Kein Glück

© N. Frey

Obwohl Lotto "den Knopf" im Tierheim so schön aufgetan hatte und eine menschenfreundliche Kätzin geworden war, war ihr der schöne Lebensabend in einem liebevollen Zuhause nicht vergönnt. Leider gibt es auch Geschichten, die nicht gut ausgehen.

 

 

 

Lotto
 

Für Lotto blieb das Happy End leider aus

Am 24. August 2010 wurde eine getigerte Katzendame namens Lotto bei uns im Tierheim abgegeben. Anlass dazu war der Umzug des Besitzers, denn im neuen Zuhause waren keine Katzen erlaubt. Der Herr beschrieb Lotto als eher unnahbar und verschlossen.

 

Ein Lichtstreifen am Horizont

Lotto war am Anfang sehr ängstlich. Angefasst zu werden war für sie so schlimm, dass sie auch mal beherzt zuschlagen konnte. Eine Kollegin schlug eine Globuli-Therapie vor. Nach einiger Zeit kam tatsächlich das grosse Erfolgserlebnis: Lotto genoss die Streicheleinheiten, schmuste und schnurrte. Sie mauserte sich zu einer sensiblen aber freundlichen Katzendame. Unfreundlich war sie jedoch weiterhin mit Artgenossen oder wenn die Tierpflegerin ein Tuch in den Händen hielt (das muss sie mit einem sehr negativen Ereignis verbunden haben). Trotzdem standen die Chancen gut auf ein neues Zuhause. Am 7. Mai 2011 war es dann soweit. Es hatte sich ein junges Paar gefunden, das Lotto gerne adoptieren wollte. Ein Happyend ?

 

Unzufrieden? Stress? Angst?

Einen Monat später standen die neuen Besitzer wieder vor der Tür. Leider hatte es nicht geklappt, denn Lotto war unsauber, dass heisst, sie urinierte und setzte Kot ausserhalb des Katzenkistchens ab. Jeder, der sich mit Katzen auskennt, weiss, dass Katzen schnell unsauber werden können, wenn sie unzufrieden sind, Stress oder große Angst haben.

 

Anfangs August 2011 war die zweite grosse Chance für Lotto gekommen. Wieder fanden sich gute Menschen, die sich Lotto annehmen wollten. Alles lief gut bis jener Anruf von den neuen Besitzern kam. Wir mussten erfahren, dass Lotto an die Möbel markierte. Doch sie wollten nicht so schnell aufgeben. Lotto wurde homöopathisch behandelt, und alles mögliche wurde in die Wege geleitet, damit sich Lotto wohl fühlt. Doch leider wurde es nicht besser. Es gab zwischen den Vorfällen längere Pausen, doch trotzdem markierte sie von Zeit zu Zeit noch an die Möbel oder in das Bett.

 

Und wieder zurück

Es kam wie es kommen musste, Lotto wurde kurz nach Weihnachten wieder im Tierheim abgegeben. Wir fragten uns, was mit Lotto geschehen sollte, denn sie konnte unmöglich bis ans Ende ihres Lebens bei uns im Tierheim bleiben, das wäre für die ältere Katze nicht zumutbar gewesen. Eine Option gab es noch: Lotto könnte bei uns ins Freie gelassen werden, hätte ein warmes Zuhause und zwei Mahlzeiten täglich. Aber Lotto war sehr verschmust und würde ohne engeren Menschenkontakt sicher nicht glücklich werden. Ausserdem würde das Tierheim im nächstes Jahr umgebaut – ein gefährliches Leben als freilebende Katze auf einer Baustelle.

 

Weiter ging die Suche nach dem Hauptgewinn für die ca. im Jahr 1999 geborene Lotto. Vielleicht auf einem Bauernhof ? Oder doch noch mal ein Versuch in einem Haus oder in einer Wohnung (wo sie natürlich wieder Freigang erhalten würde)?

 

Lotto hatte eine Niereninsuffizienz, mit der es sich zwar gut leben lässt, aber sie brauchte spezielles Futter, das nur beim Tierarzt erhältlich ist und natürlich mehr kostet als ein herkömmliches. Täglich gabs zudem noch eine Tablette. Trotz allem warteten wir auf ein kleines Wunder für die Herzensbrecherin Lotto.

 

Ein schwarzer Tag

Der 21. März 2012 war ein schwarzer Tag für unsere Tiger-Dame. Lotto ging es schon seit einigen Tagen schlecht. Sie hatte nicht mehr richtig gefressen, verweigerte auch die Tabletten und zog sich immer mehr zurück. Als wir sie zum Tierarzt brachten, stellte dieser fest, dass sie sehr mager ist, blasse Schleimhäute hat und Wasser im Bauchraum. Er schloss daraus, dass es sich um einen Tumor handeln dürfte. Leider mussten wir sie an gleichen Tag einschläfern, da die Genesungschancen gleich null waren.Wir alle mochten unsere Lotto sehr und hoffen, dass sie wenigstens jetzt glücklich sein darf.

 

Nicole Frey