Zukunft der Tierversuche?

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Die Tierschutz-Haltung

Das beharrliche Festhalten am konservativen und wissenschaftlich fragwürdigen Tierversuch widerspricht dem Geist guter Forschung, die stets nach vorne schaut und Neues und v.a. Besseres finden will.

 

Die Haltung vieler Forschenden

"Ohne Forschung mit Tieren wird es nicht möglich sein, die gesellschaftlichen und humanitären Herausforderungen, die diese Probleme hervorbringen, zu bewältigen. Trotz neuer und verfeinerter alternativer Methoden bleiben Tierversuche in der vorhersehbaren Zukunft für die biomedizinische Forschung unverzichtbar." (aus der Einleitung der Basler Deklaration)

 
Forschung mit Primaten
 

Forschende wollen weiter Versuche mit Primaten machen

Ca. 80 Tierexperimentatoren aus Europa haben sich Ende November zu einer zweitägigen Veranstaltung in Basel getroffen und über die Zukunft der Tierforschung respektive Tierversuche nachgedacht und diskutiert. Das Ergebnis ist die sogenannte Basler Deklaration. Darin wird im Wesentlichen gefordert, dass die bisherigen Freiheiten in der tierexperimentellen Forschung erhalten bleiben sollen. Namentlich die Forschung mit Primaten soll weder gerichtlich eingeschränkt noch gesetzlich verboten werden.

 

Flucht nach vorn

Hintergrund für diese neuartigen Bemühungen um Verständnis und Wohlwollen für Tierversuche ist der Bundesgerichtsentscheid von 2009. Dieser hatte den gerichtlichen Bewilligungsentzug für zwei schwer belastende Versuche an Primaten bestätigt, wodurch diese Versuche definitiv nicht durchgeführt werden konnten. (Wir haben hier darüber berichtet.) Offenbar sehen die Forschenden sich durch dieses Urteil massiv in ihrer Tätigkeit bedroht und veranlasst, mit neuartigen Mitteln für ihre Pfründe zu kämpfen.

 

Versprochen wird, was gesetzlich eh vorgeschrieben ist

 In den "Grundlegenden Prinzipien" der Basler Deklaration werden vollmundige Versprechen gemacht. Die Unterzeichnenden verpflichten sich z.B., die ihnen anvertrauten Tiere zu respektieren und zu schützen und diesen keine unnötigen Schmerzen, Leiden oder Schaden zuzufügen, indem sie die höchsten Standards beim Versuchsaufbau und in der Tierhaltung einhalten. Auch um den Einsatz einer möglichst geringen Anzahl von Versuchstieren wollen die Tierexperimentatoren sich kümmern, wie auch um einen eventuellen Einsatz von Alternativmethoden. Selbst eine Güterabwägung zwischen den Interessen der Versuchstiere und jenen des Menschen wollen sie machen. Wunderschön, würde man denken. Nur: All diese Dinge sind in Form von Vorschriften im Tierschutzgesetz und in der Tierschutzverordnung verankert und müss(t)en darum sowieso eingehalten werden.

 

Forderungen, Bitten, Anregungen, Einladungen

Nach den Versprechen kommen die Forderungen und Wünsche: u.a.bestehen die Unterzeichnenden darauf, dass notwendige Forschung mit Tieren, einschliesslich nicht-humaner Primaten, heute und in Zukunft erlaubt sein soll. Zur allfälligen Frage, was notwendige Forschung ist, scheint die Antwort selbstredend klar. Notwendig ist, was Forschende für notwendig erachten. 

 

Sodann wird darum gebeten, dass neue Gesetze und Bestimmungen nur dann eingeführt werden, wenn diese das Resultat eines sachlich geführten, Fakten basierten demokratischen Diskurs sind. Da muss man sich ernstlich fragen, wie denn die Gesetze und Bestimmungen bisher zustande gekommen sind. Undemokratisch? Wurde die Sicht der Forschung nicht erfragt, wurde sie missachtet und übergangen? Natürlich spielt bei der Entstehung von Regelwerken die jeweilige Macht der verschiedener Interessenvertreter eine Rolle. Am kürzeren Hebel sind aber nicht die Forschungslobby und die Pharmaindustrie, sondern die Tierschützer (siehe z.B. hier).