Zürcher Tierschutz 
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Die wundersame Wandlung
Im Februar kam eine Anfrage, ob wir eine Katze für unbestimmte Zeit in Pension nehmen könnten, da deren betagte Besitzerin notfallmässig ins Pflegeheim musste. Eine Pflegefrau, die die Kranke zuvor in deren Wohnung betreut hatte, fing Mocca ein und brachte ihn vorbei.
Wilder, fremder Tiger
Mocca ist ein Tigerkater mit weiss, und gleich vom ersten Tag an erwies er sich als völlig unkooperativ. Er verkroch sich, fauchte, knurrte und sprang den Tierpflegerinnen schier ins Gesicht, wenn sie ihm zu nahe kamen. Als sich herausstellte, dass seine Besitzerin nicht mehr zurück in die Wohnung kann, reiste deren Schwester aus dem Welschland an und wollte Mocca zu sich nehmen. Doch, oh Schreck, Mocca entpuppte sich als fremde Katze – man hatte die falsche Katze eingepackt! Verständlich, dass die Dame ohne Katze nach Hause fuhr.
Fang mich, wenn du kannst
Somit wurde Mocca bei uns vorerst als Findelkatze aufgenommen. Angesagt war ein Tierarztbesuch mit Impfungen, Leukose-Test, Entwurmung und Parasitenbehandlung, kurz: das ganze Programm für neu eintretende Findeltiere. Doch wie sollte man den aggressiven, mürrischen Kater in eine Transportbox kriegen? Nachdem guter Rat und sämtliche Hilfsmittel versagten, blieb nur noch das Einfangen mit der Fangschlinge, eine Methode, die nur im alleräussersten Notfall angewandt wird (die Schlinge am Greifarm wird der Katze um den Hals gelegt. So kann das wild um sich schlagende Tier gefahrlos in eine Zwangsbox gepackt werden).
Grosses Erstaunen
Beim Tierarzt wurde Mocca zuerst sediert und dann behandelt. Dann kam das grosse Staunen, als sich herausstellte, dass der Kater einen Identifikations-Chip trägt, was bei Katzen eher selten ist. Sogleich nahm man Kontakt mit den Besitzern auf – in der Hoffnung, den Widerspenstigen wieder abgeben zu können. Am Apparat war der Vater der eigentlichen Katzenbesitzerin. Gemäss seiner Auskunft hatte diese Drogenprobleme und an Mocca absolut kein Interesse mehr! Er empfahl den seiner Ansicht nach massiv gestörten Kater einzuschläfern. Bereitwillig unterzeichnete er eine Verzichtserklärung, womit wir die „glücklichen“ Besitzer von Mocca wurden.
Die verborgene Seite
Nach einer gewissen Zeit vergeblichen Bemühens, des Katers Vertrauen zu gewinnen, gab man ihn in eine Gruppenhaltung und unterstützte diesen Wechsel mit homöopathischen Mitteln. Ein paar Tage verkroch sich der 6-jährige Kater, danach zeigte er sich wie ausgewechselt. Eine Tierpflegerin nach der anderen machte die unglaubliche Erfahrung, dass Mocca nicht mehr faucht und knurrt, man sich ihm immer besser nähern und ihn schliesslich sogar streicheln konnte. Die Verwandlung unseres „Aggro-Katers“ in ein Schmusebüsi schien ein Wunder. Heute lässt Mocca sich von allen knuddeln und sogar auf den Arm nehmen. Er ist sehr freundlich, auch mit seinen Artgenossen. Zum ganz grossen Glück fehlt jetzt nur noch der passende Zweibeiner, der Mocca adoptiert.

