das Tierwohl sehr kritisch hinterfragt werden. Eine biologische Produktion von Pflanzen fressenden Fischen, die in Schwärmen leben, kann eine Alternative zur industriellen Massenproduktion sein.

 

Weil jede Fischart ihre spezifischen Bedürfnisse hat, sind die Anforderungen an ihre Haltung sehr hoch. Das gilt insbesondere auch für die Heimtierhaltung. Fischhaltung erfordert Spezialisten oder den Willen, sich intensiv mit ihr auseinandersetzen. Die gehaltenen Arten bestimmen Einrichtung, Fütterung, Bepflanzung, Bodensubstrat, Rückzugsorte, Beleuchtung, Abdeckungen usw. Auf Salzwasserfische sollte verzichtet werden: Finanzieller und zeitlicher Aufwand sind hier noch grösser. So muss etwa der Salzgehalt des Wassers überwacht werden. Zudem stammen die meisten Arten aus Wildfängen, bei deren Fang häufig Gift eingesetzt und Korallenriffe zerstört werden. Detaillierte Information für angehende Fischhalter ist somit unabdingbar. Gute Tipps sind auf der Webseite des Bundesamtes für Veterinärwesen zu finden. Eine Liste der Arten, die nicht verkauft werden sollten, gibt es beim Zentralverband zoologischer Fachbetriebe Deutschlands.

 

Gesundheitsfragen

In der tiermedizinischen Ausbildung werden Fische kaum behandelt. Daher gibt es in der Schweiz nur wenige veterinärmedizinische Fischspezialisten. Die Behandlung von Krankheiten bei Fischen ist schwierig. Daher ist es am Besten, durch Vorbeugen Krankheiten zu vermeiden, d.h. für artgerechte Lebensbedingungen der Fische zu sorgen. Durch falsche Haltung leiden die Fische unter Stress. Er schwächt das Immunsystem und begünstigt Krankheiten, die durch verschiedene Faktoren hervorgerufen werden:

  • Abiotische Faktoren (nicht tierischen oder pflanzlichen Ursprungs) sind schlechte Wasserqualität, ungenügende Licht- oder Temperaturverhältnisse sowie ph-Werte.
  • Biotische Faktoren, d.h. tierische oder pflanzliche Verursacher von Krankheiten, sind Erreger wie Pilze, Viren, Bakterien, Kleinkrebse oder Würmer. Häufig werden sie ins Aquarium eingeschleppt.

Anzeichen für Stress und schlechtes Wohlbefinden sind die Veränderungen an der Körperoberfläche, Änderungen der Körperfarbe, eine Veränderung der Kiemenschlagrate, Apathie oder Stereotypien (Verhaltensstörung, z.B. im Kreis schwimmen).

 

Häufige Krankheiten

Häufige Fischkrankheiten sind die Weisspünktchenkrankheit, Drehkrankheit, Taumelkrankheit, Verpilzung, Glotzaugen, Flossenfäule sowie Kiemenwürmer.

Zeigen Ihre Fische verdächtige Veränderungen (Verhalten, Farbe, Körper, Haut, Flossen, Kiemen), hilft die Tabelle der Zierfischkrankheiten. Damit lässt sich von den beobachteten Veränderungen auf eine mögliche Krankheit und ihre Ursachen schliessen. Häufige Krankheiten finden sich hier mit Ursachen-, Verlaufs- und Symptombeschreibung, Diagnosehilfen und Informationen zur Behandlung.

 

Sind Krankheiten aufgetreten, kann man sich auch an den Zoofachhändler wenden oder sich im Internet auf entsprechenden Seiten oder in Foren informieren, z.B. unter www.mein-aquarium.com/ oder http://www.aquarium.ch/

 

Welche Arten eignen sich?

Geeignete Arten sind Süsswasserfische, die gut nachgezüchtet werden können und keine abnormen Körpermerkmale aufweisen wie z.B. die verschiedenen tierquälerischen Zuchtformen von Goldfischen oder Papageienbuntbarschen.

Ungeeignete Arten sind Salzwasserfische (v.a. Korallenfische), Kampffische oder Kugelfische. Hände weg von Qualzuchten und genetisch veränderten Fischen!

 

Schützen dank Wissen

Mexikanischer Schweinslippfisch
© Kuno von Wattenwyl / swild.ch
 

Fachwissen

Die Website www.fischwissen.ch, die vom Zürcher Tierschutz massgeblich mitfinanziert wurde, bietet viel fundiertes Fischwissen für eine fischgerechtere Zukunft.

 

Welche Fische halten?

Geeignete Arten sind Süsswasserfische, die gut nachgezüchtet werden können. Von Qualzuchten und  Salzwasserfische raten wir dringend ab. Unser Flyer «Aquarienfische» fasst die wichtigsten Infos zur Fischhaltung zusammen.

     

Fisch & Ökologie

 

Fisch & Konsum

  • fairfish: Infos zur Fischproduktion
  • Bio Suisse: Biologische Fischproduktion
  • WWF: Welche Fische essen? Einkaufsratgeber Fische und Meeresfrüchte
  • Greenpeace: Infos über die Fischlabel in der Schweiz
 

Biologie & Ethik

  • Fish: Nociception and pain. A biological perspective
  • Fische: Kognition, Bewusstsein und Schmerz. Eine philosophische Perspektive