Patente auf Menschenaffen
 

Keine Patente auf Schimpansen!

Das Europäische Patentamt hat 2012 drei Patente auf gentechnisch veränderte Schimpansen erteilt. Die Tiere sollen für die Pharmaforschung genutzt werden. Die dreifache Patentierung des nächsten Verwandten des Menschen ist der bisherige Höhepunkt einer aus Tierschutzsicht unzulässigen und lebensverachtenden Entwicklung: Tiere (und Pflanzen) werden als Erfindung von Menschen bezeichnet und mit Blick auf eine lukrative Vermarktung wie Maschinen patentiert. Für den Zürcher Tierschutz ist dies ein "No Go", das mit der Achtung der Würde der Kreatur unvereinbar ist.

 

Es begann vor gut 30 Jahren

Gemäss Spiegel Online vom 13. November 2012  hat der eigentliche Tabu-Bruch, die Patentierung von Leben, erstmals 1980 stattgefunden; damals wurden in den USA ölfressende Bakterien patentiert. Das erste Säugetier, eine gentechnisch veränderte Maus, wurde vor 20 Jahren in Europa patentiert, die Harvard-Krebsmaus. Seither hat das Europäische Patentamt (Epa) in München bereits rund tausend Patente auf Tiere und 2000 auf Pflanzen erteilt. So gesehen sind die diesjährigen Patente auf Menschenaffen nur eine Weiterführung dessen, was vor zwei Jahrzehnten seinen unseligen Anfang nahm.

 

Wozu sollen die Patent-Schimpansen gut sein?

Bei zwei der vergebenen Patente (EP1456346 und EP1572862) werden Erbinformation, die ursprünglich von Insekten, Zecken und Krabben stammen, in das Erbgut der Schimpansen  geschleust. Mit Hilfe der so manipulierten Primaten will man Krebstherapien entwickeln. Beim dritten Patent (EP1409646) wurden dem Immunsystem der Schimpansen Immun-Eigenschaften des Menschen beigefügt, um die Tiere dem Menschen noch ähnlicher zu machen. Die Absicht auch hier: Therapien für den Menschen im Tierversuch zu testen.Ob das Ansinnen je von Erfolg gekrönt sein wird, ist allerdings mehr als fraglich.

 

Ist der Zug bereits endgültig abgefahren?

Das Schlimmste an Tierpatenten ist die Respektlosigkeit, mit der dem Leben Anderer begegnet wird. Das Tier wird vollständig den menschlichen Interessen unterworfen (instrumentalisiert), seine Würde krass verletzt. Im Falle der Schimpansen handelt es sich zudem um eine vom Aussterben stark bedrohte Tierart, die dringend unseren Schutz braucht und nicht ihren Ausverkauf. Am 15. November 2012 haben darum elf Organisationen aus Deutschland, der Schweiz und England einen gemeinsamen Einspruch gegen das Patent EP1456346 der US-Firma Intrexon eingelegt. In der entsprechenden Pressemitteilung heisst es u.a.:" Nach Ansicht der einsprechenden Organisationen (...) verstösst das Patent gegen die ethischen Grenzen des Europäischen Patentrechts."

 

Wie die Chancen dieses Einspruchs stehen, ist schwierig zu sagen. Leider sind die drei Patente von 2012 nämlich nicht die ersten, die für Primaten erteilt wurden. 2010 z.B. erhielt die Firma Bionomics ein Patent auf gentechnisch veränderte Affen, die an Epilepsie leiden (EP1852505).

 

März 2013: Einspruch gegen ein weiteres Patent auf Menschenaffen

Am 7. März 2013 haben 13 Organisationen aus Deutschland, der Schweiz und England gemeinsam einen zweiten Einspruch gegen ein Patent auf Menschenaffen eingereicht. Diesmal handelt es sich um ein Patent der US Firma Altor auf gentechnisch veränderte Schimpansen. Das Patent war vom Europäischen Patentamt (EPA) im Juni 2012 erteilt worden. Die Tiere sind in ihrer DNA so verändert, dass ihr Immunsystem dem des Menschen ähnlicher sein soll. An diesen „humanisierten“ Tieren sollen Medikamente getestet werden. Nach Ansicht der Einsprechenden verstösst das Patent gegen die ethischen Grenzen des Europäischen Patentrechts.mehr...

 

 

 

 Mit drei am Einspruch beteiligten Organisationen kooperiert der Zürcher Tierschutz regelmässig: Schweizer Tierschutz (STS), Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (sag), Wild Chimpanzee Foundation (WCF). Durch sie fühlt er sich beim Patent-Einspruch bestens vertreten, und er dankt allen elf Organisationen für ihr Einschreiten beim Europäischen Patentamt in München.

 

 

 

 

Eine Erfindung?

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