Hoffnung für Versuchstiere

Makake
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Die Original Urteilsbegründungen des Bundesgerichts finden Sie hier, indem Sie nach 2C_421/2008 und 2C_422/2008 suchen.

 

Lesen Sie auch unseren Kommetar zum Bundesgerichtsentscheid.

 

Informationen zum Bewilligungsverfahren von Tierversuchen in der Schweiz finden Sie hier.

 

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit in der Kantonalen Tierversuchskommission.

 

 

 

Die Begruendung der Bundesrichter
 

Das Bundgericht bekennt sich zur Würde der Kreatur

Seit dem 13. Oktober 2009 wissen wir, dass das Bundesgericht im Rechtsstreit um zwei Tierversuche mit Primaten zugunsten der Tiere entschieden hat. Diese beiden umstrittenen Primatenversuche bleiben somit definitiv verboten. Bis jetzt war jedoch unklar, wie die Bundesrichter diesen Entscheid begründen, was für zukünftige Versuche von grösster Bedeutung ist. Gestern, am 4. November 2009, traf die Begründung vom Bundesgericht ein.

 

Wir dürfen uns weiter freuen! Die Argumentation der Beschwerdeführer vermochte die Bundesrichter in keinem Punkt zu überzeugen, und der Güterabwägung der Tierversuchskommission wurde vollumfänglich zugestimmt.

 

In der Begründung wird auch die Bedeutung der Tierversuchskommission bekräftigt. Das Gesetz verlange, dass Tierversuche auf ein "unerlässliches Mass" zu beschränken seien. Und eine der Aufgaben der Tierversuchskommission sei eben auch die Auslegung solcher unbestimmter Rechtsbegriffe. Eine Abweichung von deren Antrag sei deshalb nur aus guten Gründen zulässig.

 

Sehr grosses Gewicht legen die Richter generell auf die Güterabwägung, bei der der zu erwartende Nutzen in die eine Waagschale und die Belastung der Versuchstiere in die andere gelegt wird. Sie betonen, dass die Gewinnung von rudimentären Erkenntnissen über die menschliche Gesundheit eine hohe Belastung der Versuchstiere nicht rechtfertigen kann. In den beiden konkreten Fällen hält auch das Bundesgericht das Leiden der Tiere für unverhältnismässig gross im Vergleich mit dem zu erwartenden ungewissen Erkenntnisgewinn.

 

Grosse Bedeutung messen die Richter auch der Würde der Kreatur bei. Durch ihre starke genetische und sinnesphysiologische Nähe zum Menschen falle diese bei nichtmenschlichen Primaten besonders ins Gewicht. Der zu erwartende Erkenntnisgewinn müsste also ungleich höher sein als bei den Zürcher Versuchen, um den Leidensdruck der Tiere und die Verletzung ihrer Würde zu rechtfertigen.

 

Wir freuen uns sehr darüber, dass das Bundesgericht sich so mutig für die Würde und eine konkrete Umsetzung der Güterabwägung einsetzt. Es zeigt, dass diese gesetzlichen Bestimmungen keine Lippenbekenntnisse bleiben müssen, sondern auch tatsächlich durchgesetzt werden können.