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05.08.2010

Wolf im Wallis: Die Schweiz lässt wieder schiessen

Im Bezug auf den Umgang mit den grossen fleischfressenden Wildtieren ist die Schweiz wahrhaftig ein Entwicklungsland. Denn erneut zeigt sich, dass sie Probleme im Zusammenhang mit der natürlichen Einwanderung von Wolf und Bär vornehmlich mit Waffengewalt löst. Solches haben wir nicht etwa dem Umstand zu verdanken, dass es bei uns keine schlauen und weitsichtigen Köpfe gibt, die Begriffe wie Wildtiermanagement, Biodiversität, Herdenschutz oder Verhaltensökologie nicht nur vom Hörensagen kennen. Es liegt auch nicht daran, dass man in unserem Land nur konzeptionslos handelt (siehe Wolfskonzept CH), wenn Raubtiere sich an unseren unbehüteten Haustieren gütlich tun. Zuzuschreiben ist unser zweifelhafter Ruf in erster Linie dem mächtigen Jäger- und Schafzüchterfilz, der, politisch im selben Lager vereint, hartnäckig an seinen Pfründen festhalten will und bis hinauf nach Bundesbern bestens vernetzt ist. Viele Schafzüchter kassieren gut und gerne Bundesbeiträge, ihre Tiere wollen sie aber nicht in dem Masse schützen, wie es sich für einen anständigen Tierhalter gehört. Erzkonservative Grünröcke unter den Jagdfreunden blasen stereotyp ihre in Wald- und Berglerromantik getränkten Weisheiten ins Volk und man verwahrt sich reflexartig dagegen, dass "Raubzeug" wie Wolf oder Bär einem die Beute streitig macht. Wer's nicht glaubt, der besuche etwa das Online-Forum des Waidmänner-Leibblattes "Jagd & Natur". "Ein Mensch, der nicht jagt, lebt nicht natürlich, MUSS also degeneriert oder krank sein oder sonstwie daran gehindert werden, seine Natur zu leben!", liest man da als Beispiel unter vielem ähnlich Kuriosem.


Wenn wir in Sachen Wildtierschutz in Zukunft ernst genommen werden wollen, dann dürfen wir das Feld nicht solchen Leuten überlassen. Sachverstand, die Fähigkeit für das Erkennen komplexer Zusammenhänge, Unabhängigkeit und Rückgrat bei den zuständigen Behörden sind gefragt. Futterneid, Profilierungssucht und Jagdhüttenromatik haben hier nichts zu suchen.



Bernhard Trachsel

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