Nashörner und Grevy`s Zebra
 

Ein Katalysator für Wildtierschutz

Das Lewa Wildlife Conservancy LWC ist eine Non-Profit-Organisation in Kenia. Im Jahr 1993 ist auf ehemaligem Farmland ein Schutzgebiet entstanden mit dem Ziel, die stark bedrohten Nashörner vor dem Aussterben zu bewahren und der Wilderei die Stirn zu bieten. Bereits zwei Jahre nach der Gründung verlieh die kenianische Regierung dem Projekt Nationalparkcharakter. Angefangen hatte alles mit einer Vision der Engländerin und Wahlschweizerin Anna Merz, die im Park die friedliche Koexistenz von Menschen, ihrem Vieh und bedrohten Wildtieren sah.

 

Gemeinsam zum Erfolg

Dass die Familie Craig, damals Besitzerin des Landes, bei diesem Projekt mitmachte, war ein Glücksfall und die Initialzündung für eine bewährte internationale Zusammenarbeit. Das Ziel: Der Park soll langsam aber stetig wachsen und es kommen auch ständig im Norden neue Areale hinzu. Dies, weil man auch bei den nördlich des Schutzgebietes gelegenen Gemeinden erkannt hat, dass Wildtier- und Naturschutz ein lohnendes Einkommen generieren kann. Heute ist das LWC zu einem der grössten Arbeitgeber im Norden Kenias avanciert. Es beherbergt aktuell 66 Spitzmaul- und 63 Südliche Breitmaulnashörner. Lewa war auch der Initiant zur Gründung einer Dachorganisation (Northern Rangeland Trust, NRT), welche mittlerweile 26 "Communities" umfasst, die sich in die diversen Schutzprojekte aufteilen. Dadurch stehen auch die Bewohner der Dörfer hinter den Schutzanliegen und sie profitieren direkt davon. Über 6'000 Kinder können dank Lewa eine Schule besuchen und es gibt 3 Kliniken, welche die medizinische Betreuung der lokalen Bevölkerung sicherstellen. Im Juni 2013 wurde Lewa mit seinem Ngare Ndare Forest in die Liste der UNESCO Weltnaturerbe aufgenommen. 

 

Sicherheit kostet viel Geld

Der Schutz von Nashörnern und der seltenen Grévy-Zebras ist sehr teuer und aufwändig. Wilderer und Geschäftemacher wittern reiche Beute. Sicherheit muss darum gross geschrieben werden. Das bedeutet konkret die Finanzierung von Gameguards und Wildhütern (Löhne, Uniformen, Waffen, Funk, Ferngläser), die Anschaffung und den Betrieb von geländegängigen (teuren!) Fahrzeugen, den Unterhalt von Wegen und Strassen und die Bereitstellung der Infrastruktur in den Hauptquartieren (Wohnhäuser, Reparaturwerkstätten, Büros usw.). Aktuell ist die Bedrohung der Nashörner besonders gross, weil die Nachfrage nach Horn in Asien stetig steigt und die Wilderei nicht einmal vor Lewa Halt macht. Das ist u.a. auch im neusten Jahresbericht 2013 (in Englisch) eindrücklich geschildert. Bezogen auf ganz Kenia wurden allein im laufenden Jahr 2014 22 Nashörner gewildert.

 

Lewa – unser Standbein in Afrika

Der Zürcher Tierschutz unterstützt Lewa Downs seit 1990 nachhaltig und zählt zu den wichtigsten Supportern. Im Sommer 2008 wurde ein substanzieller Unterstützungsbeitrag für eine umfassende Grévyzebra-Zählung bewilligt. Das LWC sammelt zusammen mit dem Kenya Wildlife Service Daten, welche es auch ermöglichen werden, die Rote Liste der bedrohten Arten zu aktualisieren. Seit Mitte Juni 2009 liegt nun der Bericht über diese wichtige Aktion vor und kann hier gelesen werden (in Englisch). Neben dem LWC konnten in den vergangenen Jahren auch Projekte des Grevy's Zebra Trust (GZT) unterstützt werden. Diese Organisation engagiert sich im nördlichen Kenia mit Erfolg für die seltene Tierart. Von den Grevy's gibt es zur Zeit auf der Welt lediglich noch rund 2'000 Exemplare. Davon lebt rund ein Viertel im Aktionsgebiet des GZT.

 

Beispiele von Hilfeleistungen sind unser Beitrag an eine Rettungsaktion für bedrohte Tierarten sowie die Finanzierung von Sicherungsflügen des lewa-eigenen Kleinflugzeugs. Der ausführliche Bericht (englisch) zeigt, wie unentbehrlich solche Flugzeuge für die Aufgaben und Ziele des LWC sind. Im Mai 2010 schliesslich hat der Vorstand entschieden, die Anschaffung eines neuen Geländefahrzeugs für die Veterinäreinheit von Lewa finanziell zu unterstützen. Nur dank tauglicher Fahrzeuge ist es möglich, im Notfall schnell helfen zu können.

 

Cross Country mit unserem Toyota

Im Januar 2011 hat uns der erste Bericht über den Einsatz des Geländefahrzeuges erreicht. Der Toyota ist ein Tierarzt-Fahrzeug und verkehrt in der gebirgigen Region von Lewa Downs bis weit in den Norden hinauf nach Samburu. Die Lewa-Veterinäre übernehmen bei Bedarf die tierärztliche Versorgung von Wildtieren in 5 Nationalparks und 9 Reservaten, aber auch von privaten Ranches innerhalb der Samburu- und Laikipiaregion. Hier leben mehr als die Hälfte aller kenianischen Spitzmaulnashörner, mehrere Tausend Elefanten, Grévy-Zebras, Wildhunde, Geparde und viele andere Wildtierarten.

Gemäss Berichterstatter Dr. Mutinda nehmen die Herausforderungen beinahe täglich zu. So musste man erneut zunehmende Schussverletzungen behandeln, was eine Folge der im internationalen Markt erhöhten Nachfrage nach Elfenbein und Nashorn-Horn ist. Dr. Mutinda und sein Team sorgen auch dafür, dass ansteckende Krankheiten rechtzeitig erkannt und behandelt werden können. Oder man überwacht Transporte von Wildtieren in andere Reservate und hilft bei der Ausrüstung von Tieren mit Halsband-Sendern, um ihre Wanderungen mittels Radio-Telemetrie verfolgen zu können. Es werden auch tote Tiere untersucht, wenn sie eines unnatürlichen Todes gestorben sind.

 

Schutzbemühungen täglich gefährdet

Ende November 2012 musste das LWC den demoralisierenden Verlust von 4 Spitzmaulnashörnern in Kauf nehmen. Sie fielen der Wilderei zum Opfer, was bei einer Gesamtpopulation in Kenia von nur 600 Individuen ein herber Verlust ist. Die Gier nach Horn ist momentan so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr, wobei vor allem in Zimbabwe, Südafrika und Kenia gewildert wird. Das führt dazu, dass Experten die bisherigen Erfolge im Nashornschutz als gefährdet einstufen. Auch Lewa ist somit nicht immun gegen diese Krise und man hat in den vergangenen 3 Jahren 10 Nashörner verloren.

Jazz, ein Spitzmaulnashorn-Bulle und Patenkind des Zürcher Tierschutzes, wurde am 23. November 2012 abgeschlachtet aufgefunden. Er wurde durch Gewehrkugeln von Wilderern getötet. Seine Hörner waren aber noch intakt und konnten geborgen werden. Jazz' Tod ist Sinnbild für den enormen Anstieg der Wilderei in Kenia, die den asiatischen Markt mit Horn beliefert. Besonders schlimm: mit dem Erlös finanzieren die Wildererbanden u.a. ihre Armeen, welche bekanntermassen so viel Unglück über die lokale Bevölkerung bringen.

Gemäss einem aktuellen Report wurden im Jahr 2013 afrikaweit 20'000 Elefanten gewildert. Das bedeutet, dass die Welt zur Zeit mehr Afrikanische Elefanten verliert, als neu geboren werden. Wenn dieses Abschlachten nicht gestoppt wird, erwarten Experten, dass in Teilen Afrikas der graue Riese innert der nächsten 50 Jahre verschwunden sein wird.

 

Graue Kolosse in Not

Zwei Breitmaulnashörner in Lewa Downs
© B. Trachsel