Schon wieder??!??

Makake
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Augenwischerei!

"Es ist Augenwischerei, wenn Forscher damit argumentieren, dass die neurophysiologischen Versuche an Makaken dem Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen etwas bringen. Vielleicht in 50 Jahren, vielleicht auch nicht. Wenn es um direkte Heilungserfolge geht, müsste man überlegen, ob man Forschungsgelder nicht viel besser investieren kann." Marcel Leist, Konstanzer Professor, Inhaber des Lehrstuhls für Alternativmethoden zu Tierversuchen im Zeitungsinterview.

 

Hintergrundinformationen


Erneut Primatenversuche in Zuerich?
 

Unethische Forschung soll Menschen heilen?

Am 18. September 2014 wurde bekannt, dass die Forschenden am Institut für Neuroinformatik der Uni und ETH Zürich erneut schwer belastende Versuche mit Primaten planen und beim Veterinäramt ein entsprechendes Bewilligungsgesuch eingereicht haben. Mit zwei bis drei Rhesusaffen sollten Gehirnprozesse studiert werden. Der Zürcher Tierschutz ist überzeugt, dass diese Versuche in der vom Gesetz verlangten Güterabwägung nicht zu rechtfertigen sind. Das garantierte und erhebliche Leiden der Tiere überwiegt den möglichen Nutzen der Versuche. Auf solche Versuche ist zu verzichten!

 

Ähnliche Versuche hat das Bundesgericht 2009 verboten

Gegen ganz ähnliche Versuche hatte die Zürcher Tierversuchskommission 2006 Rekurs eingelegt. Das Verfahren ging durch alle Instanzen, schliesslich befand das Bundesgericht 2009, dass die Versuche unzulässig sind und unterbleiben müssen (mehr dazu...). Diese Niederlage konnten die Forschenden offensichtlich nicht schlucken, obwohl das Bundesgericht sein Urteil ausführlich und nachvollziehbar begründet hatte (mehr dazu...). Die Richterinnen und Richter betonten u.a., dass die Gewinnung von rudimentären Erkenntnissen über die menschliche Gesundheit eine hohe Belastung der Versuchstiere nicht rechtfertigen kann.


Keine Einsicht bei den Forschenden

Nun wollen die Forschenden es nochmal wissen und hoffen, mit mehr Öffentlichkeitsarbeit mehr Akzeptanz für Ihre Versuche zu erzielen. Tatsächlich muss jeder Tierversuch als Einzelfall behandelt und einer sorgfältigen Güterabwägung unterzogen werden, das ist auch im vorliegenden Fall nicht anders. Nach allem, was über den geplanten Versuch bekannt ist, kann diese Güterabwägung aber keinesfalls zugunsten des Versuchs ausfallen, denn das Leiden der Tiere ist massiv, der erhoffte Nutzen hingegen höchst ungewiss. Es liesse sich auch die ketzerische Frage stellen, wie man mit zwei bis drei Tieren Erkenntnisse erzielen will, die künftig für die Behandlung von Menschen dienen sollen. Jedes Tier ist ein Einzelfall und Erkenntnisse über gerade mal zwei oder drei Tiere haben bestenfalls anekdotischen Charakter.

 

Verharmlosung des Tierleidens

«Unsere Fragestellungen haben grosse Relevanz für viele psychische Krankheiten des Menschen», sagt der Neurowissenschaftler Valerio Mante. Ja, die Forschenden sind stets sehr selbstsicher und zuversichtlich, wenn es darum geht, der eigenen Forschung Bedeutung und medizinischen Nutzen beizumessen. Geht es allerdings darum, die Belastungen für die Versuchstiere zu bewerten, sehen sie keine grossen Probleme und bezeichnen selbst gravierende Belastungen als geringfügig. Sie betonen, alles nur erdenkliche für das Wohlergehen der Tiere zu tun und gehen sogar so weit zu behaupten, die Tiere würden freiwillig mitmachen. Wie diese "Freiwilligkeit" im Detail aussehen kann, haben unlängst verdeckte Filmaufnahmen aus einem deutschen Forschungsinstitut gezeigt, das ähnliche Versuche wie in Zürich geplant durchführt. 

 

Es geht auch anders!

Wie sinnvolle Hirnforschung aussehen kann, zeigen Forschergruppen der Universität Giessen. Am dortigen Zentrum für Psychiatrie werden zur Erforschung verschiedener Erkrankungen im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Neurowissenschaft das Denken und Erleben des Menschen und dessen neuronale Grundlagen bei Patienten und gesunden Menschen erforscht. Dabei konnten bereits viele klinisch wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, die kranken Menschen zu Gute kommen. (mehr...)