Zukunftschance Tierwohl

© B. Trachsel
 
 
  • Nutztiere.ch, ein Informationsportal des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen

 

 

 

Buchtipp

 

 

 

Landwirtschaft
 

Tierische Höchstleistung als Programm

Unsere Nutztiere sind aus Tierschutzsicht bezüglich Haltung und Umgang seit Jahrzehnten ein Dauerthema, auch wenn durchaus für die Tiere wichtige Verbesserungen erreicht wurden. Findige Technokraten haben laufend unzählige Haltungs- und Managementsysteme entwickelt mit der Absicht, in kürzester Zeit auf kleinstem Raum und mit minimalem Personaleinsatz maximale Erträge zu erzielen. Damit soll die enorme Nachfrage nach Fleisch, Milch und Eiern befriedigt werden. Obwohl gemäss Umfragen die Schweizer Bevölkerung tiergerecht produzierte Erzeugnisse bevorzugt, lässt das Konsumverhalten eher auf Gleichgültigkeit und immer mehr Einkauf von Billigware schliessen.

 

Millionen von Produktionseinheiten garantieren Millionengewinne

Im Jahre 2011 wurden in der Schweiz rund 9,4 Mio. Nutzhühner, 1,6 Mio.Tiere der Rindergattung sowie 1,58 Mio. Schweine gehalten. Während der Geflügelbestand im Jahr 2013 auf über 10 Mio. Tiere anstieg, sanken die Rindvieh- und Schweinebestände je um rund eine Mio. Tiere.  Die meisten Nutztiere gehören Hochleistungs-Rassen an, die zuchtbedingt sehr krankheitsanfällig und kurzlebig sind und schnell ausgetauscht werden müssen. Die tierische Produktion ist somit auch für den mächtigen Zwischenhandel ein einträgliches Geschäft. Dank einflussreicher Bauern-Lobby in Bundesbern fliessen jährlich 2,8 Milliarden Franken an Direktzahlungen in die Landwirtschaft.

 

Im Zug der Agrarpolitik 2014-17 wurden endlich die Beiträge pro Raufutterverzehrer (sog. Tierbeiträge) abgeschafft. Damit wurde der Fehlanreiz beseitigt, möglichst viele Tiere anzuschaffen, um mehr Direktzahlungen zu erhalten. Stattdessen werden gemäss dem neuen Direktzahlungssystem mehr leistungsbezogene Beiträge entrichtet, z.B. für die Pflege der Kulturlandschaft, die Förderung der Biodiversität sowie tier- und umweltfreundliche Produktion.

 

Wenn Quantität statt Qualität den Markt bestimmt, kommt das Tierwohl zu

kurz. Auch Nutztiere werden zwar mehrheitlich gesetzeskonform gehalten,

ihren natürlichen Bedürfnissen wird dadurch aber kaum Rechnung

getragen. Das Tierschutzgesetz im Nutztierbereich ist nach wie vor

ungenügend und in erster Linie der Wirtschaft statt dem Tierwohl verpflichtet. Die Tierschutzverordnung verlangt entsprechend nur die Einhaltung von

Mindeststandards. Die tiergerechte Produktion beschränkt sich auf einige

wenige Labels mit hohen Anforderungen an Haltung und Umgebung.

 

Konsequent handeln statt Resignieren ist die Devise. Mit unserem Einkauf- und Konsumverhalten können wir Zeichen setzen, Einfluss nehmen, die tiergerechte Produktion fördern und so weitsichtige und tierwohlbewusste Bauern unterstützen. Als StimmbürgerInnen müssen wir einer Landwirtschaftspolitik eine Absage erteilen, die jährlich mehr Steuergelder verschlingt und gleichzeitig den Nutztieren kaum mehr Wohlbefinden zugestehen will, ja gar Abbau betreibt. Als Tierschutzorganisation schliesslich nennen wir jene beim Namen, die den Tierschutz in der Landwirtschaft ständig bremsen und blockieren und fördern gleichzeitig die Tierschutzforschung im Bereich der Nutztierhaltung.