EU-Richtlinien für Tierversuche
 

Das EU-Parlament hat eine Chance vertan

Bis die EU sich entschloss, die aus dem Jahr 1986 stammende und völlig veraltete Tierversuchs-Richtlinie 86/609/EEC zu überarbeiten, hatte es sehr lange gedauert. Lange haben auch die Vorarbeiten für die Revision gedauert. Im November 2008 hat die EU-Kommission dann endlich einen Richtlinienentwurf in die Vernehmlassung geschickt, der eine ganze Anzahl erfreulicher Verbesserungen für Versuchstiere vorsah. Im Verlauf der Verhandlungen wurden die meisten Fortschritte aber wieder gestrichen oder zumindest verwässert. Am 8. September hat das EU-Parlament eine neue Richtlinie angenommen, der man leider nicht freudvoll zustimmen kann.

 

Durchaus ein paar Verbesserungen

Zu begrüssen ist, dass die überalterte Richtlinie überhaupt revidiert wurde. Denn ein paar Verbesserungen sind in der neuen Version schon auszumachen. So müssen Tierversuche nun EU-weit in Schweregrade eingeteilt werden, was in der Schweiz schon seit 1985 der Fall ist. Auch wird eine rückwirkende Bewertung für Versuche an Primaten mit Schweregrad "schwer" verlangt. Die Mindeststandards für die Haltung von Versuchstieren haben sich eher verbessert, auch wenn sie noch weit davon entfernt sind, tiergerecht zu sein. Immerhin dürfen soziallebende Tiere nur noch im absoluten Ausnahmefall und nur für begrenzte Zeit einzeln gehalten werden.

 

Worüber wir sehr enttäuscht sind

Die Chance, Versuche mit Primaten oder zumindest solche mit Menschenaffen durch ein Verbot zu beenden, wurde leider vertan. Obwohl für Versuche mit Primaten vordergründig hohe Hürden gelten, bleibt dank Ausnahmeregelungen und schwammiger Begriffe wohl alles beim alten. Auch der Druck, statt Tierversuche Alternativmethoden zu wählen, ist weit schwächer als erhofft: Alternativmethoden sollen "wo immer möglich" angewandt werden. Das wird wohl heissen, dass Alternativmethoden erst dann zwingend zur Anwendung kommen müssen, wenn sie behördlich anerkannt sind. Dieser Anerkennungsprozess dauert in der Regel aber Jahrzehnte, wodurch sich vieles erst am Sanktnimmerleinstag ändern wird.

 

Wie weiter?

Innerhalb von 24 Monaten müssen die EU-Länder die neue Tierversuchs-Richtlinie in nationales Recht überführen. Diese Pflicht hat die Schweiz zwar nicht. Aber natürlich orientiert sie sich, was Standards anbelangt, gerne an der EU-Richtlinie. In einzelnen Punkten mag dies für die Tiere vorteilhaft sein, in manchen leider gar nicht.