Wolfsschutz abgeschossen

© B. Trachsel

Durch die Rückstufung des Schutzstatus des Wolfes in der Berner Konvention begibt sich die Schweiz ins wildtierschützerische Abseits.

 

 

Kugeln statt Artenschutz
 

Roberto und der böse Wolf

Rotkäppchen grüsst das Parlament

Unglaubliches trug sich am 30. September 2010 im Berner Bundeshaus zu. Der christliche Walliser Märchenonkel Roberto Schmidt verzauberte in der Wolfsdebatte eine Mehrheit der ParlamentarierInnen mit seinen schaurigen Geschichten über ein paar CH-Wölfe. Der Wolf jage nicht, um seinen Hunger zu stillen, sondern um zu töten. Den Opfern fresse er lebendigen Leibes die Eingeweide aus dem Bauch und reisse ihnen das Hinterteil vom Körper.

Ob solcher grausiger Schilderungen fühlte sich wohl manch einer im Saal unversehens in die eigene Kindheit zurückversetzt und gedachte bei der Abstimmung des armen Rotkäppchens und seiner Grossmutter.

 

Kein Platz für sachliche Argumente

Die Diskussion zum Schweizer Wolf wird insbesondere von den Wolfsgegnern sehr emotional geführt. Emotionen sind nicht a priori schlecht und können dort, wo sie kontrollierbar sind, Motivation zu vernünftigem Denken und Handeln sein. Wenn jedoch Jägerlatein, mittelalterliches Naturverständnis oder gar unverarbeitete Schreckenserlebnisse aus der eigenen Kindheit die Entscheide zum Wolfsschutz und zu unserem Umgang mit Grossraubtieren zu beeinflussen scheinen, dann ist dies verheerend. Schlimm auch, dass eine bürgerliche Mehrheit unseres Parlaments keine offenen Ohren für sachliche und an der Debatte auch vorgebrachte Argumente hatte.

 

Die Schweizer Antwort: Gewehrkugeln

Obwohl die Schweiz ein Wolfskonzept kennt und von den Nachbarn insbesondere aus Italien und Frankreich lernen könnte, will sie sich aus der Berner Konvention verabschieden und den Wolf zum Freiwild machen. Mit einer Änderung der Jagdverordnung sollen Wölfe oder Luchse zudem auch geschossen werden können, wenn sie den unersättlichen Jägern die Beute streitig machen. Tausende von Abschüssen von Tieren jährlich, welche auf der Roten Liste stehen, sind nicht genug. Statt dem Wolf mit Bedacht und Intelligenz zu begegnen, wie es uns die Nachbarn vormachen, soll in der Schweiz auch ihm gegenüber Hinterhältigkeit angesagt sein: Auflauern und Abdrücken.

 

Keine Steuergelder mehr für Schafhalter

PolitikerInnen, die grosszügig über das Leiden und qualvolle Sterben von jährlich Tausenden von unbeaufsichtigt gealpten und verunglückten oder erkrankten Schafen hinwegsehen, haben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Erst recht, wenn sie auf dem Buckel des Wolfes gleich auch noch Wahlkampf betreiben. Gefragt sind nun Massnahmen, die das Übel an der Wurzel anpacken. Es sind die nötigen gesetzlichen Anpassungen vorzunehmen, dass Sömmerungs- und andere Beiträge nur noch dort ausgerichtet werden, wo Schafhalter taugliche Herdenschutzmassnahmen vorweisen können. Dies auch im Sinne der Rechtsgleichheit, weil sich Schafhalter gefälligst wie jeder andere Tierhalter gemäss Art. 5 der Tierschutzverordnung an die Tierhaltungsvorschriften zu halten haben.