Wieso so viele Tierversuche?

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Tierschutz-Haltung

Das beharrliche Festhalten am konservativen und wissenschaftlich fragwürdigen Tierversuch widerspricht dem Geist guter Forschung, die stets nach vorne schaut und Neues und v.a. Besseres finden will.

 

 

Haltung vieler Experimentatoren

"Ohne Forschung mit Tieren wird es nicht möglich sein, die gesellschaftlichen und humanitären Herausforderungen, die diese Probleme hervorbringen, zu bewältigen. Trotz neuer und verfeinerter alternativer Methoden bleiben Tierversuche in der vorhersehbaren Zukunft für die biomedizinische Forschung unverzichtbar." (aus der Einleitung der Basler Deklaration)

 

 

 

24. April: Internationaler Tag des Versuchstieres
 

Wann endlich kommt die Trendwende?

Mehr als 100 Millionen Tiere werden weltweit Jahr für Jahr in Experimenten „verbraucht“. Seit 1979 wird am 24. April international dieser Tiere gedacht, sei es mit Pressemeldungen, Standaktionen, Mahnwachen oder Demonstrationen. Sicher ist es wichtig, dass man der Abermillionen Versuchstiere gedenkt, die in den allermeisten Fällen zum alleinigen Nutzen des Menschen leiden und schliesslich sterben. Noch wichtiger wäre, dass Alternativmethoden, die ohne lebende Tiere auskommen und für den Menschen erst noch verlässlicher sind, sich endlich breit durchsetzen und im grossen Stil angewendet würden.

 

Die Schweiz stagniert

1983, dem ersten Jahr der Versuchstier-Zählung, wurden in der Schweiz knapp 2 Mio. Versuchstiere eingesetzt, für das kleine Land eine unglaublich grosse Zahl. 2009 (jüngste Statistik) waren es 706’104 Tiere. Das entspricht einem starken Rückgang in 26 Jahren und einer kleinen Abnahme von 3.5 % gegenüber dem Vorjahr. So gesehen könnte man sich freuen und hoffen, dass ein grundlegendes Umdenken zugunsten der Tiere stattgefunden hat und eine schrittweise Abkehr vom Tierversuch im Gange ist. Seit dem absoluten Tiefstand im Jahr 2000 (566‘398 Tiere) sind die Zahlen aber wieder gestiegen und bewegen sich um gut 700‘000, was diese Hoffnung dämpft.

 

Die ganze Welt stagniert

Zudem haben 400 Tierforscherinnen und -forscher aus aller Welt mit der Basler Deklation eine „Offensive“ lanciert, mit der Tierversuche der Öffentlichkeit verständlich sprich schmackhaft gemacht werden sollen und mit der die uneingeschränkte Forschungsfreiheit erhalten werden soll. Die Unterzeichnenden „bestehen darauf, dass notwendige Forschung mit Tieren, einschließlich nicht-humaner Primaten, heute und in der Zukunft erlaubt sein soll.“

 

Wo bleibt da das Umdenken? Laut vielfältigen Beteuerungen sind Forschende und Behörden stets bemüht, nur notwendige d.h. unerlässliche Tierversuche durchzuführen respektive zu bewilligen. Dabei bleibt offen, was unter notwendig zu verstehen ist. Wirklich not-wenig ist die konsequente Förderung und Anwendung von Ersatzmethoden zum Tierversuch.

 

Es gibt zum Glück auch Fortschritt

Neben der Gilde der nimmermüden Tierexperimentatoren gibt es zum Glück auch jene, die sich mit Ideenreichtum, Sachkenntnis und viel Energie um Ersatzmethoden zum Tierversuch bemühen (mehr...). Leider erhalten diese Kreise aber nur einen Bruchteil der finanziellen Mittel, die für Tierversuche vergeben werden. Zugegeben: Geld ist nicht alles. Aber ohne Geld geht es eben auch nicht, und es wäre die Aufgabe der Forschungsförderer, vermehrt Mittel für Alternativen einzusetzen.

 

Der Zürcher Tierschutz leistet seinen finanziellen Beitrag zur Bekanntmachung von Alternativen in der internationalen Zeitschrift ALTEX. Denn nur was man kennt, kann man auch anwenden.