Handycaps zum Trotz...

Ab ins neue Zuhause!
© G. Möstl
Prinz 2
 

Vom Prinz zum König

Cocker Spaniel Prinz war nicht nur bereits 12 Jahre alt, sondern auch praktisch blind und schwerhörig, als er in unser Tierheim eintrat. Geboren wurde Prinzchen in Spanien, wo auch seine Rute coupiert worden war. Sein grosses Handicap war aber der graue Star, ein Geburtsfehler, den sein erster Halter für viel Geld operieren liess. Mit seinen Menschen verbrachte er zwei Jahre in der Schweiz, worauf nach Spanien gezügelt wurde. Dort lebte Prinz vor allem im eingezäunten Garten und kaum im Haus. Alles ging gut, bis berufliche Veränderungen seine Menschen im Herbst 2011 wieder in die Schweiz zurückführten. Wegen eines Tierhalteverbots lebte Prinz fortan ausschliesslich auf dem Gartensitzplatz. Da in der Schweiz leider kein so mildes Klima wie in Spanien herrscht, landete Prinz schliesslich im Tierheim.

 

Trennungsängste

Anfangs hatte er reichlich Mühe, sich dem Tierheim-Alltag anzupassen. Doch nach und nach freute er sich auf die Spaziergänge, und auch im grossen Wiesenauslauf hatte er stets eine Menge zu schnüffeln. Auf Artgenossen reagierte er eher gleichgültig, doch seine Box wollte er nicht mit einem anderen teilen. Mehr erfuhren wir von einem Paar, das Prinz mit zur Probe nahm, nach zwei Tagen aber wieder zurück brachte. Der Spaniel konnte in der Wohnung nicht allein sein. Er zerriss Kissen, bellte und markierte. Dem Paar fiel es schwer, sich von dem Hund trennen zu müssen, denn sie hatten ihn als total verschmust und sehr anhänglich erlebt.

 

Ein Königreich wird gefunden

Danach kamen Interessenten, die bereits zwei Hunde hatten. Prinz wurde oft zum Spazieren abgeholt, aber im Heim dieser Leute mit den beiden Artgenossen fühlte er sich nicht wohl. So wurde Prinz von Tag zu Tag älter, und bei den Tierpflegerinnen sank die Hoffnung auf einen schönen Lebensplatz für den alten Herrn. Er liebte lange Spaziergänge, war freundlich zu jedermann und verlor seine Lebensfreude nicht. Trotz seiner Sehbehinderung passierte es ihm nur selten, dass er mit Gegenständen kollidierte.

Ein Hoffnungsschimmer tat sich mit der TV-Sendung „Tierisch“ auf: Prinz durfte vor die Kamera und – ein paar Tage später kamen seine neuen Halter vorbei. Es war Zuneigung auf den ersten Blick! Nun lebt Prinz bei einem sehr netten Ehepaar, dem er verliebt auf Schritt und Tritt folgt und bei dessen Abwesenheit er auch gerne die Grosseltern nebenan besucht. Ein Prinz hat sein Königreich gefunden!

 

Christine Naef