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25.01.2012

Tierversuche: Lausbubenstreiche zuhauf, nicht nur (aber auch) bei Novartis

Novartis hat 2011 den Umsatz um 16% erhöht und dafür die Zahl der Arbeitsplätze reduziert. Das nennt Novartis Effizienzsteigerung. Auf der Strecke bleiben Menschen und das Beispiel zeigt, dass Ethik bei den Pharmariesen dort aufhört, wo der Rubel zu fliessen beginnt.


Damit nicht genug. Novartis prüft zudem die Auslagerung von Tierversuchen (die Prüfung der Verträglichkeit von Pharmastoffen) in ausländische universitätsnahe Spin-Off Unternehmen. Man spart so weiteres Personal, und muss für die Tierversuchsstatistik weniger Tierversuche ausweisen, was dem Image dient. Gemäss Insider-Auskünften* erwägt Novartis sogar die Auslagerung von Tierversuchen in Länder, in denen die Tierschutzgesetzgebung fehlt oder weit larger ist als in der Schweiz und die Kosten erst noch tief sind; Zum Beispiel nach Bangalore und Singapur, die für die Industrieforschung immer attraktiver würden. Ein solcher Tierversuchs-Export geht deshalb auf Kosten des Wohls von Versuchstieren. Dabei wäre ein solcher Export gar nicht erlaubt, würde man sich als Konzern und als Forschende an die Ethischen Grundsätzen und Richtlinien der Akademien der Wissenschaften Schweiz halten.**. Offensichtlich sind die an sich sehr guten Ethischen Grundsätze und Richtlinien reine Makulatur .


Die Tierversuchsbranche beteuert ständig, transparent zu sein und die Öffentlichkeit durch Offenheit und Information von der Notwendigkeit der Tierversuche überzeugen zu wollen. So weit so gut. Kaum steht aber eine Gesetzesrevision an, die eben diese Transparenz verbessern will, laufen die Forschenden Sturm. Man müsse schliesslich tierexperimentell tätige Institutionen und Menschen vor Angriffen aus der Öffentlichkeit schützen. Nach dem Willen der Wissenschaftskommission des Nationalrates (WBK-N) soll der Bundesrat bei der Regelung der Einzelheiten darum «die überwiegenden schutzwürdigen privaten oder öffentlichen Interessen beachten». Rückschlüsse auf Firmen, Forscher, Forschungsanlagen und Forschungsvorhaben sollen damit vermieden werden. Was die wohl zu verstecken haben?

 

Claudia Mertens

 

 

* Tages-Anzeiger vom 23.1. 2012: Novartis will Mäuse sparen http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Novartis-will-Maeuse-sparen/story/17266208


** Pt. 5.2 der Grundsätze und Richtlinien von 2005 lautet: „In der Schweiz tätige Forschende lehnen es ab, Tierversuche, die der Schweizerischen Tierschutzgesetzgebung widersprechen und nach den vorliegenden Ethischen Grundsätzen und Richtlinien nicht verantwortet werden können, im Ausland durchzuführen oder sich an deren Durchführung im Ausland zu beteiligen. Sie lehnen es auch ab, Versuchstiere aus dem Ausland zu beziehen, wenn deren Zucht, Haltung und Behandlung nach den vorliegenden Ethischen Grundsätzen und Richtlinien nicht verantwortet werden können. Das Gleiche ist anzustreben für den Bezug von aus Tierversuchen gewonnenen Produkten aus dem Ausland. http://www.samw.ch/de/Ethik/Richtlinien/Aktuell-gueltige-Richtlinien.html

 

*** NZZ-Online vom 20.1. 2012: Parlamentarier fürchten Transparenz bei Tierversuchen http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/nationalratskommission_fuerchtet_transparenz_bei_tierversuchen_1.14436365.html

 

 

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