Arbeit mit Tieren

Christine mit Kira
© G. Möstl
 

"Es wäre schön, wenn angehende Heimtier-Halter mehr Wert auf das Wesen des Tieres legen würden statt auf dessen äussere Erscheinung."


Portraet
 

Christine Naef

Tierpflegerin, tierpsychologische Beraterin, Journalistin und Buchautorin

 

Du bist Tierpflegerin, tierpsychologische Beraterin, Tierschutzbeauftragte, Journalistin und Buchautorin in Einem. Wie darf man sich das praktisch vorstellen?

Als Journalistin begann ich mich auf Tierthemen zu spezialisieren, nachdem ich das Diplom als tierpsychologische Beraterin in der Tasche hatte. Obwohl ich stets selbst Tiere um mich hatte und habe, war ich happy, als ich mein Wissen im Tierheim praktisch anwenden konnte und gleichzeitig täglich dazulernen durfte.

 

Der unmittelbare Kontakt mit Tieren ist dir offensichtlich wichtig.

Und wie! Trotzdem schätze ich bei meiner Tätigkeit im Tierheim und bei meiner Arbeit als Tierschutzbeauftragte auch den häufigen Kontakt mit dem Menschen.

 

Was hat dein Hund Jacky, ein Spitz, dir schon beigebracht?

Jacky ist mein fünfter vierbeiniger Begleiter, und gelernt habe ich von allen, auch von meinen Katzen. Das Wichtigste ist wohl zu wissen, dass jedes Tier ein Individuum ist. Anders ausgedrückt: Es ärgert mich, dass die meisten Ausbildungs- und Erziehungsphilosophien auf alle Hunde anwendbar sein sollen. Das ist Unsinn! Nur wer sich mit möglichst vielen dieser Methoden auseinandergesetzt hat, weiss, wie er das Vertrauen eines Hundes gewinnen und ihn seinem Charakter und Wesen entsprechend erziehen kann.

 

Was war die grösste Lehre, die Katzen dir erteilt haben?

Für mich ist klar: Katzen sollten nur in Ausnahmefällen als reine Wohnungskatzen gehalten werden.

 

Was ist das Besondere im Kontakt mit Tieren im Tierheim?

Jedes Tier stellt eine neue Herausforderung dar. Ziel ist es, diese Tiere möglichst gut kennen zu lernen, sie eventuelle schlechte Erfahrungen vergessen zu lassen und den idealen künftigen Halter für sie zu finden.

 

Wünschst du einem Tier in besonders auswegslosen Fällen eine Erlösung mittels Euthanasie?

Ja, das kommt vor, wenn auch selten.

 

Nenne einen Wunsch, den du an die menschliche Tierheim-Kundschaft richten möchtest.

Es wäre schön, wenn Interessenten für ein Heimtier mehr Wert auf sein Wesen legen würden statt auf dessen äussere Erscheinung bzw. darauf, einen Modehund wie etwa einen Mops zu erwerben. Leider werden auch immer wieder Jungtiere als Spielzeug für Kinder oder als Accessoire angeschafft, um sie dann im erwachsenen Alter ins Tierheim abzuschieben. Und: Mitleid darf nicht der ausschlaggebende Grund dafür sein, ein Tier aus dem Tierheim zu adoptieren. Entscheidend ist das Gespür, dass die Chemie zwischen dem künftigen Halter und dem Hund stimmt.