Farbratten artgerecht halten

Farbatte
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Farbratten
 

Schlaue Schnüffelnasen

Die Ratte ist ein umstrittenes Heimtier, an ihr scheiden sich die Geister. Man liebt oder verabscheut sie. Während eines Grossteils der Menschheitsgeschichte war sie als Schädling und Krankheitsüberträger gefürchtet. Erst in den letzten Jahrzehnten haben die klugen Nager viele Herzen erobert. Wer sich einmal auf diese faszinierenden Heimtiere einlässt, erliegt ihrem Charme und verliebt sich hoffnungslos.

 

Biologie und Verhalten

Weltweit gibt es über 570 Rattenarten. Bei uns sind jedoch nur 2 Arten heimisch, die zierliche Haus- oder Dachratte und die norwegische Wanderratte, von der unsere Farbratten abstammen. Die Wanderratte wurde bereits im Jahr 1890 für Tierexperimente im Labor gezüchtet. Aus der weiteren Zucht dieser Laborratten gingen dann unsere heutigen Farbratten hervor.

 

Wanderratten leben in Grossfamilien. Unter ihnen herrscht eine strenge Rangordnung. Sie erkennen einander am Geruch und beschnüffeln sich deshalb bei jeder Begegnung gegenseitig. Wird ein Fremdling entdeckt, so vertreibt ihn die Gruppe aggressiv aus ihrem Revier. Die Kommunikation verläuft über Körpersprache, Duftsignale und Ultraschalllaute.

 

Ratten sehen bei Tageslicht nicht sehr gut. Ihre Augen sind vor allem der Dämmerung angepasst. Um sich in der Dunkelheit zurecht zu finden, sind diese dämmerungs- und nachtaktiven Nager mit Tasthaaren um Nasen- und Mundöffnung sowie an Pfoten und Schwanz ausgestattet. Ihr gutes Riechvermögen und ihr hervorragender Geschmackssinn helfen ihnen, ihre Nahrung zu finden.

 

Bereits im Alter von 5 bis 6 Wochen sind Ratten geschlechtsreif. Bei guten Lebensbedingungen können Rattenweibchen bis zu viermal im Jahr Nachwuchs haben. Ihre Lebenserwartung beträgt 2 bis 3 Jahre.

 

Die Haltung von Farbratten

Ratten sind überaus soziale Tiere, sie müssen deshalb mindestens zu zweit gehalten werden. Dies ist auch vom Tierschutzgesetz her so vorgeschrieben. Eine optimale Gruppengrösse umfasst 3 bis 6 Tiere. Das bedeutet einen grossen Platzbedarf. Da in den Tierheimen bereits viele Ratten auf ein neues Zuhause warten, sollten Sie Nachwuchs unbedingt vermeiden. Es empfiehlt sich deshalb eine gleichgeschlechtliche Gruppe zu halten oder die Männchen zu kastrieren. Erwachsene Weibchen sind untereinander meist verträglicher als Männchen. Neue Gruppenmitglieder einzufügen, ist ein schwieriges Unterfangen, da die Gruppe jeden Eindringling bekämpfen wird. Falls trotzdem ein neues Mitglied dazukommen soll, eignet sich dafür am besten ein Jungtier. Für die Vorgehensweise lassen Sie sich am besten von Fachpersonen beraten.

 

Die klugen Nager sind überaus bewegungs- und kletterfreudig. Ihr Zuhause sollte deshalb möglichst gross sein. Als Käfig eignen sich umgebaute Volieren oder Rattengehege der Marke Eigenbau. Das Gehege soll für 3 bis 4 Tiere eine Grösse von mindestens 80 x 60 x 120 cm (Breite x Tiefe x Höhe) haben. Der Gitterabstand darf nicht grösser als 1.5 cm sein, bei Jungtieren nicht grösser als 1 cm. Für die leidenschaftlichen Kletterer werden am besten mehrere Etagen eingerichtet. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass keine Stürze möglich sind. Man montiert die Plattformen deshalb am besten versetzt. Der unterste Stock wird mit handelsüblicher, staubfreier Einstreu versehen, die alle paar Tage ausgewechselt wird. Als Nager brauchen auch Ratten Material, um ihre Zähne abzunutzen, zum Beispiel frische Äste. Zur Basiseinrichtung gehören auch verschiedene Unterschlüpfe, mehrere Höhlen und Schlafhäuschen. Schlafhäuschen für zwei Ratten sollten eine Grundfläche von mindestens 15 x 20 cm aufweisen. Des weiteren braucht es eine Futter- und eine Wasserschale. Beide sollten so beschaffen sein, dass sie nicht kippen, wenn die Ratten sich auf dem Rand aufstützen.

 

Doch selbst der geräumigste Käfig wird dem Bewegungsdrang dieser cleveren Kerle nicht gerecht. Ratten sollten deshalb allabendlich Freigang in der Wohnung bekommen. Die Nager machen ihrem Namen alle Ehre und knabbern alles an. Stromkabel, wertvolle Möbelstücke und Zimmerpflanzen dürfen deshalb nicht erreichbar sein. Ausserdem muss man sich als Rattenhalter bewusst sein, dass diese kleinen Entdecker die menschlichen Hygienevorstellungen nicht teilen und auf ihren Streifzügen auch Urin und Kot hinterlassen. Wer damit ein Problem hat, sollte sich für ein anderes Haustier entscheiden. Ratten werden nicht stubenrein.

 

Farbratten sind zwar Gemischtköstler, doch der grösste Teil ihrer Nahrung besteht aus pflanzlicher Kost. Als Grundfutter kann eine Rattenkörnermischung aus dem Fachhandel verwendet werden. Mindestens ein Drittel des täglichen Futterangebots sollte aber aus frischem Gemüse und Obst bestehen. Das Grünfutter darf nie angewelkt sein, da dies schmerzhafte Blähungen verursachen kann. Ab und an tut den Feinschmeckern auch etwas Eiweiss in Form von Quark, einem Mehlwurm oder einem hartgekochten Ei gut. Sie werden schnell merken, was Ihre Schützlinge mögen. Ratten sind ausgeprägte Individualisten, was die eine über alles liebt, wird eventuell von einer anderen links liegen gelassen. Seien Sie jedoch vorsichtig mit Leckerbissen, Ratten können schnell zu dick werden! Frisches Trinkwasser muss immer bereit stehen.

 

Meine Farbratten und ich

Da unsere Farbratten von den Laborratten abstammen, die unter anderem auch auf Zutraulichkeit gezüchtet wurden - mit bissigen und scheuen Ratten lässt sich nicht gut arbeiten - werden sie schnell handzahm und nehmen Futter aus der Hand. Je mehr Zeit Sie mit ihnen verbringen, desto schneller fassen die intelligenten Tiere Vertrauen. Im Gegensatz zu vielen anderen Nagern mögen Ratten Körperkontakt und kuscheln sich deshalb gern einmal in den Pullover "ihres" Menschen oder sitzen auf seiner Schulter. Die hoch intelligenten und lernfähigen Tiere können eine echte Beziehung zu Ihnen aufbauen. Um dieses Vertrauen nicht zu verlieren, sollten Sie stets sanft und ruhig mit Ihren Ratten umgehen.

 

Krankheiten

Wenn Sie Ihre Farbratten täglich beobachten werden Ihnen Veränderungen rasch auffallen. Haarausfall, nasses Fell, Verklebungen an Kinn oder Afterregion, schmieriger Kot sowie Geschwulstbildung können Anzeichen einer Erkrankung sein. Eine Liste von möglichen Gesundheitsproblemen und was zu tun ist, finden Sie hier.