Endlich glücklich!

© E. Furrer

Ich (links) habe meine Familie gefunden und geniesse meinen Lebensabend in toller Gesellschaft.

 

Lara
 

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Da stand sie, gross, schwarz-grau meliert, sah mich mit ihren dunklen Augen an und wedelte verhalten mit dem Schwanz. Ihr Besitzer erklärte uns, dass er sich leider von Lara trennen müsse, da er im Altersheim, wo er in Zukunft leben würde, keine Hunde mitnehmen dürfe. Die letzten Monate ging niemand mehr mit der Riesenschnauzer-Dame spazieren, da ihr Herrchen nicht mehr gut zu Fuss war. Die meiste Zeit verbrachte Lara deshalb im Haus und im Garten. So war sie sich gewöhnt, den Tag mit ihrer Bezugsperson zu verbringen.

 

Im Tierheim

Nun musste sich Lara nach zwölf Jahren bei ihren Menschen an ein Leben im Tierheim gewöhnen – hoffentlich nicht den Lebensabend! Lara vermisste ihr Herrchen schmerzlich, obwohl sie die Box mit einem Artgenossen teilen konnte. Ihr fehlte der Kontakt zum Menschen, was sie deutlich zu erkennen gab. Als erstes mussten Laras Muskeln wieder aufgebaut und ihre etwas beleibte Figur wieder in Form gebracht werden. An der hinteren rechten Pfote fehlte ihr eine Zehe, was ihr das Gehen erschwerte. Bald bemerkten wir, dass sie auch mit den Gelenken Probleme hatte, besonders beim Aufstehen. Ja, ja, das Alter... Also wurden ihr Medikamente verabreicht, die die Schmerzen etwas lindern konnten. Trotz unserer Fürsorge machte Lara die ganze Umstellung immer mehr zu schaffen. Aus Langeweile begann sie an ihren Fettgeschwüren zu lecken bis diese zu bluten begannen und wir sie entfernen lassen mussten. Zum Glück überstand die alte Dame auch diese Bürde.

 

Das lange Warten

Obwohl wir sowie freiwillige Hundespaziergänger sie möglichst täglich ausführten, war nicht zu übersehen, dass Lara sich nichts sehnlicher wünschte als ein neues Zuhause. Mit freudigem Schwanzwedeln begrüsste sie jeweils Interessenten, zeigte sich von der besten Seite und schaute die Leute mit erwartungsvollen Augen an. Doch leider war die Kandidatin entweder zu gross oder zu alt. So schwand die Hoffnung, unserer Lara möglichst bald einen verdienten, glücklichen Lebensabend zu ermöglichen – immerhin hatte sie bereits 8 Monate im Tierheim verbracht.

 

Die gute Fee

Während der praktischen Prüfung unserer Lehrtochter geschah das Wunder. Einer netten Prüfungsexpertin fiel das freundliche Wesen von Lara auf, und sie entschloss sich kurzerhand, die alte Hündin zu adoptieren. Das ganze Tierheim-Team konnte es kaum glauben, dass Lara einen so tollen Platz gefunden hatte, und freute sich über die Fotos, die Lara mit den anderen Hunden dieser gutherzigen Frau zeigte – völlig zufrieden und entspannt blickte sie in die Kamera.

 

Silvia von Allmen