Zweiklassen-Tierschutz

maus

Auch wenn das Tierschutzgesetz recht gut ist, so profitieren Versuchstiere nur bedingt davon. Für sie gelten weiterhin Ausnahmen.

 

 

 

Rueckschritt für Versuchstiere
 

Ein klarer Rückschritt für Versuchstiere

Die neue Verordnung für Versuchstiere wurde am 1. Mai vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) fast schon heimlich in Kraft gesetzt. Nicht einmal die Personen, die an deren Erarbeitung beteiligt waren, wurden darüber informiert. Auch wir mussten dies der Tagespresse entnehmen. Fast könnte man glauben, dass man nicht zuviel Aufmerksamkeit erregen wollte. Ein Blick in die neue Verordnung zeigt dann auch, dass diese tatsächlich nichts ist, worauf man stolz sein könnte.

 

Die Interessen der Industrie stehen offenbar an erster Stelle und über dem Tierwohl. Nur so lässt sich erklären, dass praktisch sämtliche Forderungen von Tierschutzseite abgelehnt wurden. Die Verordnung müsse eben praktikabel sein, meinte das BVET der Presse gegenüber. Die Pharmariesen freut's, sie gehen sogar davon aus, dass sie nichts verändern müssen. Die Anforderungen sind also so tief gehalten, dass in Sachen Haltungs- und Behandlungsmethoden alles beim Alten bleibt.

 

So dürfen dann beispielsweise bei Nagern in den ersten Lebenstagen Zehenglieder immer noch ohne Schmerzausschaltung amputiert werden. Einzelhaltung ist auch für soziale Tierarten bei Unverträglichkeit erlaubt, und zwei Drittel des Laborpersonals darf auch ohne Tierpflegerausbildung mit Tieren hantieren. Dies sind nur ein paar der Punkte, die dringend hätten verbessert werden müssen.

 

Die Chance auf eine Verbesserung für die Versuchstiere wurde vertan. Dies ist umso schlimmer, als die Zahl der Tiere, die jährlich für Tierversuche herhalten müssen, kontinuierlich steigt. Das Tierschutzgesetz, auf das hier alle so stolz sind und das zu den besten der Welt gehören soll, macht immer noch einen grossen Unterschied zwischen Versuchstieren und Heimtieren. Die neue Verordnung macht diesen Graben noch breiter und zementiert die Zweitklassenposition der Versuchstiere.

 

Wir sind empört, in welchem Ausmass das Wohl der Versuchstiere den Interessen der Industrie geopfert wurde. Deshalb werden wir uns in dieser Sache auf jeden Fall noch vernehmen lassen.